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SM, Piercings & Co.: So schräg können Lobbyisten sein

Unternehmer Ritz züchtigt gern Frauen. Natürlich nur auf freiwilliger Basis – wie hier Jane (20).
Unternehmer Ritz züchtigt gern Frauen. Natürlich nur auf freiwilliger Basis – wie hier Jane (20).
Foto: Patric Fouad
Berlin –  

Thomas Ritz sagt Sätze, die sich sonst niemand im politischen Betrieb in Berlin wagen würde auszusprechen. Zum Beispiel den: „Ich haue Frauen.“

Herr Ritz aus Hürth, eigentlich IT-Unternehmer, 41 Jahre alt, Mitglied im Schützenverein, schwingt nämlich gerne die Peitsche. Er ist in der Sadomaso-Szene bekannt für seine Auftritte mit der „Bullwhip“, der Bullenpeitsche. Gern im Dompteurs-Outfit, gern vor Publikum. Und trotzdem gehört er zum politischen Leben in der Hauptstadt. Er ist der Chef-Lobbyist der Sadomasochisten in Deutschland, versucht Politiker und Verbände für deren Interessen zu beeinflussen.

Thomas Ritz im schicken Anzug: Er wirbt bei der Politik um Anerkennung der deutschen Sadisten und Masochisten.
Thomas Ritz im schicken Anzug: Er wirbt bei der Politik um Anerkennung der deutschen Sadisten und Masochisten.
Foto: Patric Fouad

Ritz sitzt im Vorstand der Bundesvereinigung Sadomasochismus (BVSM). Unter Nummer 675 steht die BVSM in der „Öffentlichen Liste über die Registrierung von Verbänden und deren Vertretern“.

Schräg, aber das, so betont Ritz, habe wichtige Gründe. Immerhin vertrete man ja etwa zehn Prozent der Menschen. So vielen würden sadomasochistische Züge nachgesagt. Wie sieht denn nur die Lobby-Arbeit eines SM-Vertreters aus? Ritz nennt das Beispiel ICD-10. Dahinter verbirgt sich der Diagnoseschlüssel, nach dem Ärzte für die Krankenkasse exakt eintragen, wie es etwa zu einer Verletzung kam.

Martina Lehnhoff, Lobbyistin der Profi-Piercer, kämpft um die Anerkennung als Ausbildungsberuf – und gegen Scharlatane. Auf dem Bild hält sie eine Laserpistole zur Tattoo-Entfernung.
Martina Lehnhoff, Lobbyistin der Profi-Piercer, kämpft um die Anerkennung als Ausbildungsberuf – und gegen Scharlatane. Auf dem Bild hält sie eine Laserpistole zur Tattoo-Entfernung.
Foto: Patric Fouad

Was also, wenn ein Hieb zu hart, ein blauer Fleck oder mehr die Folge eines besonderen Liebesspiels war?! Dann würden wegen ICD-10 persönliche Daten des Patienten den ärztlichen Schutzraum verlassen, die für die Betroffenen unangenehme Konsequenzen haben könnten. Also wirbt Ritz für die Streichung der entsprechenden ICD-Codes.

Lobby-Arbeit betreibt auch Martina Lehnhoff (49). Die Kölnerin ist Chefin des „Europäischen Gesellschaft für Professionelles Piercing“ (EAPP). Sie kämpft für ihren Berufsstand, grenzt sich bewusst ab von „Kollegen“, die Zungen spalten, Narben in Fleisch brennen oder sonst wie den Körper verstümmeln.

Vor drei Jahren hat sich die EAPP beim Bundestag registrieren lassen. Geschadet habe dieser Schritt nicht, sagt Martina Lehnhoff, aber auch bisher nicht viel genützt: Ihr größtes Anliegen, nämlich dass der Piercer zum staatlich anerkannten Ausbildungsberuf wird und Stümpern so das Handwerk gelegt werden kann - das hat sie trotz allem nicht erreicht.

Waffenindustrie, Pharmakonzerne, Energieriesen. Die Geschichten über Lobbyisten klingen meistens vor allem nach Hinterzimmern, Schmiergeldern und halbseidenen Kanälen. Doch der Blick in das Bundestagsregister sorgt auch für Erheiterung. 2.129 Organisationen haben sich dort förmlich akkreditiert, um offiziell bei den Volksvertretern für die eigene Sache werben zu können.

Ob die „Aktionsgruppe Babynahrung e.V.“, die „Arbeitsgemeinschaft Die moderne Küche e.V.“ – niemand soll sagen können, dass er kein Gehör findet.

Manchmal scheint die Namenswahl unglücklich zu sein, wie etwa der vom „Verband der Hersteller und Ausrüster von Rampenverladeeinrichtungen e.V.“ (VERA) – passt auf keine Visitenkarte.

Eher entspannt dürfte es beim „Kaugummi-Verband“ zugehen, zumindest dem Namen nach. Aber wie muss man es sich nur bei der „Arbeitsgemeinschaft des mittleren vermessungstechnischen Dienstes bei der Deutschen Bahn AG (AMVB)“ vorstellen? Klingt jedenfalls mäßig spannend.

Dann denken wir doch lieber daran, wie es wäre, wenn wenn der „Bundesverband Erotik Handel e.V.“ die Abgeordneten mal zum „Parlamentarischen Abend“ einladen würde…

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