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Handel mit Kinderpornos : Das schmutzigste Geschäft der Welt

Wir klären auf im Report über ein weltweites Pädophilen-Netzwerk, missbrauchte Kinder – und ein schmutziges Milliarden-Geschäft.

Wir klären auf im Report über ein weltweites Pädophilen-Netzwerk, missbrauchte Kinder – und ein schmutziges Milliarden-Geschäft.

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Getty Images/iStockphoto

Berlin -

„Kein strafbares Verhalten.“ Sebastian Edathy (44) sagt momentan wenig, kaum mehr als diese drei Worte. Seine Partei wirft ihm „moralisch unkorrektes Verhalten“ vor. Aber was genau hat der SPD-Politiker eigentlich gemacht? Der Report über ein weltweites Pädophilen-Netzwerk, missbrauchte Kinder – und ein schmutziges Milliarden-Geschäft.

„Allesamt mit Bezug zu Genitalien“

Ganze 28 Minuten dauert der Film mit der Bestellnummer 70218. Der Titel: „God or Goat“, Gott oder Ziege. Gedreht auf der Krim in der Ukraine. Zu sehen sind Roman, Cyril, Arsen und Andrew. Nackt, mal teilweise, mal komplett. Und, wie es Staatsanwalt Jörg Fröhlich (53) über Sebastian Edathys Bestellungen formulierte: „Allesamt mit Bezug zu Genitalien.“

31 Videos und Foto-Sets soll Edathy zwischen 2005 und 2010 geordert haben. Siebenmal kam die Lieferung per Post, zweimal über den IT-Server des Deutschen Bundestags.

Was ist das für eine Szene, in der sich Männer an unbekleideten Körpern von neun-, zehn- oder elfjährigen Kindern ergötzen – und das womöglich legal?

Der „Star“ hier heißt Vladik S. Für ihn soll sich laut Akten auch Sebastian Edathy interessiert haben. „Vladiks Spring Break“ heißt einer der Titel, den der SPD-Politiker demnach bestellte. 41 Minuten lang, ebenfalls auf der Krim gedreht. Laut Produktbeschreibung für den Streifen mit der Nummer 70018 ist Vladik dort mit Cyril und Arsen in der Sauna zu sehen.

Auch dieser Hinweis findet sich: „Machen Kissenschlacht und anderen Unsinn in einem Hotelzimmer.“ Und in der Spalte mit dem Titel FKK steht schlicht „ja“.

Vladik soll zehn Jahre alt gewesen sein, als er erstmals unbekleidet vor eine Kamera musste. Es folgten Dutzende Filme. Produzent war stets ein gewisser „ZZ“, der in Wahrheit Igor R. heißt, Fußballtrainer, Jugendreiseveranstalter und angeblich für den sowjetischen Geheimdienst tätig. 2012 wurde er zu fünf Jahren Haft verurteilt, u. a. wegen Herstellung von Kinderpornografie. Kurz vor seiner Festnahme im August 2011 hatte R. aber noch mal Kasse gemacht – mit „Best of“-Videos von Vladik.

War es wirklich ein Unfall – oder musste das Opfer von einst sterben?

Vladik S. starb im Oktober 2009, angeblich bei einem Autounfall. In der Szene wird jedoch viel über die Umstände spekuliert. War es wirklich ein Unfall – oder musste das Opfer von einst sterben?

Die Filmemacher sollen teilweise sechsstellige Beträge pro Jahr kassiert haben. Die missbrauchten Kinder erhielten meist ein paar Euro.

Der weltweite Vertrieb der Filme lief über die kanadische Firma „Azov Films“, die damit einen Jahresumsatz von mehr als zwei Millionen Euro erzielt haben soll, ordentlich versteuert. Das Unternehmen rühmte sich auf seiner Website damit, dass die Filme mit nackten Jungen in den meisten Ländern nicht strafbar seien.

„Strafrechtlich irrelevant“ oder „Sollte strafrechtlich nicht relevant sein“. So steht es auch in der Akte Edathy, 28-mal. Edathy beruft sich genau auf diese Aussagen von Ermittlern. „Kategorie 2“ – so die bürokratische Klassifizierung. Einen wichtigen Hinweis am Ende der Akten verschweigt Edathy allerdings.

„Es wird angeregt, ein Ermittlungsverfahren auf Grundlage des dargestellten Sachverhalts einzuleiten“, steht dort. Heißt: Wer so was anguckt, schaut meistens auch „mehr“.

Doch so sauber, wie sich „Azov“ gab, war die Firma nicht. Im Mai 2010 machte die kanadische Polizei im Zuge der „Operation Spade“ (341 Festnahmen weltweit) den Laden dicht. Inhaber Brian Way (43) wurde verhaftet. Vorwurf: Handel mit Kinderpornos.

Detaillierte Anleitungen

Auf den einschlägigen Seiten diskutierten etliche der rund 800 deutschen Azov-Kunden schon im Sommer 2011 über mögliche Folgen. Es kursierten detaillierte Anleitungen, wie „jegliches verfängliche Material“ am besten entsorgt werden kann, ehe die Polizei an der Haustür klopft. Am 21. Januar 2013 erfolgt die Warnung, dass auch in Deutschland Hausdurchsuchungen liefen. 17 Tage später erklärt Edathy den Verzicht auf sein Bundestagsmandat.

Ob Kinderpornografie Kategorie 1 oder 2 – die Unterscheidung ist problematisch. „Das sind Abbildungen des sexuellen Missbrauchs von Kindern, nichts anderes“, sagt der Berliner Sexualmediziner Klaus Michael Beier (52). Und was ist mit „Posing“-Darstellungen, wie sie Edathy laut den Ermittlern bestellt hat?

Beier: „Ich setzte mich schon seit Jahren dafür ein, solche Bilder zu verbieten, denn sie stellen eindeutig einen Missbrauch dar, eben weil die Kinder für sexuelle Interessen Erwachsener benutzt werden.“