Die Übernahmeschlacht ist vorüber. Nach fünf Wochen Kampf gegen das alte Management übernimmt das Familienunternehmen Schaeffler die Macht beim Autozulieferer Continental.
Ganz nebenbei wird durch den Milliardendeal ein großer Strippenzieher der Weltwirtschaft noch einflussreicher - Altkanzler Gerhard Schröder (64/SPD).
Mit 7750 Euro Kanzler-Pension im Monat muss sich Schröder längst nicht mehr begnügen. Für den halbstaatlichen russischen Energiekonzern Gazprom treibt er den Bau der Ostsee-Erdgaspipeline voran. Für die Rothschild-Bank macht er sich in China stark, für deutsche Firmen im Nahen Osten. Er berät den Schweizer Medien-Konzern Ringier „in Fragen internationaler Politik“. Und seit Donnerstag wacht er als „Garant“ über Interessen der 150.000 Beschäftigten und bisherigen Aktionäre von Continental.
Ein geheimnisumwitterter Job. Denn ob die Schaefflers oder das Conti-Management den Alt-Kanzler berufen haben, bleibt im Dunkeln. Fest steht: Wenn die Schaefflers neue Investoren an dem DAX-Konzern beteiligen wollen, brauchen sie Schröders Zustimmung. Und er wacht darüber, dass es bis 2014 keine betriebsbedingten Kündigungen gibt.
Ein Ex-Regierungschef als hochbezahlter Manager - ist das in Ordnung? Professor Werner Patzelt, Politikwissenschaftler an der Uni Dresden, sieht Schröders Engagement kritisch: „Ein besonderes Geschmäckle entsteht, wenn Verbindungen aus der Zeit als Politiker in Geld und Einkommen umgesetzt werden. Dann fragt man sich doch, wie unabhängig dieser Mensch zuvor als Politiker gehandelt hat.“
Zumal der Manager Schröder immer wieder gern als ehemaliger Staatsmann auftritt. So verteidigt der Gazprom-Mann Schröder den Einsatz der russischen Armee in Georgien. „Gewicht bekommen seine Aussagen nur durch sein früheres Amt“, so Patzelt. Auch der China-Berater der Rothschild-Bank wäre bei den Olympischen Spielen in Peking kaum wie ein Staatsmann empfangen worden, hätte er sich nicht zuvor als Kanzler so stark gemacht für die Beziehungen zu dem Milliardenvolk.
Und was denken die Deutschen über den Manager Schröder? „Sie sehen in ihm nur noch den Privatmann“, so Manfred Güllner, Chef des Meinungsforschungsinstituts Forsa. Nur knapp 10% könnten sich vorstellen, dass er noch einmal ein politisches Amt übernimmt.
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