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Sicherheits-Angst: Immer mehr Deutsche bewaffnen sich

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Die zunehmende Angst um die persönliche Sicherheit steigt rapide in Deutschland. Pfefferspray ist für den durchschnittlichen Deutschen nicht mehr genug.

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Das Leben in Deutschland scheint unsicherer zu werden –  das ist eine subjektive Wahrnehmung, die viele Bürger bedrückt. Die weit verbreitete Angst, Opfer einer Straftat – oder gar eines Terroranschlags – zu werden, lässt in den Waffengeschäften die Kassen klingeln. „Die Umsätze haben sich  vergangenen Jahr verdoppelt“, sagt Ingo Meinhard (40), Geschäftsführer des Verbands deutscher Büchsenmacher und Waffenhändler, dem EXPRESS.  Das habe eine stichprobenartige Telefonumfrage bei den 1100 Mitgliedern ergeben.   

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Ab 14 Jahren darf Pfefferspray gekauft werden.

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IMAGO

In den Fachgeschäften sind Schreckschusspistolen und Gasrevolver ab 150 Euro erhältlich.   Wer solch eine Waffe führen will, benötigt  einen kleinen Waffenschein.  „Die Zahl der Anträge für den kleinen Waffenschein ist in den vergangenen Jahren  angestiegen“, sagte ein Sprecher des NRW-Innenministeriums auf Anfrage. 

In Köln gab es vor zehn Jahren 2710 kleine Waffenscheine, heute sind es bereits 4787. Auch in Düsseldorf belegt die Statistik den Trend. 2007 habe es 1131 kleinen Waffenscheine, 2014 stiegt die Zahl auf 1445. In Bonn ist ebenfalls ein Zuwachs zu verzeichnen. Polizeisprecher Frank Piontek: „Anhand der Zahlen lässt sich eine  Steigerung von jährlich ca. 100 Erlaubnissen ableiten.“ 2015  gab es insgesamt  2242 kleine Waffenscheine.

Experten halten  indessen wenig von der abschreckenden Wirkung von Gas- und Schreckschusspistolen.  Diese seien nicht nur unhandlich und schwer, sondern könnten auch schnell zur einer Eskalation beitragen.

„Möglicherweise hält ein Straftäter sie für eine scharfe Waffe und  schießt seinerseits scharf“, warnt Ingo Meinhard. Er rät: „Schreckschusspistolen sollten nur an Silvester verwendet werden, um Feuerwerk  abzuschießen.“

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Für Gas- und Schreckschusspistolen ist der „kleine Waffenschein“ erforderlich.

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Viele Frauen vertrauen auf Reizgas als Mittel zur Selbstverteidigung.  Vielerort  sind die Mittel, die sich leicht in jeder Handtasche  verstauen lassen, in diesem Winter ausverkauft.  Anika M. (22), Schülerin aus Köln: „Ich werde oft auf der Straße oder auf Partys angesprochen. Man weiß ja nie, wer tatsächlich vor einem steht. Da ist so ein Spray in der Tasche gut. Wenn ich nachts allein in der Bahn fahre, fühle ich mich damit sicherer.“

Der Trend zur privaten Aufrüstung löst in der Politik Besorgnis aus. Verena Schäffer (29), Innenexpertin der Grünen im Landtag, sagte dem EXPRESS: „Frei verkäufliche Waffen stellen ein Risiko für die öffentliche Sicherheit dar. Insofern erhöhen mehr Waffen im Umlauf auch die Gefahr für jeden Einzelnen, durch sie verletzt zu werden.“
Die aktuelle Flüchtlingssituation als Erklärung für ein subjektiv gesteigertes Sicherheitsempfinden heranzuziehen sei perfide. Schäffer: „Die Kriminalstatistik zeigt, dass Geflüchtete nicht häufiger Straftaten begehen als die übrige Bevölkerung.“

Die Regeln für den Waffen-Besitz

Unter diesen Voraussetzungen darf man in Deutschland  Waffen besitzen:

  • Der kleine Waffenschein: Er erlaubt nur   Schreckschusswaffen. Das sind  Nachbildungen von echten Pistolen und Revolvern, die Gas und  Signalmunition verschießen. Voraussetzungen für einen kleinen Waffenschein sind:  keine Vorstrafen, Mindestalter 18 Jahre, keine Drogen- und Alkoholabhängigkeit, sachgerechte Aufbewahrung der Waffen  sowie körperliche und geistige Eignung. Ausgestellt wird das Dokument von der Polizei oder  vom Ordnungsamt. Eine Gebühr von 55 Euro wird fällig.
  • Der große Waffenschein: Damit darf man beispielsweise Pistolen besitzen. Die Erlaubnis wird höchstens drei Jahre lang erteilt. Anschließend gibt es   immer wieder Verlängerungen. Dafür muss man eine Zuverlässigkeitsprüfung absolvieren. Personenschützer und Bewacher von Geldtransporten  erhalten auch einen Waffenschein.
  • Jäger und Sportschützen: Erstere dürfen ihre Waffen nur  zur Jagd im Revier benutzen und müssen einen gültigen Jahres- oder Tagesjagdschein besitzen. Sportschützen benötigen  eine Waffenbesitzkarte für ihr Sportgewehr.



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