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Kurznachrichten erschüttern die Welt : Die dunkle Seite der Twitter-Macht

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Hacker behaupteten, dass zwei Explosionen US-Präsident Barack Obama verletzt hätten.
Hacker behaupteten, dass zwei Explosionen US-Präsident Barack Obama verletzt hätten.
Foto: dpa
New York –  

Die Kurznachricht verbreitete sich im Internet, als die Broker noch in der Mittagspause waren. Ihre Rechner arbeiteten auf Hochtouren, lasen die Nachricht – und verkauften blitzartig Aktien. Der Dow Jones stürzte ab. Auslöser: ein Hacker-Trick bei Twitter! Wie gefährlich ist die Macht der “Tweets“?

Es ist 13.07 Uhr. Über den Twitter-Account der Nachrichtenagentur AP werden höchst alarmierende Zeilen verbreitet: Im Weißen Haus habe es zwei Explosionen gegeben, Präsident Barack Obama (51) sei verletzt.

Der manipulierte „Tweet“ von AP.
Der manipulierte „Tweet“ von AP.
Foto: dpa

Die Wort-Erkennungsprogramme der Börsen-Computer schlagen wegen mehrerer Reiz-Wörter an: Explosion, Obama, Weißes Haus. Die Programme checken die Quelle – AP, wichtigste Nachrichtenagentur der USA. Seriös. Einen Wimpernschlag später löst die Software Aktienverkäufe aus. Kein Mensch hat bisher eingegriffen.

Aktienkurse rauschen in den Keller, 136,5 Milliarden Dollar sind einfach futsch, der Dow-Jones-Index sackt um 145 Punkte ab, Silber und Dollar verlieren an Wert.

Nur wenige Minuten später schickt AP eine Entwarnung, erklärt, dass jemand den Account der Agentur gehackt habe. „Es ist gruselig, dass ein Hackerangriff Computer veranlassen kann, Milliarden zu vernichten. Aber es ist die Zeit, in der wir leben“, sagt ein Börsianer .

Man fragt sich: Passiert so was jetzt öfter? Die Antwort: Ja. Es ist die dunkle Seite der Macht von Twitter und Co. Der Hochfrequenz-Handel ist das Problem, Hedge Fonds, die solche Programme einsetzen.

Der Chef der Firma, die die speziellen Börsen-Programme entwickelt hat, preist dagegen stolz deren Fähigkeiten an: „Sie sind so klug! Sie lesen nicht nur Agenturmeldungen, sie verstehen auch Twitter und Facebook, und sie können sogar die Entwarnung lesen und verstehen!“, sagt Eric Pritchett von „Potamus Trading“.

Erst Anfang April hatte die US-Börsenaufsicht das Einbeziehen der sozialen Netzwerke als Nachrichtenquellen gestattet.

Genau das hat die Hacker vielleicht auf die Idee gebracht, einen Twitter-Account zu knacken, um einen Börsencrash zu provozieren.

Zu dem Angriff haben sich Syrer bekannt. Die Gruppe, die Diktator Assad schon einmal seine „Armee im Internet“ nannte, heißt „Syrian Electronic Army“. Die Aktivisten haben es auf Portale von Medien und Organisationen abgesehen, die das syrische Regime kritisieren.

Die Hacker rühmen sich, schon Seiten der BBC, der Deutschen Welle oder der FIFA geknackt zu haben. Mit „Anonymus“, einer weltweiten Gruppe aufklärerischer Internetaktivisten, liefern sie sich einen stetigen Kampf.

Schon vor zwei Jahren gab es einen ähnlichen Vorfall: Damals brach der Dow-Jones-Index binnen weniger Minuten um zehn Prozent ein. Allerdings hatte immerhin noch ein Broker die Computer-Kettenreaktion ausgelöst.

Beim Oktobercrash von 1987 („Schwarzer Montag“) wurde eine Verkaufs-Lawine gestartet, weil Computer so programmiert waren, dass sie Aktien verkauften, sobald ein bestimmter Kurs erreicht war.

Die Verbindung mit sozialen Netzwerken erhöht die Anfälligkeit des Systems. Twitter, Facebook und Co. multiplizieren und verbreiten in Windeseile Nachrichten – richtige und falsche. Und die Börse folgt blind - zumindest für eine kurze Zeit.

Das ist Twitter

Den Kurznachrichtendienst gibt es seit 2006 im Netz.

Hier kann jeder Nachrichten („Tweets“) von maximal 140 Zeichen Länge veröffentlichen. Im Gegensatz zur SMS gehen diese aber an die gesamte Twitter-Öffentlichkeit. Andere Nutzer können die Nachrichten abonnieren und zu „Followern“ werden.

Mittlerweile nutzen mehr als 100 Millionen Menschen täglich den Dienst.

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