Olympia 2012
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Willenlose Gold-Party: Hockey-Helden entern das Traumschiff

Rein damit: Christopher Wesley (l.) versucht Maximilian Müller Sekt in den Mund zu schütten.
Rein damit: Christopher Wesley (l.) versucht Maximilian Müller Sekt in den Mund zu schütten.
Foto: dapd
London –  

Diese Nacht geht in die Geschichte ein, es war die Nacht der Nächte bei den Spielen in London.

Hauptdarsteller: Die deutschen Hockey-Helden, die Wahnsinnstruppe mit dem Gold-Gen. Nach dem sensationellen 2:1 im Finale über Holland fallen alle Hemmungen. Und beinahe versenken die Olympiasieger in der Morgendämmerung um 5 Uhr noch das Traumschiff, die MS Deutschland.

Doch wir fangen vorne an. Wir waren beim Feier-Marathon dabei und nehmen Sie nun mit auf eine Reise durch die Gold-Nacht von London.

Noch auf dem blauen Kunstrasen reift nach dem Schlusspfiff der Entschluss: Wir wollen auch so blau werden wie der Platz. Bierflaschen werden geköpft, Teile der Stadion-Deko werden abmontiert.

Nach ersten TV-Auftritten erscheint die Truppe gegen 24 Uhr im Deutschen Haus. Schnell ist klar, dass sie in diesem edlen Ambiente nicht alt werden. Schon nach 20 Minuten verlassen sie den Pflichttermin mit vollen Biergläsern in der Hand.

Auf geht’s zur MS Deutschland – das Traumschiff wird geentert. Das Boot ankert zwei Kilometer Fußmarsch entfernt im Herzen der London Docklands. Moritz Fürste brüllt auf dem Weg: „Das wird unsere Nacht! Deutschland ist der geilste Klub der Welt!“


Im Deutschen Haus sind sie derweil mächtig verstimmt, angeblich war abgesprochen, dass die Hockey-Helden länger bleiben – betuchte Gäste haben gut 400 Euro für die Abendkarte gezahlt, auch um mit Olympiasiegern zu feiern.

Doch die Truppe wollte mit Familie und DHB-Tross (300 Mann) Gas geben. So viele wollten die Verantwortlichen nicht ins Deutsche Haus lassen. Auf dem Traumschiff dagegen ist die Hockey-Gemeinde ein willkommener Gast.

Um 1.30 Uhr ist der Feier-Tross geschlossen im Champions-Klub auf der sechsten Etage des Traumschiffs. Ein DJ heizt ein, die Schnapsflaschen kreisen, das Bier fließt in Strömen! „Ich denke, es wird lang“, grinst der überragende Torhüter Max Weinhold (RW Köln).

2.15 Uhr: Benjamin Weß übernimmt das Mikrofon und singt das Kultlied von Kunigunde und der Hobelbank. Er beginnt mit den Worten: „An alle, die mich jetzt kennen: Entschuldigung für die nächsten vier Minuten. Alle Handys und Videos bitte ausmachen.“ Als Vorsänger brüllt er sich die Kehle aus dem Leib, die Kollegen grölen im Chor den schlüpfrigen Text.

Gut, dass hier kein Ton zu hören ist: Benjamin Weß stimmt die Hobelbank an.
Gut, dass hier kein Ton zu hören ist: Benjamin Weß stimmt die Hobelbank an.
Foto: Bödeker

3 Uhr: Draußen an Deck gibt es frische Rumpsteaks. Trainer Markus Weise genießt einen Moment der Ruhe.

Um 3.30 Uhr beginnt die rheinische Phase. Mit Christopher und Philipp Zeller, den Gebrüdern Benjamin und Timo Weß, sowie Max Weinhold stehen fünf Kölner und mit Oliver Korn ein gebürtiger Düsseldorfer im Kader. Karneval auf dem Traumschiff. „Viva Colonia“, „Superjeile Zick“ und „Wenn nicht jetzt, wann dann“. Die Spieler rocken mit nacktem Oberkörper.

Ab vier Uhr wird die Schiffs-Crew ein wenig nervös und versucht Ruhe in die Sache zu bekommen – schließlich schlafen auf dem Traumschiff auch zahlende Gäste. Als der DJ dem Party-Helden Benjamin Weß das Mikro wegnehmen will, wird er von der Gold-Meute gnadenlos ausgebuht. Die Hockey-Piraten haben längst das Kommando übernommen.

4.30 Uhr: Küchenchef Erik kommt. Der Traumschiff-Kapitän hat den massigen Kerl persönlich beauftragt, die Party zu beenden. Die Musik verstummt, das Licht geht an. Doch Erik ist chancenlos, die Hockey-Jungs singen ihn in Grund und Boden.

5 Uhr: Erik steht immer noch mitten auf der Tanzfläche, versucht mit den Party-Piraten zu kommunizieren, indem er auch anfängt zu singen. Doch er wird wieder abgewürgt: „Hinsetzen! Hinsetzen!“ Erik gibt auf und ist etwas entsetzt: „Der Kapitän steht mit einem Bein im Knast, denn wir haben hier Lärmschutz-Auflagen zu erfüllen.“

5.30 Uhr: Die Hockey-Jungs haben ein Einsehen, verlassen das Schiff, bevor es endgültig sinkt. Der Kapitän rennt schnaufend durchs Treppenhaus und macht drei Kreuze. Die Spieler ziehen in Deutschland-Fahnen gehüllt ins olympische Dorf. Die Sonne geht auf. Es war die Nacht der Nächte bei Olympia.

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