Die provokanten Thesen von Bundesbank-Vorstand Thilo Sarrazin spalten Deutschland. In seinem Buch "Deutschland schafft sich selbst ab" kritisiert das SPD-Mitglied unter anderem muslimische Einwanderer.
In der ARD-Polittalkshow "Hart aber fair" unter dem Titel "Rechthaber oder Rechtsausleger - Deutschland streitet über Sarrazin" hatte Moderator Frank Plasberg neben Thilo Sarrazin die Journalistin Asli Sevindim, SPD-Sozialexperte Rudolf Dressler, Michel Friedman und Historiker Prof. Arnulf Baring an einen Tisch gebracht.
Der Bundesbank-Vorstand verteidigte seine Thesen. Allerdings gestand er auch ein, dass die vom gemeinsamen Gen aller Juden sei eine Dummheit gewesen sei – die aber mit seinem Buch nichts zu tun habe: „Hätte ich Ostfriesen oder Isländer gesagt, wäre es kein Thema gewesen.“
Beim verbalen Schlagabtausch bezeichnete Michel Friedmann Sarrazin als "menschenfeindlich, gewalttätig und respektlos." Die in Duisburg geborene Asli Sevindim („Ich habe schon Schnappatmung“) hielt Sarrazin vor, rassistisch zu argumentieren. Er trage nichts zur Lösung der Integrationsprobleme bei. Ihre Eltern fühlten sich durch ihn beleidigt.
Thilo Sarrazin zeigte sich am Vorabend der für Donnerstag erwarteten Entscheidung der Bundesbank über seine Zukunft vergleichsweise zahm. Auf Plasbergs Frage "Sind Sie auf Bewährung hier?", antwortete Sarrazin: "Ich bin als Buchautor hier",und verriet: "Ich hab das Buch eigentlich nur für mich geschrieben. Erst danach hab ich es einem Verlag angeboten."
Auch der zweite Auftritt in einer TV-Show innerhalb einer Woche dürfte die Karten für Sarrazin nicht verbessert haben. Seine Partei will ihn am liebsten sofort rausschmeißen, im Berliner SPD-Landesverband wird seit Mittwoch sogar über ein verkürztes Ausschlussverfahren gegen den Bundesbank-Vorstand und früheren Finanzsenator nachgedacht. Inzwischen murren aber Teile der SPD-Basis: Mehr als 2000 Briefe und Anrufe gingen beim Parteivorstand ein, darin sprachen sich 90% gegen ein Ausschlussverfahren Sarrazins aus.
SPD-Chef Sigmar Gabriel: "Wir kriegen ganz schön Dresche gerade dafür, aber manchmal muss man auch Dinge machen, für die man Dresche kriegt.“ Gabriel weiter: "Sarrazin hat recht mit der Beschreibung der vielen Probleme bei der Integration", sagte er vor Schülern. "Wenn er aber sagt, das vererbt sich im Zweifel biologisch, dann ist das mit dem Menschenbild der SPD nicht vereinbar." Der Fall Sarrazin – bei der Bundesbank fällt frühestens Donnerstag eine Entscheidung, ob der Vorstand bleiben kann. Bereits am Dienstag musste Sarrazin zum Rapport, wurde von Präsident Axel Weber und dem Ethik-Beauftragten Uwe Schneider zu seinen umstrittenen Thesen über Migranten und Integration angehört. Die Bank hatte sich bereits von Sarrazin distanziert. Über eine Abberufung müsste dann letztlich Bundespräsident Wulff entscheiden.
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