Der Pferdefleisch-Skandal hat es erneut ans Licht gebracht:
Es wird getäuscht und getrickst – in vielen Lebensmitteln steckt nicht das drin, was die Packung verspricht.
Ein krasses Beispiel: Die Flusskrebse der Marke „Louisiana Flusskrebs“ vom Hersteller „Büsumer Feinkost“ kommen weder aus Louisiana (USA) noch aus Büsum, sie stammen aus chinesischer Binnenfischerei.
Einen Überblick über die krassen Produkttäuschungen gibt die Internet-Plattform www.lebensmittelklarheit.de der Verbraucherzentralen. Hier können Verbraucher suspekte Packungen melden. Die Firmen nehmen dazu Stellung, einige ändern ihre Angaben. Beispiele:
Kalbswiener aus Schwein: Tatsächlich müssen Kalbswiener nach den Leitsätzen für Fleischerzeugnisse nur 15 Prozent Kalb enthalten. Über 50 Prozent Schwein und mehr sind erlaubt. Schwein ist auch der Hauptbestandteil bei Kalbsleberwurst und selbst in der Gänse-Pâté.
Schwein im Rind. „Rindfleisch im eigenen Saft“ (Produkt: „Meister“) darf dennoch Schweineschwarte enthalten – zur Andickung...
Bei der regionalen Herkunft wird ausgiebig gemogelt, um eine „traditionelle Herstellung“ vorzutäuschen.
Beispiel: Schwarzwälder Schinken. Hier müssen die Schweine keineswegs zwingend im Schwarzwald aufgewachsen sein. Es reicht das Räuchern, Schneiden und Verpacken im Schwarzwald. In der „Schwarzwald-Creme mit Schafskäse“ stammt der Schafskäse aus Griechenland, „Griechischer Weichkäse“ vom Discounter dagegen von deutschen Kühen – wer Schafskäse will, sollte auf den geschützten Begriff „Feta“ achten.
Aber auch sonst darf kräftig getrickst werden, indem wesentliche andere Inhalte nur in der kleingedruckten Zutatenliste aufgeführt werden:
In der „Old El Paso Guacamole“ fanden sich nur 26 Prozent Avocado, dafür aber reichlich Erbsen und Wasser. Auf zahlreichen Getränken wird mit Frucht geworben (Jever Lime, Fanta Mango), tatsächlich sind Aromen zugesetzt.
Überhaupt: Aromen sind schwer im Trend. In seinem neuen Buch „Die Supermarkt-Lüge“ enthüllt der Autor Jörg Zipprick, dass der appetitliche Duft im Backwarenregal bisweilen nicht vom Brot stammt, sondern von einem Aromaspray künstlich erzeugt wurde. Über eine verwirrende Fülle von Güte- und Biosiegeln werden konventionelle Produkte „geadelt“, das bringt höhere Preise.
Gleichzeitig werden Zusatzstoffe und Aromen wirkungsvoll verschleiert. Lebensmittelklarheit.de fordert deshalb eine deutliche Verschärfung des Kennzeichnungsrechts. Bisher wurde das aber erfolgreich von der Lebensmittelindustrie und der CSU-Agrarministerin blockiert.
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