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Unfassbare Taten: Warum töten Eltern das Liebste, was sie haben?

Ein Teddybär und Friedhofskerzen erinnern an die ermordeten Kinder.
Ein Teddybär und Friedhofskerzen erinnern an die ermordeten Kinder.
Foto: dpa

Sie hatten doch das ganze Leben noch vor sich. Vielleicht wäre die aufgeweckte Samara aus Neuss eine berühmte Architektin geworden – oder Lehrerin?

Wir werden es nie erfahren. Samara (8) aus Neuss ist von ihrem Vater erschossen worden. Sieben ähnliche Fälle, 13 tote Kinder, so die traurige Bilanz dieses Monats.

Ganz Deutschland fragt sich: Was sind das für Menschen, die das Liebste töten, was sie haben? Eltern, die ihre Kinder mit bloßen Händen erwürgen, sie mit einer Kettensäge enthaupten, vergiften, erschlagen ...

Wer tut so etwas? Kriminologe Christian Pfeiffer: „Bei Frauen gehen oft massive Depressionen voraus, sie wollen ihre Kinder durch einen »sanften Tod« vor dem entsetzlichen Leben beschützen. Der erweiterte Suizid bei Männern hat andere Gründe, meistens Eifersucht oder die Angst vor der Trennung.“

Diplom-Psychologin Elke Eyckmanns: „Da gibt es die, die nur die Kinder töten, um die Frau für immer und ewig zu bestrafen.“ Oder eben jene wie den Wirtschaftsberater aus einem Berliner Nobelviertel, der lieber seine Familie tötete, als ihnen zu beichten, dass er pleite war.

„Dass er das Baby vorher in die Babyklappe gegeben hat, verwundert nicht“, so Eyckmanns. „Bei dem Baby hat er keinen Gesichtsverlust zu befürchten. Das Kind darf weiterleben, weil es zu klein ist, um sich an den Vater zu erinnern oder unter dem Verlust der Eltern zu leiden.“

Eltern, die Gott spielen, über Leben und Tod entscheiden. Mal aus dem Affekt, oft langfristig geplant wie Anfang des Jahres bei einem (Selbst-)Mörder aus Langenfeld, der seine akribischen Todes-Vorkehrungen sogar ins Netz stellte.
„Warum nur?“, schreiben nach Familientragödien die Nachbarn stets auf großen Lettern auf Plakate. Damit hätten sie ja nie gerechnet. Wirklich nie! Doch können wir uns so leicht aus der Verantwortung stehlen?

„Nein“, sagt Friedhelm Güthoff vom deutschen Kinderschutzbund NRW. „Wir brauchen eine Kultur des Hinschauens. Denn Kinder, denen es in ihrer Familie nicht gut geht, senden in der Regel Signale aus. Leider gibt es in NRW keinen einheitlichen Ansprechpartner, an den man sich wenden kann. Wir plädieren für eine Art landesweite Hotline, die rund um die Uhr besetzt ist.“ Vielleicht würde Samara ja noch leben, wenn jemand rechtzeitig zum Hörer gegriffen hätte.

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