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Rächer der Senioren: Wir sind die SoKo „Kaffeefahrt“

Chef-Ermittler Hermann Kipnowski
Chef-Ermittler Hermann Kipnowski
 Foto: Erhard Paul
Aachen/Königswinter –  

„Ich möchte mit der Faust reinschlagen“, sagt Pensionär Hermann Kipnowski mit bebender Stimme.

Dass so viele seiner Altersgenossen übers Ohr gehauen werden, kann der 76-Jährige einfach nicht verknusen. Er ist so etwas wie der Chef der Rentner-SoKo„Kaffeefahrt“.

Jagen die Kaffeefahrt-Gauner: Heinz Peter Kirschbaum, Rudolf Pieper und Kurt Kirschbaum (v. l.)
Jagen die Kaffeefahrt-Gauner: Heinz Peter Kirschbaum, Rudolf Pieper und Kurt Kirschbaum (v. l.)
 Foto: Erhard Paul

Die Gauner laden Senioren zu Tagestouren ein, drehen ihnen dann oft vermeintliche Wundermedizin, Super-Kochtöpfe oder Gesundheitsdecken an. Es sei denn, die SoKo „Kaffeefahrt“ legt ihnen rechtzeitig das Handwerk.

Gemeinsam mit Rudolf Pieper (68) aus Königswinter und den Brüdern Kurt (67) und Heinz Peter Kirschbaum (69) aus Lohmar sprengte Hermann Kipnowski die fragwürdige Verkaufsveranstaltung in Wachtberg: Sie sorgten für eine Razzia des Ordnungsamts. Die 69. Kaffeefahrt, die Ganoven-Jäger Hermann aus Aachen platzen ließ.

Er ist ein Mann mit Erfahrung: „Ich war 40 Jahre Oberkommissar beim Erkennungsdienst in Köln.“ Klar, dass er weiß, wie man Gauner überführt. „Früher habe ich mich selbst auf Kaffeefahrten eingeschmuggelt, habe mir Notizen gemacht, wenn etwas nach Betrug roch. Danach habe ich die Übeltäter angezeigt und den Polizei-Kollegen Dampf gemacht, dass sie schnell ermitteln.“

500 Millionen Jahresumsatz

Experten schätzen, dass 100.000 Kaffeefahrten pro Jahr in Deutschland stattfinden. Jahresumsatz der Branche: rund 500 Millionen Euro. Verbraucherschützer warnen: Die angebotenen Waren sind meist überteuert oder minderwertig. „Bei uns landen dauernd viele Beschwerden über Kaffeefahrten“, sagt Carolin Semmler von der Verbraucherzentrale NRW. Dabei können die Kaufverträge ohne Begründung binnen zwei Wochen schriftlich widerrufen werden.

So wie nach der Kaffeefahrt nach Ettringen: „Die drehten einer 90-Jährigen drei Gesundheitskuren für 2.700 Euro an. Hinterher stellte sich heraus, dass es die Kurhotels in Holland gar nicht gab.“ Hermann erinnert sich auch noch an die Kaffeefahrt nach Holland: „Vier Teilnehmern knöpften sie jeweils 1.800 Euro für Heizdecken ab, die sonst nur 50 Euro kosten. Die kassierten das Geld, geliefert wurde die Ware nie.“

Hermann und seine Rentner-SoKo, die Rächer der betrogenen Senioren. Inzwischen schleusten sie „Kollegen“ ein, weil sie bei den Kaffeefahrt-Veranstaltern bekennt sind und nicht mehr mitgenommen werden. Auch Irmtraud (74), Hermanns Lebensgefährtin, spielte schon mal V-Frau. „Leider geht das jetzt nicht mehr, nachdem sie einen Oberschenkelbruch hatte. Ihr fehlten sowieso die Nerven...“

Nerven, wie sie Rudolf Pieper hat: „Das sind Kaffee-Fahrt-Ganoven. Die sitzen in dicken Villen und machen ihr Geld, indem sie alte Leute betrügen.“ Dieser Gedanke lässt der Rentner-SoKo keine Ruhe. Hermann: „Ich kämpfe weiter. Ich schmeiße denen Knüppel zwischen die Speichen, solange ich kann.“.

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