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Express.de | Türkei-Terror: Acht Deutsche getötet, Seelsorger reisen nach Istanbul
12. January 2016
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Türkei-Terror: Acht Deutsche getötet, Seelsorger reisen nach Istanbul

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Mindestens zehn Menschen sind gestorben. Darunter neun Deutsche.

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dpa

In dem bei Touristen beliebten Altstadtviertel Sultanahmet in der türkischen Millionenmetropole Istanbul ist es zu einer Explosion mit vielen Toten gekommen.

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Türkische Ermittler auf Spurensuche am Tatort

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dpa

Acht der zehn Toten seien nach einem Bericht der staatlichen türkischen Nachrichtenagentur Anadolu Deutsche.

Das bestätigte Außenminister Frank-Walter Steinmeier (SPD) am Abend. 

Unter den Todesopfern sind nach ersten Erkenntnissen drei Rheinland-Pfälzer.

Es handele sich um zwei Männer und eine Frau, teilten Ministerpräsidentin Malu Dreyer und Innenminister Roger Lewentz (beide SPD) am Dienstagabend in Mainz mit.

Den bisher vorliegenden Informationen zufolge sei eine weitere Frau aus Rheinland-Pfalz bei dem Angriff verletzt worden. 

„Ein großer Teil ist ausländischer Herkunft“, hatte Vize-Ministerpräsident Numan Kurtulmus zuvor bei einem Pressestatement in Ankara gesagt. Insgesamt gibt es 15 Verletzte.

Peruanisches Außenministerium rudert zurück 

Dagegen relativierte das peruanische Außenministerium seine früheren Angaben , wonach eines der Opfer des Terroranschlags von Istanbul aus Peru stammt.

Dafür gebe es bislang keine Bestätigung, teilte das Ministerium am Dienstagnachmittag (Ortszeit) in Lima mit.

Außenministerin Ana María Sánchez hatte zuvor auf einer Pressekonferenz erklärt, unter den zehn Toten sei auch ein Peruaner, der anscheinend als Tourist in die Türkei gereist sei. 

Der Selbstmordattentäter habe sich gezielt in der Nähe der Touristengruppe in die Luft gesprengt, schreibt die türkische Zeitung „Sabah“.

In Sultanahmet liegen unter anderem die weltberühmte Hagia Sophia und die Blaue Moschee, die zu den beliebtesten Touristenattraktionen der Türkei gehören.

Selbstmordattentäter gehörte dem IS an

Der Anschlag wurde nach Angaben von Staatspräsident Recep Tayyip Erdogan von einem syrischen Selbstmordattentäter verübt.

Das sagte Erdogan am Dienstag in Ankara bei einer im Fernsehen übertragenen Ansprache. 

Der türkische Ministerpräsident Ahmet Davutoglu teilte unterdessen mit, dass der Selbstmordattentäter der Terrormiliz Islamischer Staat (IS) angehört habe.

Merkel: Deutsche Opfer in Istanbul wahrscheinlich

Merkel hatte zuvor gesagt, dass es bei dem Anschlag wahrscheinlich auch deutsche Opfer gegeben habe. „Wir sind in großer Sorge, dass auch deutsche Staatsbürger unter den Opfern und Verletzten sein könnten und wahrscheinlich sein werden“, sagte Merkel nach einem Gespräch mit Algeriens Premierminister Abdelmalek Sellal in Berlin. Die Betroffenen seien Mitglieder einer deutschen Reisegruppe.

Regierung verhängt Nachrichtensperre

Die türkische Regierung hat eine Nachrichtensperre verhängt. Zur Begründung teilte die Medienaufsicht RTÜK am Dienstag mit, ein solcher Schritt sei laut Gesetz möglich, wenn er der „nationalen Sicherheit“ diene.

Türkische Regierungspartei AKP

„Wir verurteilen den gemeinen Anschlag in Sultanahmet“, sagte AKP-Sprecher Ömer Celik am Dienstag.

„Wir sprechen denen, die ihr Leben verloren haben, unser Beileid aus. Den Verletzten wünschen wir schnelle Genesung.“

Mehrere Reiseveranstalter geben in Sachen Opfer Entwarnung

Urlauber von Deutschlands größtem Reiseveranstalter Tui sind nicht von dem Anschlag in Istanbul betroffen.

Derzeit seien nur zehn Gäste in Istanbul, sagte eine Sprecherin. Diese seien aber nicht zusammen als Reisegruppe unterwegs und wohlauf.

Auch der Reiseveranstalter Alltours ist nach Angaben seines Sprechers nicht betroffen.

Das Unternehmen habe bereits seit Wochen Ausflüge nach Istanbul aus Sicherheitsgründen aus dem Programm gestrichen.

Auch bei den Reiseveranstaltern Thomas Cook, DER Touristik und Studiosus geht man nicht davon aus, das Kunden unter den Opfern seien.

Seelsorger für Reisegruppe

Man stehe im engen Kontakt zu den Behörden und den Kollegen vor Ort, berichtete der deutsch-britische Anbieter Thomas Cook (Bucher, Öger, Neckermann und andere Marken) am Dienstag in Oberursel. Es befänden sich derzeit weniger als 100 Thomas-Cook-Gäste in Istanbul.

DER Touristik hat nach eigenen Angaben ihre mehr als 100 Gäste in der türkischen Metropole kontaktiert und erreicht. Sie seien alle unverletzt, berichtete das Unternehmen in Frankfurt. 

Noch weiter geht Lebenslust-Touristik-Geschäftsführer Marco Scherer, der in der ARD sein Beileid aussprach und erklärte: „Zwei unserer Geschäftsführer haben sich sofort auf den Weg gemacht zusammen mit drei Seelsorgern, um sich um die Reisegruppe zu kümmern.“

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Wie sich Urlauber in der Türkei jetzt verhalten sollten

Türkei-Urlauber sollten sich grundsätzlich von Demonstrationen und Menschenansammlungen insbesondere in größeren Städten fernhalten.

In den Städten halten sich Reisende an belebten Plätzen und in öffentlichen Verkehrsmitteln möglichst so kurz wie möglich auf. Diese Empfehlungen gab das Auswärtige Amt unabhängig vom jüngsten Anschlag in Istanbul mit mehreren Toten.

In einem aktualisierten Reisehinweis für das Land wird jetzt Reisenden in Istanbul dringend geraten, Menschenansammlungen auf öffentlichen Plätzen und vor touristischen Attraktionen zu meiden und sich über die Reisehinweise und Medien informiert zu halten.

Bei Reisen nach Istanbul und über Land rät die Behörde generell zu erhöhter Vorsicht. Von Reisen ins Grenzgebiet zu Syrien und Irak wird seit einiger Zeit dringend abgeraten.

Die Terrormiliz Islamischer Staat (IS) hat 2015 mehrere Anschläge in der Türkei verübt, allerdings bislang nicht gegen Touristen. In der Türkei kommt es außerdem zu verstärkten Zusammenstößen zwischen den türkischen Sicherheitsbehörden und der verbotenen Kurdischen Arbeiterpartei PKK.

„Landesweit ist weiter mit politischen Spannungen sowie gewaltsamen Auseinandersetzungen und terroristischen Anschlägen zu rechnen“, schreibt das Auswärtige Amt.

(cb/dpa)

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