Empfehlen | Drucken | Kontakt22.10.2011 - 20:38 Uhr

Geheimdienst-Agent: Der deutsche Mr. Hisbollah

Von THOMAS SCHRECKER
Der deutsche Agent zog im Hintergrund die Strippen. Doch wer ist er?
Der deutsche Agent zog im Hintergrund die Strippen. Doch wer ist er?
Foto: IMAGO
Tel Aviv –  

Nach mehr als fünf Jahren kam er frei. Der israelische Soldat Gilad Schalit (25) war Gefangener der palästinensischen Hamas.

Dass er nun wieder bei seiner Familie sein kann, ist auch dem Geschick eines deutschen Geheimdienst-Agenten zu verdanken.

Bei seiner Ankunft in Israel salutiert der freigelassene Gilad Schalit (25). Die Geiselhaft hat ihn gezeichnet.
Bei seiner Ankunft in Israel salutiert der freigelassene Gilad Schalit (25). Die Geiselhaft hat ihn gezeichnet.
Foto: AP

Hinter den Kulissen zog „Mr. Hisbollah“ die Strippen. Und während in Israel Fahnen geschwungen, der junge Mann herumhereicht wird wie eine Trophäe, von Eltern, Verwandten und Freunden geherzt und verwöhnt wird, ist der deutsche Agent wieder unauffällig aus dem Blickfeld verschwunden.

Doch die spektakuläre Operation hatte für den Mann im Schatten eine unerwünschte Nebenwirkung: Eine israelische Zeitung holte ihn zumindest ein wenig aus der Anonymität heraus. Der Agent des BND bekam einen Namen: Gerhard Conrad. Und als sei ein Damm gebrochen, sickerten nun auch einige Details über den Agenten an die Öffentlichkeit.

Er ist zwischen 50 und 60 Jahre alt. Er ist etwa 1,85 bis 1,90 Meter groß. Er trägt mal einen Bart und dann wieder nicht; seine Haare sind mal schwarz, mal grau meliert. Er absolvierte ein Studium der Orientalistik in Heidelberg und promovierte. Er spricht fließend Arabisch, Englisch und Französisch.

Er war bereits in den Botschaften in Damaskus und Beirut stationiert. 2001 soll er in die BND-Zentrale in München Pullach gewechselt haben, wo auch seine Ehefrau arbeitet. Er gilt bei seinen Vorgesetzten als Mann für besonders heikle Missionen im Nahen Osten.

Der Geheimagent, der sich zwischen den Fronten bewegt, den Brandherd Nahost samt seinen explosiven Stolperfallen wie aus dem Effeff kennt, hat für uns kein Gesicht. Es gibt von ihm kein Foto.

In Erscheinung trat er dennoch schon einmal: Im Juni des Jahres 2008 gelang dem Deutschen ein Coup, der ihn schlagartig zu einer Berühmtheit in der Region machte. Er hatte zwischen der Hisbollah und Israel die Übergabe zweier toter israelischer Soldaten zuwege gebracht. Im Gegenzug erhielt die palästinensische Miliz Gefallene und Gefangene zurück.

Vorausgegangen war ein Verhandlungsmarathon. 18 Monate hatten die Gespräche gedauert, bis der Deal perfekt war. 700.000 Flugkilometer bei mehr als 100 Reisen in das Krisengebiet soll der Vermittler damals zurückgelegt haben, bis alles in trockenen Tüchern war. Seither wird er dort und auch unter Kollegen beim BND „Mr. Hisbollah“ genannt.

Für die Aktion wurden Deutschland und Conrad von der Regierung in Jerusalem mit Lob überschüttet. In Israel wurde er zur Legende. Hatte er doch nachgewiesen, dass er offenbar beim Feind Zugang zu höchsten Führungsgremien hat. Aber auch bei den Palästinensern hatte sich Conrad nun einen Namen gemacht – als verlässlicher und loyaler Vermittler.

Die Bundesregierung versicherte Israel damals, dass die Mission Nahost mit diesem Erfolg nicht beendet sei. Man wolle vielmehr bei der Aufklärung der Schicksale weiterer vermisster Israelis helfen.

Offenbar waren dies keine leeren Versprechungen, denn Conrad war nun auch bei der Befreiung von Gilad Schalit eingebunden. In diesem Fall führte ihn sein Weg oft in den Gaza-Streifen und ins Nachbarland Ägypten, wo er Geheimdienstkollegen traf.

Im Fall Schalit arbeitete er mit den Schlapphüten vom Nil Hand in Hand. Der Israeli wurde am Montag nach Ägypten überstellt. Die ersten 477 Palästinenser kamen frei; 1.027 sollen insgesamt nach Hause geschickt werden.

Ob der BND-Mann tatsächlich Gerhard Conrad heißt, immer noch einen Bart trägt oder nicht, schwarzes Haar hat oder blond gefärbt ist – wer weiß. Aber vielleicht taucht er bald wieder im Spannungsfeld Nahost auf.

Weitere Meldungen aus dem Bereich Politik & Wirtschaft
Sieht so der neue 2-Euro-Schein aus? Wir haben uns schon mal Gedanken über ein Modell gemacht.
Neuer EU-Plan
Weg mit Euro-Münzen - dafür Scheine

In Brüssel wird über einen Umstieg von den 1- und 2-Euro-Münzen auf 1- bzw. 2-Euro-Scheine debattiert. Grund: Die Herstellung von Münzen ist sehr kostspielig

Hier zeigt eine junge Frau ihren Organspenderausweis.
Änderungen auf einen Blick
Bundestag beschließt Organspende-Reform

Nach jahrelangen Debatten hat der Bundestag eine umfassende Reform der Organspende in Deutschland beschlossen. Wir erklären, was sich für uns ändert.

Wieder auf freiem Fuß: Holger G.
Haftbefehl aufgehoben
NSU-Beschuldigter Holger G. wieder auf freiem Fuß

Der Haftbefehl gegen Holger G. wurde aufgehoben. Es liege kein dringender Tatverdacht vor, dass der Mann bei den Morden der NSU-Vereinigung Beihilfe geleistet habe, heißt es.

Börse
  • 6.329,72 Pkt. +13,83 (+0,22%)
  • 10.203,03 Pkt. -28,49 (-0,28%)
  • 751,43 Pkt. -0,42 (-0,06%)
  • 8.580,39 Pkt. +17,01 (+0,20%)
  • 1,2575 USD +0,0041 (+0,33%)
in Zusammenarbeit mit Finanzen100.de
Brutto / Netto Rechner
Optimieren Sie Ihr Gehalt:
Bruttogehalt (Euro mtl.)
St.-Kl.
Stromvergleich
Tarife vergleichen, wechseln und sparen!
Stromverbrauch kWh/Jahr
Postleitzahl Berechnen
DIE NEUE FACEBOOK-SEITE
EXPRESS.DE on Facebook
Arbeitslosengeldrechner
Wie viel Arbeitslosengeld steht Ihnen zu?
Bruttogehalt (jährl. Euro) Steuerklasse
Kinder Ja Nein Berechnen