Mit einer betenden Statue Adolf Hitlers im ehemaligen Warschauer Getto hat sich ein italienischer Künstler zur Zielscheibe moralischer Entrüstung gemacht.
Maurizio Cattelans Werk „HIM“ steht seit vergangenem Monat an der sensiblen historischen Stätte und soll nach Darstellung der Organisatoren zum Nachdenken über die „Natur des Bösen“ anregen.
Kritik
Das jüdische Simon-Wiesenthal-Zentrum kritisierte die Statue als „sinnlose Provokation, die das Andenken an die jüdischen Opfer der Nazis beleidigt“. Wofür genau Hitler betet, ist dem nur aus der Distanz durch ein Loch in einem Holzzaun zu betrachtendem Kunstwerk nicht zu entnehmen.
Allerdings erhielt Catellan für die Statue - eines von vielen Objekten seiner Retrospektive „Amen“ - auch Unterstützung. Das federführende Zentrum für Zeitgenössische Kunst verneinte jegliche Absicht des Künstlers, die jüdischen Opfer des Nazi-Terrors zu beleidigen.
Zustimmung
Andere Besucher würdigten die emotionale Wirkung der kleinen Statue, die der eines Schuljungen ähnelt. Und selbst der oberste Rabbi Polens, Michael Schudrich, erteilte dem Kunstwerk im Vorfeld bewusst seinen Segen, weil es durch Provokation des Betrachters moralische Fragen aufwirft. Gezeigt werde schließlich auch, dass sich das Böse hinter der Fassade eines „niedlichen, betenden Kindes“ verstecken könne.
Das Warschauer Getto
Ab dem Herbst 1940 wurden die in Warschau lebenden Juden von der deutschen Besatzungsmacht in einem ummauerten Getto interniert. Zeitweise pferchten die Nazis dort 500.000 Menschen zusammen, von denen viele wegen Hunger, Kälte und Seuchen starben - sofern sie nicht vorher erschossen wurden.
Ab Juli 1942 wurden Hunderttausende Bewohner des Gettos in das Vernichtungslager Treblinka deportiert und ermordet. Eine groß angelegte jüdische Widerstandsaktion brach am 16. Mai 1943 nach verlustreichen Kämpfen mit den deutschen Truppen zusammen. Das Getto wurde daraufhin dem Erdboden gleichgemacht, seine Bewohner ermordet.
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