Empfehlen | Drucken | Kontakt08.03.2010 - 22:18 Uhr

Studie: Frauen sind Arbeitskräfte zweiter Klasse

Von MICHAEL FUCHS
Arbeiterinnen in einer Keksfabrik. Frauen werden in gleichen Jobs häufig schlechter bezahlt als Männer.
Arbeiterinnen in einer Keksfabrik. Frauen werden in gleichen Jobs häufig schlechter bezahlt als Männer.
Foto: ddp
Berlin –  

Gleicher Lohn für gleiche Arbeit: Dieser Grundsatz wird in Deutschland durch das Grundgesetz, das Gleichbehandlungsgesetz und EU-Richtlinien garantiert.

Doch die Realität sieht anders aus. Noch immer werden Frauen schlechter bezahlt und auf dem Arbeitsmarkt benachteiligt.

In den letzten Jahren ist der Lohnabstand zwischen den Geschlechtern sogar noch gewachsen. 2008 verdienten Frauen im Schnitt 23,2 Prozent weniger als Männer, 2006 waren es 22,7%.

Das liegt nicht nur daran, dass Frauen besonders stark in Niedriglohnbranchen wie Textil- und Gastgewerbe vertreten sind. Oder dass sie wegen Elternzeiten häufiger Karrierepausen einlegen oder Teilzeit arbeiten müssen.

Durchschnittsverdienst im Monat
Architekt/in

Mann: 4.261 €

Frau: 3.161 €

Bruttogehälter. Nur Vollzeitbeschäftigte. Quelle: Statistisches Bundesamt, Verdienststrukturerhebung 2006

Chemielaborant/in

Mann: 3.593 €

Frau: 2.842 €

Fleischverarbeitung

Mann: 2.014 €

Frau: 1.683 €

Kassierer/in

Mann: 2.592 €

Frau: 2.014 €

Kindergärtner/in

Mann: 2.705 €

Frau: 2.514 €

Krankenschwester/Pfleger

Mann: 2.947 €

Frau: 2.656 €

Lagerarbeiter/in

Mann: 2.185 €

Frau: 1.805 €

Schaffner/in

Mann: 2.402 €

Frau: 2.186 €

Verkäufer/in

Mann: 2.804 €

Frau: 1.850 €

Wäscher/in

Mann: 1.926 €

Frau: 1.579 €

Oft bekommen Frauen für die gleiche Arbeit schlichtweg weniger Lohn. Bei gleichem Beruf, gleicher Ausbildung und gleichem Alter verdienen sie im Schnitt rund 21% weniger als ihre männlichen Kollegen. Arbeiten beide im selben Betrieb, beträgt der Lohnunterschied immer noch 12%, ergab eine Studie des Instituts für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB).

Hinzu kommt: Zwar sind immer mehr Frauen berufstätig – 2009 lag die Quote bei 69,9% (1999: 63,8%). Doch der Zuwachs kommt nur durch Mini- und Teilzeitjobs zustande. Laut Antwort der Bundesregierung auf eine Anfrage der Linkspartei arbeiteten voriges Jahr 643.000 weniger Frauen Vollzeit als 1999. Bei Teilzeitjobs gab es im selben Zeitraum ein Plus von 1,13 Millionen, die Zahl weiblichen Mini-Jobber stieg seit 2003 um 927 000 auf 4,6 Millionen.

Immer mehr Frauen verdienen so wenig, dass sie neben ihrem Lohn „Hartz IV“ beziehen müssen. Die Zahl der Aufstocker wuchs seit 2005 um 44,5% auf 742.900. Bei den Männer stocken 623.300 auf.

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