Es sieht aus wie Kokain und wird auch geschnieft – doch was sich besser betuchte Schüler neuerdings reinziehen, wird eigentlich als Narkosemittel in der Notfall- oder Tiermedizin genutzt. Schon 14-Jährige schnupfen Ketamin. Ein Trend, der Medizinern Sorgen macht.
Ziehen Jugendliche am Wochenende los, gehört für viele Saufen und Kiffen einfach dazu. Auch Speed oder Ecstasy ist verbreitet. Vor allem in der Elektro-Szene. Und die steht auch auf „Keta“. Einer, der die Droge genommen hat, erzählt in einem Online-Forum: „Auf Ketamin lösen sich all diese Grenzen auf. Die Welt kann völlig neu geschaffen werden. Hier wird die Grenze zum Größenwahn überschritten.“
Für Ärzte ein Albtraum. Anneke Aden, Oberärztin der Jugendsuchtstation am Hamburger Universitätsklinikum Eppendorf (UKE) kann diese Beschreibung aus Patientenberichten nur bestätigen. Sie warnt: „Ketamin hat ähnliche Effekte wie LSD. Aber es ist viel unberechenbarer.“ Die Droge, die gespritzt, als Pille geschluckt oder wie Kokain geschnupft wird, wirke stimulierend und halluzinierend. Bei höherer Dosis erzählen Betroffene von Nahtoderfahrungen. „Es ist dann so, als ob man neben seinem Körper steht. Dazu kommen Horror- Trips und Flash-Backs.“
Längst ist ein illegaler Markt entstanden. Dort kostet ein Gramm des Stoffs rund 35 Euro. Und immer mehr jüngere Menschen greifen zu. „Wir sehen eine steigende Tendenz. 14 oder 15-Jährige, die mit Alkohol- oder Cannabisproblemen zu uns kommen, erzählen, dass sie auch Keta ziehen“, sagt Ärztin Aden. Besonders Jugendliche aus gehobenen sozialen Schichten feiern mit „Vitamin-K“ wie es auch genannt wird. Aden: „Ketamin wird in Kreisen genommen, die öfter mit Kokain zu tun haben.“
Fest steht: Es ist gefährlich, vor allem in Verbindung mit Alkohol. Schon bei steigendem Promille-Pegel verlangsamt sich die Atmung. Ketamin unterstützt diesen Effekt. Es kann zu komatösen Zuständen kommen. Das Problem: Die Party-Droge lässt sich nicht einfach vom Markt nehmen. Sie genießt als Medikament einen guten Ruf. Vor allem vor schmerzhaften OPs.
Die Politik aber ist gewarnt. Rheinland-Pfalz verbot gar seinen Rettungsassistenten, Ketamin zu verabreichen, wenn kein Arzt in der Nähe ist. „Auch wenn der Patient vor Schmerzen schreit“, sagte ein Mediziner. Bei falscher Anwendung könne es zu „schwerwiegenden Komplikationen“ kommen. Die Jugend bewegt sich auf tödlichem Terrain.
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