Aktuelle Nachrichten aus Köln, der Welt sowie Neues vom Sport und der Welt der Promis.
Express.de | Nach Kritik an Lafontaine: Herr Hoeneß, ist das eine Sozialwohnung?
26. September 2012
http://www.express.de/4050552
©

Nach Kritik an Lafontaine: Herr Hoeneß, ist das eine Sozialwohnung?

Uli Hoeneß

Uli Hoeneß

Foto:

dpa

München/Nürnberg -

Der Mann macht keine Kompromisse. Uli Hoeneß ist der deutsche Hansdampf schlechthin. Super-Stürmer, Bayern-Boss, Unternehmer – und Lautsprecher. Er legt sich mit allen an.

Neuerdings auch in der Politik. Dabei gerät der füllige Wurstfabrikant allerdings schon mal schwer aus der Spur.

Als Talk-Gast bei Günther Jauch posaunte der Poltergeist aus München zum Thema „Wer kann heute noch in Wohlstand leben?“ konservative Parolen am Fließband heraus. Linken-Chefin Katja Kipping kanzelte Hoeneß als „Theoretikerin“ ab.

Oskar Lafontaine bekam gleich mit sein Fett weg: „Gegen sein Schloss ist mein Haus am Tegernsee sozialer Wohnungsbau“, giftete er in Richtung der Linken-Ikone. Und überhaupt: Im internationalen Vergleich gehe es „Deutschland extrem gut. Wir leben wie im Paradies.“

Er selbst allemal. Denn sein „Sozialbau“ steht in einer der exklusivsten Wohngegenden Deutschlands. Im Reichen-Eldorado Bad Wiessee am Tegernsee – wo der Wohnquadratmeter bis zu 11000 Euro kostet – hat sich Hoeneß eine Villa hingestellt, die das genaue Gegenteil von armselig ist.

Sein Nachbar: Bayern-Kapitän Philipp Lahm. Dessen „Hütte“ soll nach Insider-Infos 5,2 Millionen Euro gekostet haben. Kaum vorstellbar, dass sich Lahms oberster Boss mit weniger zufrieden gibt. Weitere Prominenz am Ort: Metro-Gründer Otto Beisheim, Verleger Hubert Burda, berühmte Künstler, Millionäre und Milliardäre en masse.

Wenig paradiesisch geht’s dagegen den 300 Beschäftigten in der Hoeneß-Wurstfabrik „HoWe“ in Nürnberg. Der 60-Jährige ist Mitbegründer und Gesellschafter, die Geschäfte führt sein Sohn Florian. Gewerkschaften prangern die Arbeitsbedingungen an.

Mit Niedriglöhnen von 1.380 Euro brutto würden Mitarbeiter abgespeist. Dazu Florian Hoeneß: „Mit dieser Größenordnung für Ungelernte mit Sprachschwierigkeiten habe ich kein Problem.“ Weiterer Vorwurf: Einen Betriebsrat gibt’s nicht. Regina Schleser von der Gewerkschaft NGG: „Die Beschäftigten trauen sich aus Angst vor Repressalien nicht, einen zu wählen.“

Stephan Doll vom DGB: „Die Zustände bei HoWe sind beschämend. Das ist wirklich ein Skandal.“ So sollen Schichten – trotz Nässe und Kälte in den Produktionsräumen – schon mal zehn Stunden dauern, die Firma setzt vermehrt auf Leiharbeit. Nicht gerade der Himmel auf Erden.