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Express.de | So funktioniert's: Wolkenimpfen: Geheimwaffe gegen Mistwetter
04. May 2012
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So funktioniert's: Wolkenimpfen: Geheimwaffe gegen Mistwetter

Mittels Kleinflugzeug werden die Wolken geimpft.

Mittels Kleinflugzeug werden die Wolken geimpft.

Hochstadt -

Dauerregen, fieser Hagel - wünschen sie sich da nicht auch manchmal eine Geheimwaffe gegen so ein Mistwetter. Eine, die den Himmel wieder blau zaubert? In Rheinland-Pfalz haben einige Auserwählte eine solche „Wettermaschine“.

Dunkle Wolken treiben Winzer Reinhold Hörner (50) nicht länger Sorgenfalten auf die Stirn. Hagel heißt sein Feind, doch sein Verein zur Hagelabwehr Vorder- und Südpfalz geht mit scharfem Geschütz gegen ihn vor: mit einer Wolkenimpfung.

Bis zu 50 Mio. Euro Schaden hat Hagel 2010 in der Pfalz bei den Weinbauern angerichtet. „5.000 Hektar wurden vernichtet“, erinnert sich Hörner. Das soll nie wieder passieren. Dank der Super-Impfung mittels Kleinflugzeug.

Wie funktioniert die Wettermaschine? „Spezialaggregate am Flieger versprühen in einer Hagelwolke Silberjodid“, erklärt Reinhold Hörner. Der Wirkstoff sorgt dafür, das sich sogenannte Kondensationskeime bilden. Die ziehen die Feuchtigkeit an wie ein Magnet: Die Wolke muss sich abregnen, noch bevor große Hagelkörner entstehen können.

In Baden-Württemberg wird so schon seit einigen Jahren der Hagel in Schach gehalten. „Mit dieser Methode können wir bestimmen, wie stark der Schauer ist“, sagt Reinhold Hörner stolz. Der Weinschutzflieger ist ein Pilotprojekt, erst einmal begrenzt auf zwei Jahre.

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30 Einsätze mit Silberjodid, das pro Liter 50 Euro kostet, sind pro Jahr kalkuliert. Insgesamt 160.000 Euro soll das Wolkenimpfen in den zwei Jahren kosten. Das ist noch günstig, normalerweise wäre das Doppelte fällig.

„Aber wir mussten die Maschine nicht kaufen, das hat die Wolkenimpfung für uns erschwinglich gemacht“, sagt Hörner. Er konnte 400 Mitstreiter mobilisieren - Winzer, Landwirte, Maschinenhersteller, sogar einen großen Automobilhersteller, der in Stuttgart bereits so seine Neuwagen-Parkplätze vor großen Hagelstürmen schützt.

Nächste Woche sind erste Probeflüge geplant. Ist der Flieger danach immer in Hagelbereitschaft? „Nein, wir bekommen unsere Daten vom Wetterradar in Karlsruhe. Die können 150 bis 180 Kilometer weit in die Wetterzukunft schauen, sehen sofort, ob etwas im Anmarsch ist. Bei Bedarf steigt dann der Flieger in die Luft.“

Vermieten will man die Wettermaschine nicht - dabei gäbe es bestimmt lukrative Geschäftsfelder, z. B. Großveranstaltungen, Hochzeiten etc. „Aber wir wollen ja nicht Wettergott spielen“, sagt Reinhold Hörner. Wir machen den Regen nicht weg, wir verhindern nur schlimme Ausmaße. “

Auch Meteorologe Dominik Jung von wetter.net winkt ab: „Es ist gut, dass die Impfung so teuer ist. Wenn wir alle Wetter auf Wunsch machen könnten, gäbe es doch ein totales Chaos.“