Empfehlen | Drucken | Kontakt18.04.2010 - 11:01 Uhr

Rentenexperte: „Beamte sollen bis 68 arbeiten“

Von SOLVEIG GIESECKE
Warnt vor explodierenden Pensionskosten: Prof. Bernd Raffelhüschen.
Warnt vor explodierenden Pensionskosten: Prof. Bernd Raffelhüschen.
Foto: dpa
Berlin –  

Da tickt eine finanzielle Zeitbombe: Wenn wir nicht schnell an die Beamten-Pensionen gehen, werden die Länder bald jeden vierten Steuer-Euro nur für das Ruhegeld der Beamten ausgeben müssen, warnt Rentenexperte Bernd Raffelhüschen.

Er fordert: „Beamte sollen bis 68 arbeiten und weniger Pension bekommen.“ Der Freiburger Finanzwissenschaftler fordert, die Reform zügig anzugehen.

„Schon in der gesetzlichen Versicherung wird das Renteneintrittsalter ja schrittweise auf 67 erhöht. Da das demografische Problem bei den Beamten aber viel größer ist, müsste man das Renteneintrittsalter sogar auf 68 Jahre anheben, wollte man die gleiche Wirkung erzielen“, so Raffelhüschen in der „Wirtschaftswoche“.

Denn: Bei den Staatsbediensteten gibt es ein ganz spezielles Risiko für die Kassen. Raffelhüschen: „Beamte leben länger.“ Das zeigen mehrere Studien. Eine führte Daniela Sewöster für die Uni Rostock durch. Ergebnis: Pensionierte Männer leben im Schnitt zwei Jahre länger als Rentner. Es bestehe klar ein Zusammenhang zwischen der Höhe des Einkommens und der Gesundheit, so Sewöster zum EXPRESS.

Weiteres Problem: „Durch die Einstellungswelle der 60er Jahre werden um 2020 herum viele Beamte gleichzeitig in Pension gehen, warnt Raffelhüschen. Schon jetzt, so der Ökonomen, geben die Länder derzeit durchschnittlich bereits acht bis neun Prozent ihrer jährlichen Steuereinnahmen nur für die pensionierten Beamten aus. „In Zukunft wird sich dieser Wert auf bis zu 24 Prozent verdreifachen“, so Raffelhüschen.

Vor einer Pensionskrise warnt auch Finanzexpertin Gisela Färber von der Deutschen Hochschule für Verwaltungswissenschaften in Speyer: „Die Lage der Beamtenversorgung ist so alarmierend wie die Finanzkrise!“ Der Staat müsse knapp eine Milliarde Euro zurücklegen, wollte er die Pensions-Ansprüche der 1,7 Millionen deutschen Beamten erfüllen.
Pensions-Privilegien.

Beamte haben laut Bund der Steuerzahler, der auch eine Reform fordert, im Alter etwa 20 Prozent mehr als Angestellte. Sie profitieren davon, dass sie nicht arbeitslos werden. Zudem bemisst sich ihr Anspruch nicht nach dem langjährigen Verdienstdurchschnitt, sondern an den Bezügen der letzten Dienstjahre. Sie müssen auch keine Beiträge für ihre Pension zahlen.

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