Olympia 2012
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Unser stärkster Mann: Steiner fühlt sich zu schwach für Gold

Matthias Steiner fühlt sich zu schwach für den Sieg in London.
Matthias Steiner fühlt sich zu schwach für den Sieg in London.
Foto: dapd
London –  

Ende Mai wäre sein Olympia-Traum beinahe wirklich zerplatzt. Matthias Steiner war beim Trainingslager im Schwarzwald nach einer Hebeübung zusammengebrochen. „Nix ging mehr. Er lag da und konnte sich nicht bewegen. Wir mussten ihn mit zehn Mann auf der Trage aus dem Kellerfenster hieven“, erzählt Frank Mantek schmunzelnd.

Schmunzeln kann er nur, weil sich schnell herausstellte, dass Steiner nur eine akute Muskelblockade hatte, keinen befürchteten Bandscheibenvorfall. Und schmunzeln kann Mantek auch, weil Steiner gerade im olympischen Dorf neben ihm sitzt. Am Dienstag wird der Olympiasieger von Peking 2008 wieder antreten. Und das mit Rekord-Gewicht: „Ich wiege erstmals in meinem Leben über 150 Kilogramm“, sagt Steiner stolz.

Doch die mit großer Anstrengungen angefutterte Masse („Ich verbrenne so viel Energie beim Training, dass das nicht einfach ist, so viel zu essen.“) ist auch ein Griff nach dem letzten Strohhalm. Denn die Olympiavorbereitung lief alles andere als perfekt. Knie-OP nach Sehnenriss im November, fette Erkältung, Rückenschmerzen – insgesamt fehlen Steiner ein paar Wochen Vorbereitung. „Da musste jetzt alles kompakt aufgebaut werden, wofür wir sonst noch Zeit haben. Die Ausarbeitungsphase war nicht da“, sagt Steiner.

Und mit mehr Körpergewicht hofft er nun ein paar andere Defizite ausgleichen zu können. Doch Steiner sieht sich nicht als Gold-Favorit: „Natürlich bin ich kein 08/15-Athlet, aber wer Gold erwartet, der hat keine Ahnung vom Sport.“

Doch es gibt auch Dinge, die Mut machen: Steiner stellte unlängst eine neue Bestleistung im Kniebeugen auf. „Mal sehen, ob das etwas bringt“, sagt Mantek und grinst. Er baut auf jeden Fall auf Steiners Wettkampfstärke: „Wir gucken jetzt erst mal nur auf unsere Leistung, und wenn sich eine Tür auftut, muss Matthias da durchgehen. Er hat das Gespür und die Gabe dafür, solche Situationen auszunutzen. Wenn er gefordert ist, wächst er über sich hinaus.“

Noch genießt Steiner die Ruhe: „Ich freue mich, dass ich nach dem harten, intensiven Training noch ein paar Tage Pause habe. Im Dorf sind die Wände zwar dünn, aber damit haben ja alle zu kämpfen, da kann ich jetzt nicht auf Mimose machen.“ Allein die Doping-Diskussion bringt ihn aus der Fassung: „Ich wurde in diesem Jahr über zehnmal kontrolliert, andere Nationen gar nicht. Ich bin sauer, dass sich nichts ändert. Es ist sogar schlimmer als je zuvor.“ Als Steiner sich in Rage reden will, legt Trainer Mantek die Hand auf seinen Rücken, das Zeichen für Ruhe jetzt. Mantek schreitet ein: „Über die Dopingkontrollen in anderen Ländern sollen andere reden. Das ist nicht unsere Sache.“

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