Olympia 2012
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100-m-Finale: Bolt droht nur von Blake und dem Starter Gefahr

Der schnellste Mann der Welt: Usain Bolt ist ein Phänomen, aber nicht unschlagbar. Das hat sein Landsmann Yohan Blake schon geschafft.
Der schnellste Mann der Welt: Usain Bolt ist ein Phänomen, aber nicht unschlagbar. Das hat sein Landsmann Yohan Blake schon geschafft.
Foto: Getty
London –  

Knapp zehn Sekunden, in denen 80.000 Fans im Olympiastadion und Millionen am TV die Luft anhalten werden. Um 22.50 Uhr steigt am heutigen Sonntag DER Höhepunkt der Olympischen Spiele – das 100-Meter-Finale.

Top-Favorit Usain Bolt ist Samstag ins Halbfinale spaziert. Der schnellste Mann der Welt gewann seinen Vorlauf mit angezogener Handbremse und einem leichten Stolperer in 10,09 Sekunden. „Ich hatte eine gute Reaktion, aber einen schlechten Start, bin gestolpert. Ich bin froh, dass ich weiter bin“, sagte der Jamaikaner.

Schnellster war der Amerikaner Ryan Bailey in 9,88 Sekunden. Sein Landsmann und härtester Widersacher Yohan Blake brauchte 10,00 Sekunden.

Wir erklären Bolt von Kopf und Fuß und wer ihn auf dem Weg zu Gold stoppen könnten.

Der Favorit: Usain Bolt
Herausforderer Yohan Blake
Der Starter: Alan Bell
Foto: dpa

Wir erklären seine Schnelligkeit:

Sein Kopf
Aufgewachsen ist Usain Bolt im Norden Jamaikas, ein einem Örtchen Namens Sherwood Content. Das Schulsystem ist sehr sportorientiert, so wurde sein Sprint-Talent schnell entdeckt und gefördert.

Bolt (25) wurde schon mit 15 Jugendweltmeister, Anspannung beim Wettkampf kennt er nicht. Er macht vor jedem Start seine Mätzchen, zieht Grimassen für die TV-Kamera oder versteckt sich hinter seinen Händen. Legendär ist seine Siegerpose. Man spürt einfach, dass er Spaß hat. „Es geht ja auch nur um Spaß beim Wettkampf, das Training ist doch Arbeit genug“, sagt er.

Sein Herz
Als Sprinter ist sein Herz nicht auf Ausdauerleistungen getrimmt. 200 Meter ist die längste Strecke, die er im Wettkampf läuft. Er spielte auch mal mit dem Gedanken 400 Meter zu rennen oder Weitsprung zu versuchen, doch das verwarf er.

Emotional hängt Bolts Herz extrem an seiner Heimat Jamaika. Zahlreiche andere Sprinter wohnen in den USA, wo sie bessere Trainingsbedingungen vorfinden. Doch Usain läuft nach wie vor am liebsten auf den heimischen Grasbahnen. Seine Eltern Jennifer und Wellesley sind bei jedem großen Wettkampf live dabei – die Familie gibt ihm Sicherheit. Bolt hat sich im Mai von seiner Freundin Lubica Kucerova getrennt, ob er derzeit verliebt ist, ist nicht bekannt.

Sein Bauch-Gefühl
Bolt schrieb zuletzt einen Gastbeitrag für die Frauenzeitschrift „Für Sie“, dort verriet er:

„Als ich klein war, bin ich nach der Schule immer erst zu meiner Tante Lilly gegangen. Bei ihr gab es oft Schweinefleisch, und mein Lieblingsessen war (und ist es noch heute) Jerk Pork mit Yamswurzel. Fleisch konnte ich übrigens nur bei Tante Lilly essen, meine Mutter kocht aus Überzeugung immer nur Gemüse. Vor jedem Wettkampf gibt mir dieses Essen die Power, um zu siegen. Wenn es irgendwie möglich ist, kommt meine Tante Lilly mit zu den Wettkämpfen in aller Welt. Und kann sie einmal nicht dabei sein, lasse ich mich nach ihren jamaikanischen Rezepten bekochen. Bei den Olympischen Spielen in London wird die Konkurrenz groß sein – besonders die über 100 Meter. Zurzeit bin ich der schnellste Mann der Welt – und will es noch lange bleiben. Um Gold zu gewinnen, setze ich auch diesmal auf Tante Lillys Kochkunst.“

Seine Beine und Füße
Mit 1,96 Metern und 86 Kilogramm (Schuhgröße 47) zählt Bolt zu den längsten und schwersten Sprintern in der Weltspitze. Aufgrund seiner durchschnittlichen Schrittlänge von 2,43 Metern macht er über die 100 Meter nur 41 Schritte. Als schnellster Mann der Welt stellte er so 2009 bei der WM in Berlin mit 9,58 Sekunden den Weltrekord auf.

Wer mit dem Rad mithalten will, muss schon ordentlich in die Pedale treten, denn Bolt erreichte eine Höchstgeschwindigkeit von 44,72 km/h. Ob er das noch mal laufen kann, ist ungewiss. Die deutsche 400-Meter-Hürden Legende Harald Schmid: „Als Sportler hat man den genialen Moment, wo alles passt, das Wetter stimmt, der Wind, die Stimmung und die Form - diesen Moment hat man nur oft nur einmal im Leben. Ob Usain einen weiteren Weltrekord aufstellen kann, ist also fraglich.“

Yohan Blake ist der große Herausforderer von Usain Bolt. Der 22-Jährige hat den Dominator  in diesem Jahr bei den jamaikanischen Ausscheidungsläufen besiegt.
Foto: dapd

Noch ist das Biest ganz zahm. Aber Sonntagabend wird Yohan Blake das wilde Tier aus seinem Körper lassen und explodieren. Der 22-Jährige ist im spektakulärsten Ereignis der Spiele der große Herausforderer von Usain Bolt.

Bei den jamaikanischen Ausscheidungsrennen brachte Blake dem Sprint-Dominator eine Niederlage bei, ist in dieser Saison noch unbesiegt und kein Sprinter war 2012 schneller (9,75 Sekunden) als er. Sein Geheimnis: „Ich esse jeden Tag 16 Bananen. Mein Körper verliert sehr viel Kalium. Das muss ich ausgleichen. Es funktioniert. Ich habe einfach mehr Energie.“ Seine Power holte sich Blake nicht immer nur aus Südfrüchten. Vor drei Jahren wurde er positiv auf ein Stimulanzmittel getestet und für drei Monate aus dem Verkehr gezogen. Ein Energydrink soll damals schuld gewesen sein. Ein Jahr später schrieb Blake Geschichte, als er mit 19 Jahren und 197 Tagen als jüngster Sprinter unter zehn Sekunden blieb.

2011 bei der WM in Daegu sicherte er sich nach Bolts Fehlstart-Debakel den Titel. Damals galt Blake nur als Verlegenheitssieger. In London will der Cricket-Liebhaber beweisen, dass er Bolt in nichts nachsteht. „Ich esse, schlafe und denke nur an das Finale. Ich höre nie auf zu arbeiten, selbst an Weihnachten nicht.“ Heute Abend soll sich die Schinderei nach dem Olympiatriumph endgültig gelohnt haben…

der Starter: Alan Bell.
Foto: Getty

Der Mann schießt scharf. Er ist der Einzige, dem es erlaubt ist, im Olympic Park eine Waffe zu tragen, ohne Polizist oder Soldat zu sein: Alan Bell, der Mann an der Startpistole. Der 63-Jährige kennt seine Sprintstars ganz genau, besonders Usain Bolt.

Die letzte Begegnung der beiden ging für den Jamaikaner nach hinten los. Bei der WM 2011 in Daegu war Sekundenbruchteile vor dem Startschuss aus seinem Block geschossen – wurde disqualifiziert und von Bell von der Bahn geschickt. „Er hat es mir nicht übel genommen“, erzählt Bell. „Als wir uns danach wieder begegnet sind, hat er gelächelt und war sehr freundlich.“

Dennoch: Mit Bell ist nicht zu spaßen.

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