Thilo Sarrazin - ein Mann wirbelt Deutschland durcheinander. Sein Buch „Deutschland schafft sich ab“ (DVA, 22,90 €) provoziert und entzürnt die einen, begeistert die anderen. Aber wer ist eigentlich der Mann, der die Schlagzeilen der Republik beherrscht? Wo kommt er her, was hat er geleistet, woher kommt sein Sprachfehler? EXPRESS.DE erklärt Thilo Sarrazin.
Herkunft und Familie
Thilo Sarrazin ist Sohn eines Arztes, der aus einer hugenottischen Familie stammt. Mütterlicherseits kommt er aus einer Familie westpreußischer Gutsbesitzer. Sarrazin wurde 1945 in Gera geboren, nach Flucht vor den Russen wuchs er in Recklinghausen auf. Dort machte er auch sein Abitur (Schnitt 3,3). Von Kindheit an galt er als Bücherwurm. Heute ist Sarrazin verheiratet mit Ursula Sarrazin und hat zwei Söhne.
Ausbildung
Von 1967 bis 1971 studierte Thilo Sarrazin in Bonn Volkswirtschaftslehre. Anschließend war er Assistent am Institut für Industrie- und Verkehrspolitik der Universität Bonn und promovierte dort 1973 zum Dr. rer. pol. mit "magna cum laude".
Karriere
Thilo Sarrazin begann als wissenschaftlicher Angestellter der Friedrich-Ebert-Stiftung, trat da auch der SPD bei. Ab 1975 dann öffentlicher Dienst im Bund, als Referent im Finanzministerium, bis 1981 als Referatsleiter im Bundesministerium für Arbeit und Sozialordnung, dann zurück im Finanzministerium. Dort arbeitete er als Büroleiter des Finanzministers.
Anfang der 90er Jahre arbeitete Sarrazin für die Treuhandgesellschaft, dann als Staatssekretär im rheinland-pfälzischen Finanzministerium. Daraufhin ging's zur Treuhandliegenschaftsgesellschaft.
Von 2000 bis 2001 stand er bei der Deutschen Bahn in Lohn und Brot, schließlich auch als Vorstandsmitglied. Allerdings verband ihn mit Bahn-Boss Mehdorn eine erbitterte Feindschaft - Mehdorn feuerte Sarrazin schließlich. Der Abgang war juristisch hässlich: Sarrazin klagte durch drei Instanzen um eine Abfindung, verlor aber.
Im Januar 2002 wurde Thilo Sarrazin Senator für Finanzen in Berlin. Er führte eine strenge Sparpolitik. Mit 46 Nebentätigkeiten war Sarrazin im Juni 2008 das Senatsmitglied mit den meisten Nebentätigkeiten.
2009 wechselte Sarrazin in den Vorstand der Bundesbank.
Sprachfehler und Lähmung
2004 musste Thilo Sarrazin wegen eines gutartigen Tumors am Hörnerv operiert werden - seitdem ist seine rechte Gesichtshälfte teilweise gelähmt. Thilo Sarrazin stottert: Die Ursache liegt angeblich darin, dass er als Kind vom Linkshänder zum Rechtshänder umerzogen wurde.
Skandale
Mit seiner Meinung konnte Thilo Sarrazin noch nie hinterm Berg halten - und das Provozieren liebt er.
Seit August 2009 ermittelt die Berliner Staatsanwaltschaft gegen Sarrazin wegen Untreue. Er soll einem Golfclub einen Golfplatz zu günstig verpachtet und jenen so finanziell begünstigt haben. Er streitet den Vorwurf ab, es sei kein Schaden für das Land Berlin entstanden.
2008 machte er Vorschläge, wie ALG-II-Empfänger sich für weniger als vier Euro am Tag ernähren könnten.
2009 sagte er zum Umgang Arbeitsloser mit Energie: „‚Hartz-IV-Empfänger sind erstens mehr zu Hause; zweitens haben sie es gerne warm, und drittens regulieren viele die Temperatur mit dem Fenster“
Rentenerhöhungen nennt er eine „völlig unsinnige Maßnahme.“
2009 äußerte sich Thilo Sarrazin deutlich zur Einwanderungspolitik: Große Teile der arabischen und türkischen Einwanderer bezeichnete er weder als integrationswillig noch als integrationsfähig. Es wurde ein Parteiordnungsverfahren eingeleitet, aber abgewiesen.
Bundesbankpräsident Axel Weber, der bereits Sarrazins Ernennung zum Bundesbankvorstand abgelehnt hatte, erwirkte am 30. September 2009 eine förmliche Distanzierung im Namen der Deutschen Bundesbank. Weber forderte Sarrazin zum Rücktritt auf. Sarrazin lehnte das ab.
Im Juni 2010 löste Sarrazin mit seiner These Widerspruch aus, dass der gesamtdeutsche Intelligenzdurchschnitt durch Zuwanderung von schlecht ausgebildeten Migranten sinke, die er bei einer Veranstaltung der Arbeitskreise Schule-Wirtschaft der Unternehmerverbände Südhessen äußerte.
Durch sein Buch „Deutschland schafft sich ab“ (DVA, 22,90 €) bekam Sarrazin noch mehr Aufmerksamkeit - und noch mehr harte Kritik wie auch Zustimmung
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