Bombay – Einen Tag nach dem Ende des Terrors in Bombay verharrte Indien am Sonntag immer noch im Schockzustand.
In die Trauer um die fast 200 Toten (darunter drei Deutsche) und knapp 300 Verletzten mischt sich aber auch zunehmend Ärger über mögliche Sicherheitspannen. Verwundert fragen sich viele, wie zehn bewaffnete Männer im Alter von 18 bis 28 Jahren (so offizielle Angaben) die Millionenstadt drei Tage in Atem halten konnten.
Nach dem schwersten Terrorakt in Indien seit 15 Jahren steht die Regierung unter Druck. Innenminister Patil und Sicherheitsberater Narayanan traten bereits zurück.
Nach Angaben des Eigentümers des von Terroristen gestürmten „Taj Mahal“ gab es vor der Anschlagsserie Warnungen vor möglichen Angriffen auf das Luxushotel. Ratan N. Tata sagte, die verschärften Sicherheitsvorkehrungen seien jedoch vor kurzem teilweise aufgehoben worden.
Allerdings hätten diese das Blutbad auch nicht verhindern können. Als zusätzliche Sicherheitsmaßnahme hätten z. B. Besucher durch einen Metalldetektor gehen müssen. Jedoch seien die Terroristen durch die Hintertür in die Küche gelangt. „Sie wussten, was sie tun.“
Das „Taj Mahal“ war eines von zehn Zielen, die von den Terroristen am Mittwochabend in Bombay angegriffen worden waren.
Nur einer der Verbrecher überlebte. Nach Angaben der Behörden stammt er aus Pakistan. Als man Azam Amir Kasav verletzt fasste, flehte der 21-Jährige um sein Leben. Er soll den Fahndern erzählt haben, dass er und seine Komplizen einen indischen 11. September geplant hätten - ein Blutbad wie 2001 in den USA. Die Tatorte wurden vorher ausgespäht.
Ein Politiker sprach davon, dass das Mordkommando rund 5000 Menschen töten wollte - dies sei aus den Waffenfunden zu schließen. Laut Kasav ist die Terrorgruppe Lashkar-e-Taiba (Armee der Reinen) für die Tat verantwortlich.
Die indische Regierung geht bislang davon aus, dass alle Terroristen aus Pakistan gekommen sind. Die Führung in Islamabad wies jede Verstrickung zurück und bot Hilfe bei der Suche nach den Drahtziehern an. Beobachter fürchten, dass die neuen Spannungen den Friedensprozess zwischen den beiden Atommächten gefährden könnten, die seit 1947 bereits drei Kriege gegegeneinander führten.
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