Würstchen am Heiligen Abend, Gans am ersten Weihnachtstag, dann Rinderroulade, Braten oder Steak:
Nicht nur an den Feiertagen essen die Menschen in Deutschland viel Fleisch – rund doppelt so viel wie Ernährungsexperten empfehlen. Das schadet nicht nur der Gesundheit, sondern auch dem Klima.
Mit 88,4 Kilo pro Kopf erreichte der Fleischverbrauch in Deutschland 2008 einen Rekordwert. Verzehrt wurden laut Fleischwarenverband 60,4 Kilo, der Rest ging in die industrielle Verwertung (z. B. für Cremes).
Männer essen im Schnitt doppelt so viel Fleisch wie Frauen. Am beliebtesten ist Schwein: 2008 wurden 38,4 Kilo pro Kopf verzehrt. Auf Platz zwei folgt Geflügel (11,2 kg) vor Rindfleisch (8,6kg).
Jetzt fordert Bundesagrarministerin Ilse Aigner (CSU) die Deutschen auf, weniger Fleisch zu essen – als Beitrag zum Klimaschutz. Sie will in der Landwirtschaft umweltfreundlichere Produktionsmethoden etablieren. Aber auch die Verbraucher müssten sich „an die eigene Nase fassen“. Eine gesunde, ausgewogene Ernährung mit weniger Fleisch sei ein Beitrag zum Klimaschutz, sagte Aigner der „Hannoverschen Allgemeinen Zeitung“.
Hintergrund: Laut UN-Studien entstehen rund 18 Prozent aller Treibhausgase weltweit durch die Fleischproduktion, etwa durch den Methan-Ausstoß von Rindern. Das ist mehr als der gesamte Verkehr (Autos, Flugzeuge, Züge, Schiffe etc.) auf der Erde verursacht.
Salopp gesagt: Fleisch essen ist klimaschädlicher als Auto fahren. Denn die Viehzucht verbraucht enorme Ressourcen. Klima-Experte Jörg Feddern von Greenpeace zum EXPRESS: „Für die Fleischproduktion in Europa werden zum Beispiel in Brasilien Regenwälder abgeholzt, um Soja für billiges Viehfutter anbauen zu können. Das wird dann per Schiff um die halbe Welt transportiert.“
Wer seine Ernährung umstelle, könne einen wichtigen Beitrag zum Klimaschutz leisten, so Feddern. „Ein Verbraucher in Deutschland, der sich mit viel Fleisch und konventionell hergestellten Lebensmitteln ernährt, produziert ca. 860 Kilo Kohlendioxid im Jahr. Wer biologisch erzeugte Produkte aus der Region kauft und wenig Fleisch isst, kann seine CO2-Bilanz auf 470 Kilo pro Jahr drücken. Wird ganz auf Fleisch verzichtet, sind es nur 340 Kilo CO2.“
Die Deutsche Gesellschaft für Ernährung empfiehlt, pro Woche 300 bis 600 Gramm Fleisch zu essen. Der tatsächliche Verzehr liegt doppelt so hoch – im Schnitt 1160 Gramm pro Kopf.
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