Olympia 2012
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Unsere goldenen Beach-Boys: „Wir sind wie ein Ehepaar“

Nach dem Sieg gab es bei den Jungs kein Halten mehr.
Nach dem Sieg gab es bei den Jungs kein Halten mehr.
Foto: Getty
London –  

Was war das für ein Thriller im Herzen Londons! Julius Brink (30) und Jonas Reckermann (33) holten sensationell die Goldmedaille im Beachvolleyball gegen die Brasilianer Alison Cerutti und Emanuel Rego. Die Jungs gewannen den entscheidenden dritten Satz hauchdünn mit 16:14. Danach brachen alle Dämme bei den Kölnern. Und 9,2 Millionen TV-Zuschauer freuten sich live mit ihnen.

Sie starten zwar für den VC Olympia Berlin, weil der Verein sie finanziell unterstützt und eine große Beachvolleyball-Halle fürs Wintertraining hat. Dort wurde extra für unser Duo der original London-Sand aufgeschüttet. Aber ihr Trainings-Mittelpunkt im Sommer ist die Playa Cologne in Köln im Schatten des RheinEnergieStadions, schließlich wohnen sie nur einen Steinwurf entfernt.

Goldiges Trio im Deutschen Haus: Julius Brink (l.) und Jonas Reckermann (r.) mit Reporter Uwe Bödeker.
Goldiges Trio im Deutschen Haus: Julius Brink (l.) und Jonas Reckermann (r.) mit Reporter Uwe Bödeker.
Foto: Bödeker

Wir trafen das Duo elf Stunden nach dem Sieg und einer schlaflosen Nacht. Das Interview mit Deutschlands spaßigsten Olympiasiegern.

Waren Sie im Bett?

Julius Brink: Es muss auch ohne gehen.

Also heftig gefeiert?

Jonas Reckermann: Also sooo heftig war es jetzt nicht. Leider, denn um 3 Uhr ging das Licht aus in unserem Club. Wir wollten, konnten aber nicht, da ging wirklich nichts mehr – blöde Sperrstunde. Als wir in eine Discothek ziehen wollten, ließen sie uns nicht rein. Judoka Ole Bischof aus Köln war dabei und weitere 30 deutsche Athleten. Mit so vielen Mann war nichts zu machen an der Tür.

Julius, Sie hatten angekündigt bei Gold blankzuziehen.

Brink: Ja, und nackt auf den Big Ben zu klettern. Mein Vater soll aber nicht wissen, was wir in der Nacht Verrücktes gemacht haben, deshalb verrate ich es nicht.

In Köln war auf der Playa die Hölle los, gab es Reaktionen?

Reckermann: Klar gab es die von Freunden. Ich bin begeistert, und es fühlt sich so gut an, Olympiasieger zu sein.

Brink: Ich liebe die Playa, das ist mein Heimatplatz. Ich fahre immer mit dem Fahrrad zum Training, sehr lässig. Es ist der coolste Ort in Köln. Und da ist unser Olympia-Traum gereift, weil wir wirklich sehr oft und hart dort trainiert haben. Es wird bestimmt einen großen Empfang geben, da freue ich mich schon drauf.

Bevor Sie mit dem Training starten, müssen Sie immer einen vierfachen Espresso trinken, oder?

Brink lacht: Wenn ich wenig geschlafen habe...

Sie sind das ganze Jahr zusammen, gehen Sie sich da nicht auch auf die Nerven?

Reckermann: Das ist wie in einer guten Ehe – man braucht Freiheiten, und die lassen wir uns. Obwohl bei uns ist es extrem, wir verbringen ja mehr als das halbe Jahr gemeinsam auf der World-Tour. Wir haben aber zwei Schlafzimmer.

Nervt Sie etwas am Partner?

Reckermann: Nein, gar nichts. Ich bewundere Julius für seinen Willen. Er ist ja mit 1,86 Metern nicht der Größte, hat sich aber in der Weltspitze durchgebissen. Beeindruckend.

Schwerstarbeit: Reckermann musste immer wieder am Block des Brasil-Riesen Alison vorbeikommen.
Schwerstarbeit: Reckermann musste immer wieder am Block des Brasil-Riesen Alison vorbeikommen.
Foto: Getty

Hat Jonas denn ein paar Macken, Herr Brink?

Brink: Jonas ist ein Gerechtigkeitsfanatiker, manchmal überkorrekt. Aber vielleicht ist das auch eine große Stärke, von der ich profitiere.

Wie wird man eigentlich Beachvolleyballer?

Reckermann: Am besten fängt man mit Hallenvolleyball an, denn wir wissen ja alle, wie lang die Sommer bei uns so sind. Wer da nur am Strand übt, der kommt nicht oft zum Training. Aber es gibt immer mehr Hallen mit Sand. Wer will, kann sofort anfangen mit dem Sport.

Handballer, Fußballer, Basketballer – alle nicht dabei aus deutscher Sicht. Wie fühlt sich Ihr Triumph an?

Brink: Wir sind das kleinste Team der Welt und jetzt plötzlich eine ganz große Nummer. Das ist einfach nur geil, denn schon im Stadion hat uns ein Großteil der deutschen Mannschaft angefeuert. Genial, dieses Gefühl, denn sonst stehen wir ja nicht so im Rampenlicht.

Reckermann: Bei uns ist sogar das Betreuerteam größer. Wir haben drei Trainer und ein Management. Seit vier Jahren sind wir alle zusammen, hatten das Olympia-Projekt vor Augen. Jetzt gemeinsam Gold zu feiern ist das Größte.

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