Empfehlen | Drucken | Kontakt05.10.2008 - 00:00 Uhr

Gesetzliche Krankenversicherung: Wutaufstand gegen Beitrags-Explosion

Die Beiträge der Krankenkassen werden steigen.
Die Beiträge der Krankenkassen werden steigen.
Foto: ap

Berlin - Die Beitrags-Explosion in der gesetzlichen Krankenversicherung - es kommt alles noch viel schlimmer!

Obwohl 47 Millionen Versicherte ab Januar zum Teil erheblich mehr Geld bezahlen sollen, drohen ihnen weitere Belastungen und außerdem auch noch schlechtere Leistungen.

Der Patient ist wieder mal der Dumme: Mit der Einführung des Gesundheitsfonds am 1. Januar 2009 will die Regierung den Krankenkassenbeitrag auf die Rekordhöhe von voraussichtlich 15,5 Prozent vom Bruttolohn anheben.

Das bedeutet höhere Kosten für 92 Prozent aller Beitragszahler - insgesamt 47 Millionen Menschen. Die Mehrbelastung summiert sich für viele Versicherte auf mehrere hundert Euro pro Jahr. Grund genug, stinksauer auf die Regierung zu sein.

Doch das ist nicht alles. Viele Krankenkassen halten den geplanten Rekord-Beitragssatz von 15,5 Prozent für zu niedrig. Er werde die steigenden Kosten nicht decken. Dann müssten die Leistungen gekürzt werden.

Oder man müsse von den Beitragszahlern Zusatzprämien erheben, so der Chef der Barmer Ersatzkasse, Johannes Vöcking. Das Gesetz erlaubt Zuschläge von bis zu 36 Euro im Monat.

DAK-Chef Herbert Rebscher kündigte an, die Kassen würden künftig „brachial sparen“ - auf Kosten der Patienten. Er übte scharfe Kritik an der Regierung. Sie mache die Kassen zu Spekulanten: „Niemand weiß heute, wie die Einnahmen aus dem Gesundheitsfonds verteilt werden, und niemand weiß, wie sich die Ausgaben entwickeln.“

Der SPD-Gesundheitsexperte Karl Lauterbach prophezeit, dass es jetzt zu einem „großen Sterben der Betriebskrankenkassen“ kommt.

Gesundheitsministerin Ulla Schmidt (SPD) wies die Forderung der Kassen nach noch mehr Geld als „maßlos“ zurück. Die Kassen wollten für 2009 fast 15 Milliarden Euro mehr. Das sei durch nichts zu rechtfertigen.

Der Deutsche Gewerkschaftsbund (DGB) verlangte, der Beitragssprung auf 15,5% müsse unbedingt vermieden werden. Der Industrie- und Handelskammertag (DIHK) kritisierte die Kostenexplosion als beschäftigungsfeindlich und schlecht für die Konjunktur. Sie seien eine große Belastung für Arbeitnehmer und Arbeitgeber.

Derweil versprach Bundeskanzlerin Merkel, die Regierung werde „alles daransetzen, dass sich die Lohnzusatzkosten für die Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer zu Jahresbeginn nicht erhöhen“.

Die höheren Kassenbeiträge wolle man an anderer Stelle ausgleichen, besonders beim Arbeitslosenbeitrag.

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