Robert Harting riss sich mit einem Urschrei das Trikot vom Leib, er flippte aus vor Glück, als er den Olymp gestürmt hatte. Dann wickelte er sich eine Deutschland-Fahne um seinen nackten Oberkörper, hüpfte sogar noch ausgelassen über die Hürden auf der Laufbahn.
Die 80.000 Zuschauer johlten. Harting lief weiter, er stieg genüsslich langsam die fünf Stufen zum Olympischen Feuer hoch, berührte einen der Stäbe und blickte in Triumphpose auf die Flamme.
Eine Weile hatte es so ausgesehen, als würde er seine große Chance auf die Goldmedaille wegwerfen, zu flatterhaft waren seine Würfe mit dem Diskus im Finale von London. Dann das Comeback: 68,27 m im fünften Versuch - Gold!
Nach WM- und EM-Titel war es der dritte Triumph des Berliner Modellathleten innerhalb von 343 Tagen. Ein historischer goldener Hattrick.
„Ich bin einfach total happy. Es ist absolut geil“, sagte er, bekannte aber auch: „Es war echt spannend. Ich bin von mir selbst überrascht, ich hatte zwischendurch schwere Beine.“
Jeder erwarte diesen Titel, hatte der 27-Jährige zuvor gesagt. Jeder - das galt auch für ihn, nachdem der in diesem Jahr mit 70,31 und 70,66 m erstmals die frühere Traumgrenze übertroffen hatte.
Harting erfüllte alle Hoffnungen und gewann mit seinem 29. Sieg in Serie binnen 730 Tagen als vierter Deutscher olympisches Diskus-Gold.
Zuvor war dies Rolf Danneberg 1984 in Los Angeles, Jürgen Schult 1988 in Seoul und Lars Riedel 1996 in Atlanta geglückt.
Beinahe drohte Harting das Gold zu entgleiten. Im ersten Versuch hatte er 67,79 m vorgelegt, dann konterte der iranische WM-Dritte Ehsan Hadadi mit 68,18. Harting baute von Versuch zu Versuch ab - doch er behielt die Nerven und schlug im fünften eindrucksvoll zurück.
Hadadi gewann mit Silber die erste olympische Leichtathletik-Medaille für sein Land. Bronze ging an Gerd Kanter (68,03), Olympiasieger von 2008 aus Estland. Martin Wierig aus Magdeburg wurde mit 65,85 m Sechster.
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