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Heftige Kritik im Netz: Streit um „Beschneidungsfest“ im KiKa

Eine Szene aus der Doku: Tahsin ist stolz, als er sein Beschneidungsfest feiern kann.

Eine Szene aus der Doku: Tahsin ist stolz, als er sein Beschneidungsfest feiern kann.

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KiKA

Köln -

Die Sendung heißt „Schau in meine Welt“ und will eigentlich nichts böses: Die „Doku-Reihe gibt Einblicke in die unterschiedlichen Lebenswelten von Kindern“ heißt es auf der Seite des Kinderkanals – doch jetzt gibt es scharfe Kritik an dem Programm.

Grund dafür ist eine Folge, die Sonntag ausgestrahlt wird: Die Macher des Kinderfernsehens haben den elfjährigen Tahsin bei seiner Beschneidung und dem zugehörigen Fest begleitet. „Endlich ein Mann“ ist der Untertitel der Episode – und jetzt schlagen Kritiker Alarm.

Beschwerdebrief an den Kinderkanal

Der Verein „intaktiv - Eine Stimme für genitale Selbstbestimmung“ fordert im Netz: „Kein 'Beschneidungsfest' auf KiKA!“

Die Vereinsmitglieder haben sogar ein offizielles Schreiben an den öffentlich-rechtlichen Kindersender verfasst, auf ihrer Homepage schreiben sie: „intaktiv protestiert gegen diese Sendung, die Kinderrechte mit Füßen tritt, und ruft zu höflichen aber bestimmten Beschwerden an den KiKA – vor und ggf. nach der Ausstrahlung – auf.“

Der Vorwurf der Kritiker lautet: Der KiKA würde die Beschneidung verharmlosend und romantisierend zeigen, ohne auf mögliche Gefahren und die Debatte in der Gesellschaft einzugehen. „Als Sender für Kinder sollten Sie daher Beschneidung ohne medizinische Notwendigkeit genauso wenig positiv darstellen wie Sie ihren kleinen Zuschauern die Verstümmelung eines afrikanischen Mädchens, das Kupieren von Hundeschwänzen und -ohren oder die betäubungslose Kastration von Ferkeln befürwortend näherbringen würden“, schreiben die Kritiker von „intaktiv“ an den Sender.

„Einblick in andere Lebenswelt“

Und wie reagieren die KiKA-Macher auf die Vorwürfe? „Wir überlassen es unseren Zuschauer, zu bewerten, ob sie diese religiöse Überzeugung nachvollziehen oder ablehnen möchten“, sagt Programmgeschäftsführer Michael Stumpf auf Anfrage unserer Zeitung.

„Unser Anliegen ist es eindeutig, Ihnen überhaupt erst mal die Möglichkeit zu verschaffen, einen Einblick in eine andere Lebenswelt zu bekommen. Denn erst dann können sie eine eigene Haltung entwickeln.“

Die Folge „Tahsins Beschneidungsfest“ sei eine „eindrückliche, sensible Dokumentation über den 11-Jährigen, der in der Türkei lebt und dort sein Sünnet-Fest feiert“. Der Sender ergreife dabei nicht Partei „in der deutschen politischen Diskussion, aber wir liefern mit dem Blick in diese Lebenswelt Anschauung und Hintergrundwissen und damit die Basis für kulturelle Toleranz.“