Empfehlen | Drucken | Kontakt22.06.2009 - 00:00 Uhr

Im Iran: Erschossene Studentin Neda (19) wird zum Symbol

Nur wenige Stunden nach ihrem gewaltsamen Tod hielten Demonstranten Nedas Bild hoch.
Nur wenige Stunden nach ihrem gewaltsamen Tod hielten Demonstranten Nedas Bild hoch.
Foto: Getty

Teheran - Sie stand mit ihrem Vater am Rande einer Demonstration in Teheran, als die Kugel sie traf. Tödlich verletzt bricht die 19 Jahre alte Studentin Neda zusammen (EXPRESS.DE berichtete ›).

Eine Handy-Kamera zoomt immer näher auf das Gesicht der jungen Frau. Sie blickt den Zuschauer mit schreckensgeweiteten Augen an. Plötzlich läuft ihr Blut aus Mund und Nase, ihr Blick verschwimmt. Neda ist tot.

Ein Handy-Video, das binnen Stunden um die Welt geht. Demonstranten tragen wenig später Plakate mit Bildern der sterbenden Neda durch die Straßen. Internetseiten mit dem 35 Sekunden langen Todesvideo werden millionenfach aufgerufen.

Neda wird in kurzer Zeit weltweit zu einem der meistgeklickten Suchbegriffe. Sie wird als „Jeanne d'Arc des Widerstandes“ gefeiert, als „gefallener Engel“ und „iranische Löwin“. Der Widerstand hat ein Gesicht.

Medienwissenschaftler Hans Kleinsteuber aus Hamburg geht davon aus, dass die Bilder echt sind. „Das Video hat eine Eindrücklichkeit, die ich bisher nicht gesehen habe“, sagt er. „Es ist die ideale Ikonisierung des Widerstandes in Teheran.“

Neda wurde vermutlich von Scharfschützen der berüchtigten und beim Volk verhassten Basidsch-Milizen getroffen.

Auch Montag Abend gingen wieder Zehntausende Demonstranten auf die Straße - trotz Verbots, trotz scharfer Warnungen, trotz aufmarschierender, schwer bewaffneter Milizen.

Montag hatte der mächtige Wächterrat zunächst eingeräumt, dass es bei der Präsidentenwahl am 12. Juni zu massiven Manipulationen gekommen ist. Am Nachmittag folgte dann das Dementi.

In 50 Wahlbezirken, so die ersten Meldungen, sollen mehr Wahlzettel verteilt worden sein, als Wähler registriert waren. Betroffen seien drei Millionen Stimmen, zitierte das iranische Staatsfernsehen den Sprecher des Wächterrats, Abbas Ali Kadchodai.

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