Berlin - Nach der Lösegeldzahlung für die Geiseln auf der „Hansa Stavanger“ hagelt es heftige Kritik an der Bundesregierung!
Der Chef der Polizeigewerkschaft, Rainer Wendt: „Die Ministerien haben die Befreiung der Geiseln gehörig vermasselt.“ Und zwar wegen Kompetenzgerangel, so sein Vorwurf.
Sie mussten Scheinhinrichtungen ertragen, hatten nichts zu essen, konnten sich nicht die Zähne putzen. Fast fünf Monate, seit dem 4. April, erlebten die Seemänner - darunter fünf Deutsche - auf der „Hansa Stavanger“ ein Martyrium. Am 3. August wurde der Frachter endlich aus der Gewalt somalischer Piraten freigekauft. Mit 2,7 Millionen Dollar.
Doch die Seeleute hätten schon vor Wochen befreit werden können, sagt Polizeigewerkschaftschef Wendt. Damals sei die GSG9 nach Kenia geflogen worden. Dort bereitete sich die Spezialeinheit der Polizei auf die Befreiung der Geiseln vor. Doch statt zuzuschlagen, „saß sie wochenlang im Hotel fest“, so Wendt. Denn Innenministerium, Verteidigungsminis terium und Außenministerium haben sich nicht einigen können, wer zuständig sei. Hinzu kamen Fragen, wer die Elite-Mannschaft transportiert und, und, und…
Wendt zum EXPRESS: „Irgendwann war es mit der Geheimhaltung, dass die GSG9 auf ihren Einsatz wartet, dahin. Dann war auch der letzte somalische Pirat alarmiert.“
Die Befreiungs-Aktion wurde in der Tat damals abgeblasen. Weil sie zu gefährlich gewesen sei, hieß es vonseiten der Regierung, die den Vorwurf, das es um Kompetenzgerangel ging, weit von sich weist.
Der Vorwurf der Polizeigewerkschaft: Hintergrund ist der Plan von Verteidigungsminis ter Franz Josef Jung (CDU), zur Bekämpfung von Piraten die Verfassung zu ändern. Wendt: „Die Bundesregierung soll endlich aufhören, am Grundgesetz herumzufummeln. Eine Geiselbefreiung wie bei der Stavanger hat damit nichts zu tun. In diesem Fall waren die Ministerien einfach zu dusselig, den Einsatz zu koordinieren.“
Unterdessen flogen am Montag erste Seemänner heim, sie kommen am Dienstag an. Neben fünf Deutschen stammen zwölf der Crewmitglieder aus Tuvalu im Südpazifik, drei aus Russland, zwei aus der Ukraine und zwei von den Philippinen.
Wann das Schiff den Hafen von Mombasa wieder verlassen kann, ist noch unklar. Zurzeit laufen Ermittlungen, das BKA sichert an Bord Fingerabdrücke und DNA-Spuren.
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