Feuerwehrzentrale Berlin, 23.58 Uhr: „Hilflose Person“. So heißt es im Jargon. Der Kranke: Christian Wulff. Ein Rettungswagen holte den Ex-Präsidenten Dienstagnacht aus seiner Noch-Dienstvilla in Dahlem ab. Nierenkolik!
Ein Notarzt der Kassenärztlichen Vereinigung hatte Wulff (52) aufgefordert, sich sofort in eine Klinik einweisen zu lassen. Schließlich wurde er ins Bundeswehr-Krankenhaus gebracht, konnte es glücklicherweise nach einigen Stunden wieder verlassen. Weitere Einzelheiten teilte das Präsidialamt nicht mit.
Bei einer Nierenkolik treten heftige Schmerzen in der Nierengegend oder im Bauchraum auf. Sie können in die Leisten- und Genitalregion sowie in die Oberschenkel ausstrahlen. Die Anfälle werden häufig von Übelkeit, Erbrechen und Blähungen begleitet.
Neue Vorwürfe
Unterdessen werden neue Vorwürfe gegen Wulff laut. Die Staatsanwaltschaft zweifelt offenbar Wulffs Aussagen an! Die „Financial Times Deutschland“ zitiert aus dem 12-seitigen Antrag auf Aufhebung der Immunität, den die Strafverfolger an Bundestagspräsident Norbert Lammert (CDU) gerichtet haben.
Ein Schreiben, das laut einem Bundestagssprecher dort nie angekommen ist. Denn mit dem Rücktritt Wulffs war die Immunität automatisch aufgehoben und der Weg für Ermittlungen frei. Offenbar wurde der Brief auf dem Dienstweg gestoppt.
Dennoch sind die Argumente der Justiz spannend. In wenigstens drei Fällen werde der Verdacht gehegt, Filmproduzent David Groenewold habe seinen Freund Wulff „als Gegenleistung für ein allgemeines dienstliches Wohlwollen“ zu Gratis-Ferienaufenthalten eingeladen. Wulffs Anwälte hatten betont, es gebe keine Vermischung von Privatem und Dienstlichem, und die Kosten der Sylt-Urlaube seien Groenewold in bar zurückgezahlt worden.
Die Staatsanwälte können genau das nach derzeitigem Stand nicht glauben. „Die konkreten Umstände lassen besorgen, dass diese nicht erfolgt sind“, heißt es in dem Dokument. Offenbar haben die Juristen schon wichtige Details herausgefunden: In zeitlicher Nähe zum ersten Sylt-Urlaub im Herbst 2007 etwa habe es nach jetzigem Stand keinerlei Bargeldabhebungen der Wulffs gegeben. Ähnliche Zweifel gibt es beim Sommerurlaub im Folgejahr.
Weiterer Knackpunkt: der Handy-Vertrag. 2005 hatte Groenewold seinem Kumpel Wulff ein Telefon überlassen. Vertraglich vereinbart wurde eine Kostenerstattung per Überweisung. Laut Staatsanwaltschaft gibt es dafür aber bisher keine Beweise. Wulffs Anwälte teilen mit, dass Kosten in Höhe von 931,40 Euro in bar erstattet wurden, allerdings nur Durchschriften von Quittungen auffindbar seien.
Bei einer Nierenkolik treten heftige Schmerzen in der Nierengegend oder im Bachraum auf. Sie können in die Leisten- und Genitalregion sowie in die Oberschenkel ausstrahlen. Die Anfälle werden häufig von Übelkeit, Erbrechen und Blähungen begleitet.
Ursache ist meist ein Harnstein, der sich im Harnleiter oder am Ein- oder Ausgang der Harnblase verklemmt hat und zum Harnrückstau mit Überdehnung des Nierenbeckens führt. Eine Kolik kann aber auch durch einen Niereninfarkt, eine Entzündung des Nierenbeckens oder Nierenkrebs entstehen.
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