Hannelore Kraft ist zur ersten Ministerpräsidentin Nordrhein-Westfalens gewählt worden. Die 49-Jährige SPD-Politikerin erhielt im zweiten Wahlgang 90 von 181 abgegebenen Stimmen und damit die für diesen Wahlgang erforderliche Mehrheit der abgegebenen Stimmen. Mit Nein stimmten 80. Es gab 11 Enthaltungen.
Unmittelbar danach wurde sie vereidigt. Die 49-jährige SPD-Politikerin ist die erste Ministerpräsidenten in der Geschichte des Landes. Damit hat Schwarz-Gelb die Bundesratsmehrheit verloren.
Kraft wird mit den Grünen eine Minderheitsregierung bilden. SPD und Grüne verfügen im Landtag lediglich über 90 der 181 Sitze. Sie sind bei Gesetzesvorhaben deshalb auf Unterstützung aus anderen Fraktionen angewiesen. CDU und FDP haben bereits einen strikten Oppositionskurs angekündigt. Die Linkspartei will von Fall zu Fall entscheiden, ob sie mit Rot-Grün stimmen wird.
Bei der Landtagswahl am 9. Mai war die bisher regierende schwarz-gelbe Koalition abgewählt worden. Kraft hatte danach mit allen im Landtag vertretenen Parteien Sondierungsgespräche über die Bildung einer Koalition geführt. Einer großen Koalition mit der CDU hatte die SPD danach eine Absage erteilt. Ein Ampelbündnis scheiterte an den Gegensätzen zwischen FDP und Grünen.
Im ersten Wahlgang hatte Hannelore Kraft die notwendige absolute Mehrheit von 91 Stimmen verpasst. Für Kraft hatten 90 Abgeordnete gestimmt. Sie erhielt offensichtlich alle Stimmen von SPD und Grünen.
Mit Nein votierten 81 Abgeordnete, 10 enthielten sich der Stimme.
Hannelore Kraft wurde am 12. Juni 1961 in Mülheim an der Ruhr geboren. Ihr Vater war Straßenbahnfahrer, ihre Mutter Verkäuferin. Noch heute pflegt Kraft das Image der Arbeitertochter aus dem Ruhrgebiet.
Nach dem Abitur im Jahr 1980 machte Kraft eine Ausbildung zur Bankkauffrau. Danach studierte sie Wirtschaftswissenschaften in Duisburg und schloss als Diplom-Ökonomin ab. Kraft arbeitete nach dem Studium als Unternehmensberaterin und Projektleiterin.
In der SPD machte Hannelore Kraft schnell Karriere: Sie trat 1994 in die Partei ein, schon wenige Monate später wurde sie in den Unterbezirksvorstand Mülheims gewählt. Seit Mai 2000 sitzt Kraft im Landtag, ein knappes Jahr später wurde die SPD-Politikerin Ministerin: erst für Bundes- und Europaangelegenheiten, später für Wissenschaft und Forschung.
2005 profitierte Kraft von der verlorenen Landtagswahl, sie stieg in der SPD weiter auf, wurde zunächst Chefin der Landtagsfraktion, 2007 dann Vorsitzende des SPD-Landesverbands. In beiden Ämtern war Hannelore Kraft die erste Frau.
Nach dem Bundestagsdebakel der SPD im Jahr 2009 wurde Kraft stellvertretende Bundesvorsitzende der Partei.
Die Wahl zur Ministerpräsidentin von NRW ist der vorläufige Hohepunkt von Krafts politischer Karriere.
Hannelore Kraft ist verheiratet und hat einen 17-jährigen Sohn. Als Hobbys nennt die Politikerin "Essen und Klönen mit Freunden" sowie "Spiel, Sport und Spaß mit Mann, Sohn und Hund". Kraft gilt als zäh und zupackend.
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