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Express.de | Manager für gute Laune : So arbeitet ein Dr. Feelgood
08. December 2014
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Manager für gute Laune : So arbeitet ein Dr. Feelgood

Hat seinen Traumjob gefunden: Bastian Risse ist „Feel Good“-Manager.

Hat seinen Traumjob gefunden: Bastian Risse ist „Feel Good“-Manager.

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Udo Gottschalk

Wie schafft man es, gute Mitarbeiter zu halten und ein Betriebsklima herzustellen, das jeden motiviert, auch mal ein Stündchen länger zu arbeiten? Firmen setzten dafür neuerdings Profis ein: Feel-Good-Manager. Vor einem Jahr gab es gerade mal eine Handvoll „Gute-Laune-Arbeiter“, doch der Berufszweig wächst.

Wenn Bastian Risse (34) morgens zur Arbeit erscheint, hat er nur ein Ziel: Für gute Laune sorgen. Das ist sein Job. Der sportliche Blondschopf ist Feel-Good-Manager bei der Uniq Gmbh in Holzwickede.

Seit knapp zwei Monaten arbeitet Basti jetzt bei dem erfolgreichen Start-up-Unternehmen, dass erst kürzlich als Newcomer des Jahres 2014 ausgezeichnet wurde. Das Unternehmen hat in seinem Portfolio Blogs, die auf Schnäppchen im Internet aufmerksam machen.

Damit die mittlerweile 90 Mitarbeiter am Standort in Holzwickede auch weiterhin Spaß bei ihrer Arbeit haben, stellten die Uniq-Gründer Daniel Krahn (32) und Daniel Marx (28) den ehemaligen Kite-Surf-Lehrer als Feel-Good-Manager ein. Inspiration holten sich die Uniq-Chefs im Silicon Valley, dem weltberühmten Start-up-Standort, wo Weltkonzerne wie Facebook oder Google sitzen.

„Hier wurde uns klar, wie hoch der Wert der „Ware“ Mitarbeiter ist. Wir wollen die familiäre Atmosphäre in unserem Unternehmen beibehalten. Darum kümmert sich Basti. Und er ist eingeschlagen wie eine Bombe“, erklärt Krahn.

Wie fiel die Wahl ausgerechnet auf Basti? Schließlich hatten sich über 200 Bewerber gemeldet? Krahn: „Wir wollten jemand mit viel Lebenserfahrung. Die hat Basti.“

Wohl wahr! Praktika bei Viva und einem Metal-Label, abgebrochenes Landschaftsarchitektur-Studium, Ausbildung zum Einzelhandelskaufmann, BWL-Studium, vier Jahre lang Kite-Surf-Lehrer auf Bali – Basti weiß, wie Menschen ticken. Er ist der Mann für alle Fälle. Vertrauensperson und Psychologe, Eventmanager, Kumpel und Kollege. Wo Feel-Good draufsteht, soll auch Feel-Good drin sein.

Und so hält Basti die Mitarbeiter bei Laune: „Ich sorge dafür, dass immer frisches Obst da ist, organisiere Events für das ganze Team. Zuletzt zum Beispiel das Oktoberfest. Wer eine Pause von der Bildschirmarbeit braucht, kann mit mir eine Runde kickern, oder wir werfen ein paar Körbe auf unserer Basketballmaschine.“

Mitarbeiterin Denia Wagner (28): „Er hat immer ein offenes Ohr, ist für uns da, wenn wir was brauchen. Basti erleichtert uns den Arbeits-Alltag ungemein.“ Für wissbegierige Mitarbeiter gibt es Workshops oder Sprachunterricht. „Ich helfe auch, wenn eine Wohnung gesucht wird. Und natürlich unterstütze ich neue Mitarbeiter bei der Einarbeitung.“

Und das nächste große Event steht schon auf dem Plan. Mitarbeiter Till Schiffer (25): „Bald ist Weihnachtsball. Wie wir Basti kennen, wird das ein riesen Event.“

Ein Job mit Zukunft?

Viele erfolgreiche Start up- Unternehmen leisten sich einen Feel-Good-Manager, um Mitarbeiter zu halten. Etwa Internet-Riese Google, aber auch Homepage-Spezialisten wie Jimdo, Digitalagenturen wie Aiko oder Spielesoftwareunternehmen wie Wooga.

Auch das Kölner Unternehmen www.billiger-mietwagen.de beschäftigt seit zwei Jahren eine „Feel Good“-Managerin. Getreu dem Credo des Chefs Christian Mahnke, dass zufriedene Mitarbeiter die beste Leistung bringen, schenkt die im Personal Management geschulte BWLerin Lena den 170 Beschäftigten ein offenes Ohr.

„Bei uns arbeiten viele Software-Entwickler. Denen kommt es oft nicht darauf an, dass große Geld zu verdienen, sondern sich wohlzufühlen am Arbeitsplatz", erklärt Sprecher Frieder Bechtel (36).

Und wie viel kann man als „Gute-Laune-Verbreiter“ verdienen? Darüber schweigen sich Firmen aus. Johannes Greiner (31, Foto) hat sich mit seiner gleichnamigen Akademie auf die Weiterbildung zu „Feel Good-Managern“ spezialisiert. Er rät seinen Klienten – viele aus dem Personal- ,Coach - oder Sozialbereich – um die 50 000 Euro im Jahr zu verlangen.

So viel? Greiner: „Das rechnet sich für Unternehmen. Überlegen Sie mal, wie viel es kostet, wenn eine gute Fachkraft den Betrieb verlässt.“

Auch die IHK Köln weiß, das Fachkräftesicherung in den Betrieben ein großes Thema ist. „Doch Feel Good-Manager werden auch langfristig sicherlich die Ausnahme bleiben“, so Gregor Berghausen, IHK-Geschäftsführer für Aus- und Weiterbildung.