Düsseldorf - Das Grauen im Altenheim. Bilder, die man nicht vergisst. Aufgenommen in Düsseldorf auf einer Station für Schwerstkranke.
Da wird ein alter Mann (91), der hilflos im Rollstuhl sitzt, auf dem Gang rüde hin- und hergeschubst. Ein Pfleger stochert einer schreienden Frau mit dem Finger in einem offenen Gesichtstumor herum.
Eine weinende 81-jährige schluchzt: „Der Chef hat mich geschlagen.“ Und im Hintergrund lachen sich die Pfleger über das Elend kaputt.
Diese geschmacklosen Filme haben die Pflegekräfte selbst gedreht. „Weil wir das witzig fanden“, gab Pflegehelferin Julia G. (27) am Montag vor Gericht zu.
Dort muss sie sich gemeinsam mit ihrem Ex-Vorgesetzten, dem stellvertretenden Leiter der Station, Kurt F. (48) wegen Misshandlung Schutzbefohlener verantworten.
Aber es ging nicht nur um die Handy-Filme. Laut Anklage soll ein 78-jähriger halbseitig-gelähmter Bewohner des Heim regelmäßig mit einem Bademantelgürtel ans Bett gefesselt worden sein.
Eine Frau (95), die sich gegen die Fixierung wehrte, soll samt Matratze gegen die Wand gedrückt worden sein. Von grobem Umgang mit den Patienten und blauen Flecken war die Rede.
Julia G. streitet das ab. In einem Fall sei ein Koma-Patient abgerutscht. Man habe ihn nur schnell zurück ins Bett gelegt. Von Werfen könne keine Rede sein. „Blaue Flecken habe ich danach nicht gesehen“, so die Pflegehelferin.
Und die Filme? „Wenn man den ganzen Tag hören muss, wie sich die Bewohner gegenseitig beleidigen und anschreien. Dann muss man das mit Humor nehmen.“
Die Belastung sei enorm gewesen. Zu wenig Personal. „Wenn man mit vier Leuten 36 Bewohner waschen, füttern und ständig umlagern muss, da bleibt Arbeit liegen“, so Julia G. „Und die Heimleitung hat nur gemeint, wir müssen uns mit dieser Situation arrangieren.“
Ein Kollege aus der Schicht hatte die Vorgänge gemeldet. So kam das Ganze raus. Der stellvertretende Leiter der Station hüllte sich am Montag in Schweigen. Die Altenheimleitung hat die Angeklagten inzwischen gefeuert. Der Prozess wird Ende des Monats fortgesetzt.
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