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Strenge Vorschriften : Hierzu sagt die katholische Kirche "Nein"

Verbote, deren Nichteinhaltung mit Exkommunikation bestraft werden, gibt es wenige. Dennoch sagt die katholische Kirche sehr genau, was für ihre Schäfchen ziemlich ist - und was es eben nicht.
Verbote, deren Nichteinhaltung mit Exkommunikation bestraft werden, gibt es wenige. Dennoch sagt die katholische Kirche sehr genau, was für ihre Schäfchen ziemlich ist - und was es eben nicht.
Foto: dpa
Köln –  

Eine junge Frau wurde vergewaltigt, sie sucht Hilfe, doch zwei katholische Kliniken weisen sie ab. Weil diese ihr nicht die „Pille danach“ verabreichen wollten?

Die Klinik spricht von einem Missverständnis. Schwangerschaftsabbruch - ein Tabu in der katholischen Kirche. Wo sagt sie noch überall nein und welche Auswirkungen hat das für unseren Alltag?

Fakt ist: Verbote, deren Nichteinhaltung mit Exkommunikation bestraft werden, gibt es wenige. Dennoch sagt die katholische Kirche sehr genau, was für ihre Schäfchen ziemlich ist - und was es eben nicht. Und damit steht sie in der heutigen Zeit oft den weltlichen Anschauungen (und allzu oft auch der Realität) gegenüber:

Abtreibung

Den beteiligten Personen (Mutter, Arzt) droht die Exkommunikation, sie dürfen keine weiteren Sakramente der Kirche empfangen. Zum Abbruch gehört auch die „Pille danach“. Schon das Befürworten von Schwangerschaftsabbrüchen kann problematisch sein – wenn man für die Kirche arbeitet. Anfang der 80er wurden an einer katholischen Klinik in Essen zwei Assistenzärzten entlassen, weil sie sich in einem Brief an eine Illustrierte für Abtreibung ausgesprochen hatten.

Sex vor der Ehe

Ist zwar keine Todsünde, allerdings heißt die katholische Kirche eine sexuelle Beziehung vor der Ehe nicht gut. Sex dient nach den Glaubensgrundsätzen der Gründung einer Familie, die innerhalb der Ehe erfolgen soll. Nichtsdestotrotz werden Paare mit unehelichen Kindern in den meisten Fällen getraut.

Verhütung

Weil Sex der Fortpflanzung dient (die durch Verhütungsmittel unterbunden wird), sind Pille, Spirale und Kondom nicht erlaubt. Es wird niemand exkommuniziert, wenn er sie dennoch benutzt. Die Kirche predigt aber Enthaltsamkeit, gerade für die Ausbreitung von Aids in vielen (sehr gläubigen) Teilen der Erde ist diese Haltung ein echtes Problem. Auch in Deutschland trieb die Verhütungsablehnung schon seltsame Blüten: In der Bischofsstadt Fulda durften in einer Drogeriefiliale, die sich in einem der Kirche gehörenden Haus eingemietet hatte, keine Kondome verkauft werden.

Wiederheirat

Die Ehe endet nach katholischem Verständnis nur in einem Fall: Mit dem Tod des Ehepartners. Wenn sich Katholiken scheiden lassen, hat das für die Kirche keine Bedeutung. Sie bleiben in ihren Augen verheiratet. Wenn erneut geheiratet wird, ist die Teilnahme am Abendmahl passé, schließlich begeht der Gläubige Ehebruch - ein Verstoß gegen die Zehn Gebote. Wer in Diensten der Kirche arbeitet, kann dafür sogar entlassen werden.
Das zeigt das Beispiel eines geschiedenen Düsseldorfer Chefarztes, der flog, nachdem er seine neue Freundin standesamtlich geheiratet hatte, obwohl er in seinem Arbeitsvertrag unterschrieben hatte, dass er die Grundsätze der christlichen Glaubens- und Morallehre auch im Privatleben beachten muss. Ein Gericht erklärte 2011 die Kündigung für unwirksam, weil die Klinik es zuvor toleriert hatte, dass der Mann in wilder Ehe mit seiner Freundin lebte. Auch in Königswinter flog eine Kindergartenleiterin, weil sie wieder heiratete.

Homosexualität

Da gleichgeschlechtliche Liebe nicht der Fortpflanzung dient, ist ihre Ausübung nicht im Sinne der katholischen Kirche. Vor allem das öffentliche Bekenntnis zur Homosexualität sorgt für Konflikte. 2011 wurde einem bekennenden homosexuellen Religionslehrer an einem Gymnasium in Erftstadt von der Kirche die Lehrerlaubnis entzogen - gegen den Willen der Schule. Eine Kindergärtnerin bekam keinen neuen Arbeitsvertrag, nachdem sie offen zugegeben hatte, lesbisch zu sein. Homosexuelle sind nicht zum Abendmahl zugelassen.

Selbstbefriedigung

Auch hier gilt: Die sexuelle Handlung wird nicht zum Zwecke der Fortpflanzung ausgeübt. Das Onanieverbot leitet sich - wie alle Glaubensgrundsätze - aus Passagen der Bibel ab.

Sonntagsarbeit

Der Sonntag gilt als Feiertag, an dem die Gläubigen nicht nur zur Messe gehen, sondern eben auch sonst alle Arbeit ruhen lassen sollten. Notwendige Arbeit (von Ärzten, Krankenschwestern etc.) ist nicht verwerflich.

Die Kirche als Arbeitgeber

Die Kirche ist in Deutschland mit 1,3 Mio. Beschäftigten der zweitgrößte Arbeitgeber. Für sie gilt ein besonderes Arbeitsrecht. Neben erneuter Eheschließung und offener Homosexualität kann bei katholischen Einrichtungen auch ein Kirchenaustritt oder die Geburt eines unehelichen Kindes für einen Angestellten zur Kündigung führen. Die Einhaltung der katholischen Wertvorstellungen sind in vielen Fällen Einstellungsvoraussetzung.

Die Mitarbeiter haben kein Streikrecht und die Gehälter sind nicht tarifgebunden. Alle Sonderrechte sind historisch begründet, stammen noch aus der Weimarer Reichsverfassung.

In der Praxis werden aber an vielen Stellen Lebensumstände, die nicht dem katholischen Glaubensgrundsätzen entsprechen, heute stillschweigend geduldet.

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