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Hirtenwort von Kardinal Meisner: Alles Große fängt klein an

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Joachim Kardinal Meisner richtet sich vor Weihnachten an die Menschen.
Joachim Kardinal Meisner richtet sich vor Weihnachten an die Menschen.
 Foto: dpa

„Kein Netz“ – ärgerlich, wenn diese Meldung auf dem Display des Handys erscheint. Wir können nicht telefonieren, sind abgeschnitten und ohne Kontakt. Das beste Handy nützt nichts ohne Funkverbindung.

Ich habe den Eindruck, auch mit Weihnachten geht es manchen so. Äußerlich ist noch alles da, der Baum, die Geschenke, aber irgendwie ist innerlich die Verbindung zum Eigentlichen abgerissen.

Der letzte Anknüpfungspunkt ist vielleicht noch unser inneres Bedürfnis nach Ruhe, unsere Sehnsucht nach Frieden und der Wunsch nach gelingender Gemeinschaft. Weihnachten, das ist uns ja schon sehr wichtig, allein wegen der herzerwärmenden Stimmung.

Wir spüren: Wir brauchen Weihnachten, wenigstens diese wenigen Stunden im Jahr, die Glück versprechen. Alle Jahre wieder zieht uns dieses Fest in seinen Bann, nicht nur die Kinder.

Aber die Krippe, die Geschenke, die Lieder: Was wollen sie uns eigentlich sagen? Und das Kind in der Krippe, ist das mehr als ein märchenhaftes Idyll?

Ich möchte Sie ermuntern, diesem Gefühl einmal nachzugehen, und zwar gleichsam an der Krippe entlang. Es ist doch ein wahrhaft göttlicher Einfall, dass Gott uns – ausgerechnet! – in einem Kind begegnen will.

Er rührt damit an eine Stelle unseres Herzens, wo wir auch als Erwachsene noch empfindsam sind. Er erinnert uns daran, dass wir, jung oder alt, seine Kinder sind.

Vielleicht haben wir auch deshalb die Verbindung zum Eigentlichen des Weihnachtsfestes verloren, weil wir in der alltäglichen Geschäftigkeit die Kinder vergessen haben. Und damit auch das Kind in uns.

Denn wie alt wir auch sein mögen, das Kind steckt bleibend in uns. An Weihnachten erinnert Gott uns daran. Er selbst geht den entscheidenden Schritt, wenn wir „kein Netz“ mehr spüren.

Gott nimmt von sich aus die Verbindung zu uns auf, und zwar nicht mit lautem Getöse, sondern mit dem Charme eines Kindes. Er nimmt unsere Sehnsucht nach Frieden und Gemeinschaft ernst, und er zeigt uns den Weg dorthin: Das Kind anzunehmen, es ernst zu nehmen und darin Gott zu entdecken als das größte Geschenk unseres Lebens.

Alles Große fängt klein an – auch Gott. Geben wir dem Kind Raum, dass es wachsen kann. Dann wird es unser Leben verändern. Dann wird Frieden möglich, allmählich, aber ganz gewiss.

Ich wünsche Ihnen von Herzen ein gesegnetes Weihnachtsfest, bei dem Sie mit Gott in Berührung kommen.

Ihr Joachim Kardinal Meisner
Erzbischof von Köln

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