Empfehlen | Drucken | Kontakt22.03.2010 - 11:41 Uhr

Immer mehr Bundesländer fordern: Gratis-Kondome für Hartz-IV-Empfänger

Von MICHAEL FUCHS
Foto: Getty
Berlin –  

Ungewollt schwanger – das passiert Hartz-IV-Empfängerinnen offenbar häufiger als anderen Frauen.

Der Grund ist einfach: Für Verhütung fehlt oft das Geld.

Um die Zahl der ungewollten Schwangerschaften bei Hartz-IV-Empfängerinnen zu reduzieren, wollen Bremen, Niedersachsen und Mecklenburg-Vorpommern eine Bundesratsinitiative vorantreiben.

Ziel: Verhütungsmittel für Hartz-IV-Empfänger soll es gratis geben – was in der Stadt Berlin bereits heute gängige Praxis ist.

Eine Forderung, die auch „pro Familia“ unterstützt. Eine Befragung der Beratungsstelle ergab: Vier von fünf Frauen konnten sich keine Verhütungsmittel leisten, fast die Hälfte von ihnen war schon einmal ungewollt schwanger.

Denn seit der Hartz-IV-Reform übernimmt das Sozialamt in der Regel die Kosten für Verhütungsmittel nicht mehr. Regine Wlassitschau von „pro Familia“: „Der Hartz-IV-Regelsatz sieht pauschal 13,18 Euro im Monat für Gesundheitspflege vor. Davon sollen Pflaster und Kopfschmerztabletten, aber auch Verhütungsmittel bezahlt werden – doch das Geld reicht dafür nicht.“

Täglich suchen Frauen Hilfe in Beratungsstellen, weil sie verhüten wollen, das aber nicht bezahlen können. Es sind Frauen wie Alisa S. (36, Name geändert), Mutter von fünf Kindern. Ihr Mann ist Busfahrer. Sein Gehalt reicht nicht aus, um die siebenköpfige Familie zu ernähren, deshalb bekommt er zusätzlich Hartz IV und Wohngeld. Noch ein Kind will Alisa auf keinen Fall, doch ihr Mann weigert sich, Kondome zu benutzen. Und für die Pille ist kein Geld da.

Pro Familia fordert daher eine bundesweite Regelung, die Hartz-IV-Empfängerinnen die Erstattung der Verhütungskosten garantiert.

Laut Bundesagentur für Arbeit leben 1,65 Millionen Frauen zwischen 21 und 49 in Deutschland von Hartz IV. Würde nur jede Fünfte von ihnen die Pille bezahlt bekommen (je nach Präparat 4,50 bis 20 Euro im Monat), kämen auf den Staat Kosten von bis zu 79 Millionen Euro pro Jahr zu. Günstiger käme eine Spirale (120 bis 350 Euro), die drei bis fünf Jahre hält.

Grundsätzlich vom Staat bezahlt wird nur eine Abtreibung. Die kostet laut „pro Familia“ zwischen 250 und 500 Euro. Was die Frauen dabei durchmachen, ist für den Gesetzgeber offenbar unerheblich.

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