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Eindhoven: Ergreifende Zeremonie für die Toten von Flug MH17

Der niederländische König Willem-Alexander hält die Hand von Máxima.

Der niederländische König Willem-Alexander hält die Hand von Máxima.

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dpa

Eindhoven -

Der graue Teddybär sitzt in einem Blumenmeer vor dem Hauptterminal Er hält eine Abschiedskarte mit zwei kleinen Engeln in der Hand. „I love you“, steht darauf. Eine Stewardess der niederländischen Airline KLM wischt sich die Tränen aus den Augen. Diesen Tag wird sie nie vergessen.

Es ist der Tag, an dem die Opfer der MH-17-Katastrophe zu ihren Angehörigen zurückkehren. Der sonst so beschauliche Regionalflughafen im niederländischen Eindhoven – am Mittwoch wurde zu einer Kapelle der stillen Trauer und bitteren Tränen.

„Wir sind immer noch völlig fassungslos“, sagt die Passagierin Joke Kemps (30), die auf ihren Flug nach Rom wartet.

Das niederländische Königspaar und Ministerpräsident Mark Rutte sind dabei, als die Propeller-Maschine vom Typ Hercules um 15.48 Uhr auf dem Rollfeld landet. Die Welt blickt in die versteinerten Gesichter der Trauernden.

Der sinnlose Tod der Urlauber, von denen die meisten aus den Niederlanden stammen, macht König Willem-Alexander (47) und seine Frau Maxima fassungslos. Wie konnte das geschehen? Holland trägt Trauer.

Auch Taxifahrer Hans van der Aa (54) hat eine schwarze Schleife an seinem Mercedes angebracht. Nach der Zeremonie rollt der Konvoi der Leichenwagen auf das Flugfeld.

Am Vormittag war die niederländische Militär-Maschine mit den sterblichen Überresten der Opfer in Charkow (Ukraine) abgeflogen. In schlichten Holzsärgen wurden zunächst 40 der 298 Opfer überführt. Noch ist unklar, ob alle Passagiere geborgen werden. Angeblich fehlt von 16 Leichen noch jede Spur.

Michael Tsokos (47) ist der Direktor des Instituts für Rechtsmedizin an der Charité in Berlin. Der Professor warnt die Angehörigen vor zu großen Hoffnungen.

„Das Trümmerfeld erstreckt sich über eine Fläche von mehreren Quadratkilometern“, sagt Tsokos. „Das Gebiet sei waldreich und zum Teil unbewohnt. „Da ist es schwer, alle Opfer aufzuspüren, zumal, wenn die nötige Infrastruktur nicht vorhanden ist“, erklärt der Rechtsmediziner. „Möglicherweise wird man in den nächsten Wochen noch Opfer finden, die in Baumwipfeln hängen oder die in Wassergräben und Seen gestürzt sind“, fügt er hinzu. Eine schaurige Vorstellung.

Der Rechtsmediziner blickt den Tatsachen nüchtern ins Auge. „Es nicht auszuschließen, dass manche Opfer nie zurückgebracht werden können“, sagt der Professor. Tsokos: „In der Absturzregion gibt es Füchse und Nagetiere. Man muss mit Leichenfraß und schneller Verwesung rechnen. Oft sind Körperteile kaum noch als solche zu erkennen.“

Die Identifizierung der Opfer findet jetzt in einer Kaserne in Hilversum statt. Sie soll drei bis vier Wochen dauern. „In der Regel führen DNA-Abgleiche etwa mit Haaren, die in einer Haarbürste zurückgelassen wurden, oder der Zahnstatus zu schnellen Ergebnissen“, so der Rechtsmediziner Tsokos.

Absturz-Opfer wiesen mitunter schwere Verletzungen und Brüche auf, aber sie sein nicht zwangsläufig entstellt. „Viele Opfer werden beim Auffinden noch angeschnallt auf den Sitzen gesessen haben“, vermutet der Experte.

Manche hatten wahrscheinlich noch ihre Pässe irgendwo in der Kleidung stecken. „Das kann wichtige Hinweise für die spätere Identifizierung geben. Man kann direkt einen gezielten DNA Abgleich durchführen“, sagt der Professor.

Die MH-17-Tragödie wirft bohrende Fragen auf. Hunderte Angehörige waren bei der Zeremonie dabei, wollen wissen, wer die Verantwortung trägt. Unter den Opfern war auch die Lehrerin Gaby Lauschet aus Aachen.