Halle - Schul-Amokläufer, U-Bahn-Schläger, Stadtteil-Gangster. Jetzt erschlug ein 16-Jähriger grundlos einen Mann. Jung und voller Hass. Im Bauch nur Wut, im Kopf nur Gewalt, im Herzen keine Gnade.
Jungen oder Mädchen werden zu brutalen Straftätern. Oft ohne jedes Motiv. Die Gründe dafür sind vielfältig.Hausmeister Uwe M. (48) hatte keine Chance.
Ohne Vorwarnung hämmerte Schüler Alexander S. dem Mann vor einem Supermarkt in Halle/Saale die Faust ins Gesicht, trat dem am Boden liegenden wuchtig gegen den Kopf, bis der Schädel brach.
Augenzeuge Eckhart Theophil: „Das Opfer rief nur: »Warum ich? Was habe ich dir getan?«.“
Ja, warum musste M. sterben? Täter und Opfer hatten einander noch nie gesehen. M. starb, weil der Jugendliche Täter, ein begeisterter Fußballspieler, „Frust geschoben“ hatte, wie er im Polizeiverhör angab. Er hatte sich vor der Tat mit Nachbarn gestritten. Und die Wut, die reagierte er ab, indem er einen Menschen totschlug.
Die meisten Jugendlichen sind friedlich, die Jugendkriminalität ging im letzten Jahr um 0,3 Prozent zurück. Doch Raub, Körperverletzung und Tötungsdelikte unter Jugendlichen und mit Jugendlichen als Tätern steigen rasant (plus 6,3 Prozent).
Und die jungen Schläger werden immer brutaler. „Die Hemmschwelle jugendlicher Gewalttäter sinkt immer weiter“, so der Wiesbadener Kriminologe Prof. Rudolf Egg, „da reicht der Streit um eine läppische Jacke, um jemanden krankenhausreif zu schlagen.“
Aber woher kommt diese Brutalität? Die Gründe sind vielfältig.Soziale Verrohung. Prof. Egg: „Sie kommt aus dem persönlichen Umfeld der Täter. In vielen Familien gehört Faustrecht zur Männlichkeit. Gewalt ist von Kindesbeinen an der Tagesordnung, wird nicht als ungerecht oder verboten empfunden.“ Wer so aufwächst, wendet selbst Gewalt an.
Medien. „Computerspiele und brutale Filme sind immer leichter zugänglich“, so Dr. Christian Lüdke, Traumapsychologe aus Lünen, „mancher Heranwachsende eifert dem fiktionalen Vorbild nach.“
Alkohol. Spielt laut Kriminalstatistik in etwa 60 Prozent der Gewaltdelikte eine Rolle. In weiten Teilen der Jugend gehört das enthemmende Trinken zum jugendlichen Lifestyle. Alkoholmissbrauch ist in diesem Alter ein Phänomen in allen sozialen Schichten.
Perspektivlosigkeit. „Schulische Misserfolge, Zukunftsangst und mangelnde berufliche Aussichten machen viele Jugendliche zu gleichgültigen Menschen, die in der Gewalt den Kick suchen und sich vor Strafe nicht fürchten“, so Dr. Lüdke. Prügeln wird als Rebellion gegen bürgerliche Sitten empfunden.
Rabiate Mädchen. Die Jugendgewalt steigt auch deshalb, weil immer mehr Mädchen mitprügeln. Ihre Zahl stieg in den letzten 10 Jahren um 62 Prozent. Prof. Egg: „Auch junge Frauen fühlen heute die Perspektivlosigkeit stärker als früher, können ihre Millieus schlechter verlassen.“
Jugendliche Brutalos - die Politik hat längst reagiert, z.B. mit „Anti-Gewalt-Trainings“ (AGW) an besonders betroffenen Schulen. Doch bislang ohne großen Erfolg.
Die Jugendgewalt steigt weiter an, vor allem bei Mehrfachtätern. Prof. Egg: „Solange Gewalt in manchen Kreisen zum Alltag gehört, solange wird es jugendliche Gewalttäter geben.“
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