Karlsruhe - Jetzt geht er in die Offensive: Der unter Kinderporno-Verdacht stehende SPD-Politiker Jörg Tauss hat am Mittwoch zu einer Pressekonferenz geladen. Fragen durften nicht gestellt werden. Tauss las einen achtseitigen Brief an die Öffentlichkeit vor. Seine Frau stand schweigend hinter ihm.
Mit Unschuldsmiene beteuerte er: „Ich versichere Ihnen, kein Pädophiler zu sein!“
Hier seine Erklärungen für das einschlägige Material, das man bei ihm fand:
Er habe sich als medienpolitischer Sprecher seiner Partei über die Szene informieren wollen. „Ich habe mich - eventuell unter Verstoß gegen gesetzliche Vorschriften - in einen stinkenden Schweinestall begeben, um ihn auszumisten. Man kommt heute der kinderpornografischen Szene nur nahe, wenn man selbst szene typisches Material anbietet“, las er vor.
Viele Fragen bleiben offen
Kopfschütteln bei der Staatsanwaltschaft: Die „szenetypischen“ Dateien hätten nichts mit der Arbeit als Abgeordneter zu tun gehabt, sagte Oberstaatsanwalt Rüdiger Rehring.
Warum hat er den „Schweinestall“ nicht auffliegen lassen, fragen sich viele. Und warum hat er niemanden in seine Recherchen eingeweiht? Antworten gab es nicht, nur vage Aussagen: Er habe sein Umfeld nicht belasten wollen.
Seinen Einstieg in die Szene schilderte Tauss so: Um sich der Szene anzunähren, habe er 2007 pornografische Telefonhotlines unter Decknamen wie „Werner“ angerufen. Dabei habe er Kontakt zu dem Mann in Bremerhaven bekommen, der sich „Kielburger“ nannte und wohl mit dem überführten Beschuldigten „Sascha“ identisch sei, der ihn nun beschuldige.
Für Foto von nackten Jungs bezahlt
Dieser habe ihm damals angeboten, ihn an eine „Produktionsstätte“ zu führen, wo Kinder vor der Kamera missbraucht werden. „Als Beleg erhielt ich vorab unter anderem ein MMS-Bild mit nackten Jungs am See“, so Tauss. Einmal habe er das verlangte Geld gezahlt. Dann nicht mehr, fuhr er fort. Er habe neue Taten verhindern wollen.
Das im Zuge der rund einjährigen Recherche erhaltene „erkenntnisreiche“ Material will er dann in einen Koffer verpackt und in seiner Berliner Dienstwohnung „weggeräumt“ haben.
Warum er das Material nicht der Polizei übergeben hat, blieb unklar. Fragen ließ Tauss nicht zu.
Er entschuldigte sich für sein Vorgehen, ausdrücklich auch bei seiner Frau: „Ja, ich habe Mist gebaut“, sagte der 55-Jährige.
Die Staatsanwaltschaft Karlsruhe teilte noch am Abend mit, dass sich der Verdacht des strafbaren Besitzes von kinderpornografischen Dateien und Bildmaterial gegen Tauss „weiter verdichtet“ habe. Die Staatsanwaltschaft wies auch den von Tauss erhobenen Vorwurf der „Vorverurteilung“ und der „Vernichtung der sozialen Exis tenz“ zurück.
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