Empfehlen | Drucken | Kontakt25.07.2010 - 22:28 Uhr

Panikforscher hat gewarnt: Die Treppe hätte „besser gesprengt werden sollen”

Michael Schreckenberg hatte vor der Treppe gewarnt.
Michael Schreckenberg hatte vor der Treppe gewarnt.
Foto: © Schreckenberg
Duisburg –  

Wer ist schuld am tödlichen Ausgang der Loveparade? Die Veranstalter geraten immer stärker in die Kritik - sogar ein Mit-Organisator gibt nun offen zu: Die Planung war nicht gut genug.

Panikforscher Michael Schreckenberg war als Physiker an der Vorbereitung der Technoparty beteiligt. Und er hatte vor der Loveparade deutlich auf die Risiken hingewiesen, die letztlich zur Katastrophe führten.

Der Physiker hat vorher ausdrücklich vor der Gefahr gewarnt, die von dem engen Tunnel ausgeht. Wenn die Massen dort durchgeschleust werden, müsse „das bis ins Letzte durchgeplant werden”, hatte er vorher gesagt. Und genau das ist nicht geschehen.

Schreckenberg hatte vorhergesehen, dass die Treppe, an der die meisten Toten gefunden wurden, ein großes Risiko darstellt.

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Der Panikforscher sagte: Die Treppe an der Rampe hätte besser abgeschirmt, „vielleicht sogar besser gesprengt werden sollen”. Doch die Veranstalter hörten nicht auf ihn.

Es sei vorhersehbar gewesen, dass die Raver über die Stufen entkommen wollen. Denn wo sich Menschen dicht gedrängt stauen, suchen sie schließlich nach Auswegen, so der Physiker.

Schreckenberg ließ durchblicken, dass die Planung der Experten „bestens” gewesen sei, aber die Ausführung – also das „Tunnelmanagement” des Veranstalters – hätten zu den Problemen geführt.

Doch auch die Planung sah über ein offensichtliches Problem hinweg: Zwar gingen die Veranstalter angeblich nur von 500.000 statt von 1,4 Millionen Besuchern aus, doch auch das wäre zu viel gewesen. Denn der Tunnel hatte nur eine Kapazität von 20.000 Menschen pro Stunde. Bis zu 250.000 Raver sollten aber durch dieses Nadelöhr auf das Gelände geschleust werden – und wieder zurück. Das konnte nicht gutgehen.

Der Panikforscher hatte außerdem zu einer Videoüberwachung der Rampe geraten – das lehnte der Veranstalter ebenfalls ab.

Auch das Management in der Notsituation selbst sei alles andere als perfekt gewesen: „Die Menschen brauchen eine Perspektive, dass und wann es weitergeht. Dann bleiben sie auch ruhig”, sagte Schreckenberg. Doch die 4000 Polizisten und 1000 Ordner konnten die Massen nicht beruhigen und deshalb auch nicht das Schlimmste verhindern.

Michael Schreckenberg sieht aber auch eine Mitschuld bei sich und denjenigen, die von Anfang an wussten, wie gefährlich der Tunnel sein wird: „Wir haben gewarnt, aber wir hätten vielleicht stärker warnen müssen.”

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