Ein auffallend süßes Mädchen mit großen Augen – jeder kennt Madeleine McCann, seit ihre Fotos um die Welt gingen, zeitweise an jedem Flughafen hingen. Seit dem 3. Mai 2007 fehlt jede Spur von dem Mädchen, die Polizei hat die Suche längst eingestellt. Aber Madeleines Eltern sind sicher: Madeleine lebt.
Kate McCann hat ein Buch geschrieben, das nun auf Deutsch erscheint. Die Eltern hoffen auf neue Hinweise, vielleicht von deutschen Touristen. Madeleine, die die ganze Welt als niedliche Vierjährige kennt, wäre inzwischen ein Schulkind: „Unsere Schwester ist acht Jahre alt“, erklären ihre Geschwister Amelie und Sean (6) anderen Kindern auf dem Spielplatz.
Es sind solche Erlebnisse, sagt Kate McCann im Interview, die ihr immer wieder Kraft geben: „Madeleine ist ein Teil unserer Familie, sie wird wieder nach Hause kommen.“ Sean und Amelie schliefen im selben Kinderzimmer des Ferienapartments in Portugal, aus dem ihre Schwester verschwand. Wenn Kate über die Zwillinge spricht, wird ihre Mimik, die sonst so beherrscht ist, ganz weich: „Für Sean und Amelie ist es ganz logisch: Madeleine ist weg, wir suchen sie – und dann finden wir sie.“
Und Vater Gerry erzählt, wie die Zwillinge ihre Eltern oft mit ihren Betrachtungen verblüffen: „Sie sagen ‚Wenn Madeleine wieder da ist, dann...‘, oder sie erzählen, wie sie den Mann fangen wollen, der Madeleine ‚gestohlen‘ hat.“
Gegen 22 Uhr stellen die McCanns fest, dass Maddie aus dem Apartment in der Ferienanlage „Ocean Club“ in Praia da Luz (Portugal) verschwunden ist.
Portugiesische Behörden durchsuchen das Haus eines Verdächtigen. Ohne Erfolg.
Papst Benedikt XVI. segnet das Ehepaar McCann sowie ein Foto des Mädchens.
Kate und Gerry McCann werden über zehn Stunden verhört, offiziell zu Verdächtigen erklärt.
Die McCanns fliegen trotz der Ermittlungen zurück nach England.
Portugals Generalstaatsanwalt hebt den Verdacht gegen Madeleines Eltern auf. Der Fall wird aus Mangel an Beweisen geschlossen.
Ein Team ehemaliger Fahnder von Scotland Yard hat sich im Auftrag der Eltern auf die Suche nach Madeleine gemacht, wie Medien berichten. Finanziert wird die Aktion von einem wohlhabenden Geschäftsmann.
Zwei Jahre nach Maddies Verschwinden flehen ihre Eltern mögliche Entführer um die Freilassung ihre Tochter an. Sie nutzen dazu ein Gespräch mit der US-Talkshow-Queen Oprah Winfrey, das Millionen Zuschauer sehen.
Die Eltern fordern Einsicht in Ermittlungs-Unterlagen, die die portugiesische Polizei ihnen bisher vorenthalten haben soll.
Madeleines Eltern protestieren vergeblich gegen den Verkauf eines Buches, das der portugiesische Ex-Chefermittler Gonçalo Amaral über den Fall geschrieben hat. Er vertritt im Kern die These, dass das Kind im Jahr 2007 bereits im Urlaubshotel der Familie in Portugal gestorben ist und nicht entführt wurde. Die Eltern hätten etwas mit dem Verschwinden zu tun gehabt.
Kate McCann veröffentlicht ein Buch mit ihrer Version der Geschichte. In den Memoiren beschreibt Maddies Mutter unter anderem ihre Qualen und Zerrissenheit nach dem Verschwinden ihrer Tochter, die sie an den Rand des Zusammenbruchs gebracht habe. Nach außen sei sie aber immer gefasst aufgetreten.
Die britische Polizei kündigt an, den Fall erneut zu untersuchen. Die Ermittlungsakten würden erneut überprüft, kündigt Premierminister David Cameron an.
Die britische Polizei erklärt, dass Maddie möglicherweise noch am Leben ist.
Zu Hause sind die Wände in Madeleines Zimmer gepflastert mit Bildern, die ihre Geschwister für sie gemalt haben. Kate lächelt sogar, als sie das erzählt. Rund drei Millionen Pfund hat das Ehepaar in die Suche nach seiner Tochter investiert, sie beschäftigen Privatdetektive, haben eine 24-Stunden-Hotline für Hinweise geschaltet.
Die Eltern sind die Einzigen, die seit 2008 noch aktiv nach Madeleine suchen, trotzdem stehen sie für viele Menschen immer noch unter Verdacht, wie Tausende hämischer Kommentare im Internet zeigen. „Das sind Menschen, die sich hinter Computern verstecken“, sagt Gerry McCann, „noch nie hat uns einer von denen seine Vorwürfe ins Gesicht gesagt.“ Dass sie kühl wirke, wie versteinert, dass sie nie vor den Kameras in Tränen ausgebrochen ist, damals im Sommer 2007, das wurde Kate McCann oft vorgeworfen.
In ihrem Buch beschreibt sie den ersten Tag nach Madeleines Verschwinden und zeigt ein anderes Bild von sich: „Ich fühlte mich wie ein eingesperrtes, wahnsinniges Tier (...) Ich fing an zu schreien, zu fluchen und um mich zu schlagen. Ich trat auf ein zusätzliches Bett ein, das man uns ins Apartment gestellt hatte, und schlug dabei das Fußende ab.“
Minuziös schildert Kate die letzten Tage mit ihrer Tochter, beschreibt, wie das berühmte Foto von Madeleine mit den Tennisbällen entstand, sie schreibt von Eheproblemen und ihrer Wut auf die portugiesische Polizei, die viele Bewohner der Ferienanlage einfach abreisen ließ, ohne sie als Zeugen zu vernehmen.
Ihr Buch, sagt sie, soll der Welt Madeleines fast vergessenes Schicksal wieder in Erinnerung rufen: „Irgendwo da draußen ist jemand, der weiß, wo sie ist.“ Gerrys Appell: „Deutsche Touristen, die im Mai 2007 an der Algarve im Urlaub waren, bitte melden Sie sich. Auch wenn Sie glauben, nichts gesehen zu haben. Jedes winzige Puzzleteil kann helfen, uns unsere Tochter zurückzubringen.“
Kontakt über www.findmadeleine.com
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