Empfehlen | Drucken | Kontakt19.11.2008 - 00:00 Uhr

Baby-Horror!: Frauen eingesperrt und vergewaltigt - Kinder verkauft

Von ANDREA KAHLMEIER
Als Adoptivkinder verkauft. Mindestens zehn Kinder werden täglich allein in Nigeria weltweit an adoptionswillige Paare verkauft.
Als Adoptivkinder verkauft. Mindestens zehn Kinder werden täglich allein in Nigeria weltweit an adoptionswillige Paare verkauft.
Foto: AP

„Helft mir! Helft mir doch!“ Ifeoma Eze (17) hielt die Hand schützend vor den Bauch, als sie aus dem Dennis Memorial Hospital lief, klammerte sich verzweifelt an einen Passanten.

Die Geschichte, die die schwangere Nigerianerin erzählte, klang unglaublich, aber sie ist leider nur zu wahr: „Ich wurde sechs Monate in dieser Baby-Fabrik gefangen gehalten.“

Menschenzucht in Nigeria. Mädchen zwischen 15 und 18 Jahren werden in Kliniken gelockt. Vergewaltigt. Festgehalten bis zur Entbindung.

Lebende Gebärmaschinen, die mit umgerechnet 135 Euro nach der Geburt wieder auf die Straße gesetzt werden, während skrupellose Ärzte das große Geschäft mit adoptionswilligen Eltern, Zuhältern, Sklaven- und Organhändlern machen.

Für 2.000 bis 3.000 Euro sollen die Babys weiterverkauft worden sein, meldet die nigerianische Organisation gegen Menschenhandel (NAPTIP).

In den vergangenen Monaten hob die Polizei mindestens ein Dutzend solcher Kliniken im bevölkerungsreichsten Land Afrikas auf, getarnt als Geburtskliniken, Kranken- und Waisenhäuser, ja sogar als Obdachlosenheim.

Manchmal kommt der Zufall der Polizei zu Hilfe. Vor wenigen Monaten bekam sie einen Tipp, dass eine Weiße mit einem einen Tag alten Baby in Richtung Lagos unterwegs sei, das nicht ihr gehöre.

Sie stellte die Frau in einem Bus. Sie gestand, das Kind „adoptiert“ zu haben. Und zwar in der Anyaegbunam Street in Enugu, der Klinik von Dr. Kenneth Akkune. Zugriff. Die Polizei stieß auf 22 Schwangere.

Aufmerksame Nachbarn einer Frauenklinik in Enugu brachten den nächsten Durchbruch: Sie beobachteten Schwangere, die in die Klinik gingen, aber nie wieder herauskamen. Die Polizei handelte schnell: 20 junge Frauen konnte sie befreien.

„Als wir das Krankenhaus durchsucht haben, fanden wir Mädchen, die schon bis zu drei Jahre in der Klinik verbracht haben, um Babys zu züchten“, sagt Polizeichef Desmond Agu. Einige der mittellosen Teenager, die niemals als vermisst gemeldet werden, hätten aber auch gegen Bezahlung ein Kind nach dem anderen ausgetragen.

Ärzte sorgten für männlichen Nachschub, um die Mädchen zu schwängern. So verzweifelt kann bittere Armut machen!

Eine 18-Jährige will nur anonym von ihrer wochenlangen Gefangenschaft berichten: „Sobald ich im Krankenhaus war, bekam ich eine Spritze und verlor das Bewusstsein. Als ich wieder zu mir kam, bemerkte ich, dass ich vergewaltigt worden war. Bis zur Befreiung durch die Polizei teilte sie sich mit 19 Leidensgenossinen das Zimmer.

Und noch eine perfidere Masche wandten die Teufel in Weiß an, um die Teenager in die Klinik zu locken: Sie stellten unglücklich Schwangeren eine Abtreibung in Aussicht.

Hatten sie die Frauen erst einmal im Haus, war von Schwangerschaftsabbruch keine Rede mehr, im Gegenteil: Die Mädchen mussten bis zur Entbindung bleiben, bekamen ein Schweigegeld als Abfindung, während reiche Eltern ihr Kind im Arm halten durften.

Wie viele Babys an gut zahlende Eltern abgegeben wurden oder vielleicht sogar nur als lebendes Ersatzteillager herhalten mussten, muss noch geklärt werden. In Lagos schlossen Behörden 2005 ein Waisenhaus, nachdem man im Müll Babyknochen gefunden hatte - Verdacht auf Organhandel.

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