Köln/Rendsburg - General Günter Kießling - sein Name steht für einen der größten Skandale in der Geschichte der Bundesrepublik.
Er wurde als Schwuler diffamiert, aus der Bundeswehr gefeuert. Als der EXPRESS die Wahrheit ans Tageslicht brachte, wurde er rehabilitiert, wieder in die Armee aufgenommen und schließlich auf eigenen Wunsch mit militärischen Ehren entlassen. Jetzt ist der Vier-Sterne-General tot.
Er starb in seiner Wahlheimat Rendsburg (Schleswig-Holstein) im Alter von 83 Jahren.Es war der Militärische Abschirmdienst MAD, der den Stein 1983 ins Rollen brachte. Die Bundeswehr-Geheimdienstler meldeten dem damaligen Verteidigungsminister Manfred Wörner (CDU), General Kießling sei häufiger in einer Kölner Schwulenkneipe gesehen worden.
Ein Sicherheitsrisiko, befand der Verteidigungsminister, weil Schwule damals als erpressbar galten - und feuerte seinen ranghöchs ten Offizier, der zugleich stellvertretender Nato-Oberbefehlshaber war.
Ein fataler Irrtum. EXPRESS enthüllte: Nicht Kießling verkehrte in der Schwulenkneipe, sondern ein Doppelgänger.
Verteidigungsminister Wörner in der Klemme. Er bot dem damaligen Bundeskanzler Helmut Kohl (CDU) seinen Rücktritt an. Doch der lehnte ab.Wörner musste Kießling wieder zur Bundeswehr zurückholen. Doch das Verhältnis zwischen dem Verteidigungsminister und einem seiner ranghöchsten Generäle war ein für allemal zerstört. Kießling bat um seine Entlassung aus dem Militärdienst. Wörner verabschiedete ihn mit militärischen Ehren.
EXPRESS hatte dem ranghohen Panzergeneral die Ehre zurückgegeben, der damalige Redakteur Udo Röbel bekam dafür den Wächterpreis. Kießling: „Ohne den EXPRESS wäre mir wohl kaum Genugtuung verschafft worden.“
Er konnte seinem Chef den Rauswurf nie verzeihen. „Wenn ich an Wörner denke, kommt mir noch heute der Kaffee hoch“, sagte er noch Jahre später.Als General a. D. lehrte Kießling an der Universität Erlangen-Nürnberg das Fach „Betriebswirtschaftslehre der Streitkräfte“. Lange vor der deutschen Einheit befasste er sich in einem Buch mit dem Thema „gesamtdeutsche Streitkräfte“.
Verteidigungsminister Franz Josef Jung (CDU) würdigte Kießling als einen der profiliertesten Offiziere. In seiner „beeindruckenden Karriere“ habe er viele hohe und höchste Verwendungen im In- und Ausland durchlaufen. Jung: „Wir werden ihn als heraus ragenden Soldaten in Erinnerung behalten.“
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