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„Teufelsgeiger“ David Garrett: Mein Leben ist zu 99% Musik, bleibt 1% Privates

David Christian Bongartz (32, Garrett ist der Geburtsname seiner Mutter) stammt aus Aachen und bekam mit drei Jahren seine erste Geige.

David Christian Bongartz (32, Garrett ist der Geburtsname seiner Mutter) stammt aus Aachen und bekam mit drei Jahren seine erste Geige.

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Borm

Cool. Cooler. David Garrett. Der 32-Jährige aus Aachen stürmt mit seinem Kino-Konzeptalbum „Garrett vs. Paganini“ die Charts, ist mit seinem Klassik-Programm auf Welt-Tournee und plant seine nächsten Crossover-Konzerte. Am 25.10. 2014 ist er in Köln, am 28.10. in Dortmund, am 29.10. in Düsseldorf. Sein Film liegt in den Top Ten der Kino-Charts. Ein Mann im Erfolgs-Stress.

Sie haben die deutsche und die US-Staatsbürgerschaft. Fühlen Sie sich als Deutscher oder als Amerikaner?

David Garrett: Weder, noch. Ich halte diese Unterscheidungen für irrelevant. Oft liegt es nur am Schulsystem, dass Menschen anders sind und nur selten am Geburtsland. Ich habe überall tolle Menschen und überall große Idioten kennen gelernt. Zu den ersten gehören die Menschen, die ehrlich sind und frei von der Leber reden. Zu den anderen gehören die Menschen, die unglaublich nett sind, wenn sie neben dir stehen und ganz anders, wenn du ihnen den Rücken kehrst.

Einer Ihrer Lebensmittelpunkte ist New York.

Das Schöne an N.Y. ist, dass so viel um mich rum passiert, und ich selber so unwichtig bin. Ich liebe das Unwichtigsein und die Anonymität.

Unwichtigsein?

Die Bühne - das mache ich, weil das Musizieren toll ist. Was dabei im Publikum passiert, ist das Letzte, was mich dabei interessiert. Mich hat das Vor-Publikum-Stehen schon als Kind total nervlich belastet, und im Alter wird es nicht besser. Ich bin auf der Bühne zwar eine Rampensau, aber das nicht, weil ich die Rampe mag, sondern weil ich „saumäßig“ gute Musik liebe. Das Publikum erlebt dann einen ganz privaten Moment, in dem ich wiedergebe, was ich in diesem einen Moment in meinem Innersten fühle.

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Karrieren sind manchmal wie Kartenhäuser. Keine Gefahr durch Sex & Drugs & Rock’n’Roll?

Absolut keine. Damit kann man alles um einen herum zerstören, aber warum sollte ich das machen? Zerstört wird nur das, was einem egal ist. Aber mir ist das nicht egal. Abends rausgehen und bis spät in die Nacht feiern wird weniger und weniger, weil ich morgens fit sein muss und auch nicht jünger werde. Außerdem bin ich in einer Position, von der ich weiß, dass ich mich benehmen muss. Ich bin auch ein Stück weit Vorbild.

Sie gehen im Dezember auf Israel-Tournee, dann USA und im Frühjahr Deutschland. Merken Sie am Publikum, wo Sie spielen?

Man könnte mich auf die Bühne stellen, und ich wüsste nicht, wo ich bin. Die Reaktionen sind – warum auch immer – überall positiv. Es gibt allerdings in Deutschland einige Stücke, die man im Westen besser kennt als im Osten. Ich erinnere mich an „Walk this Way“ von Aerosmith, womit ich in Dresden kaum Resonanz hatte. Es war nicht die Musik, mit der man dort aufgewachsen ist. Ansonsten kann ich meine Programme, die ich in USA spiele, auch in Salzburg, Köln, Düsseldorf oder Berlin spielen.

Manchmal sieht es aus, als hätten Sie nur Ihre Musik…

Es sieht nicht nur so aus, es ist auch so. Ich bin dauernd am Üben, dauernd am Spielen. Das ist mein Leben, mein Lebensinhalt. Ich fände es auch merkwürdig, wenn es nicht so wäre, ich wüsste nichts mit mir anzufangen. Mittlerweile habe ich kein Netzwerk mehr um mich rum, das mir helfen könnte, die Zeit anders zu vertreiben. Alle meine Freunde sind im Musik-Bereich, da, wo ich auch tätig bin. Wen sollte ich anrufen, wenn ich keine Musik mehr machte? Wenn ich ein 50 : 50-Leben hätte, also 50 % Beruf, 50% privat, könnte ich zwischen beiden Welten wechseln. Bei mir ist 99% Beruf, 1 % privat.

Mit 18 sind Sie ausgebrochen, weil Ihnen alles zu viel wurde.

Ja, damals war viel Kontrolle um mich rum. Das hat mir irgendwann nicht mehr gefallen, das war der Grund, warum ich Selbstständigkeit suchte. Und auch heute gibt es die Momente, in denen ich denke: Muss das sein? Aber ich weiß inzwischen, dass das Erkanntwerden mit der Arbeit zusammenhängt und bin da inzwischen super-pflegeleicht geworden.

Ihr Film „Der Teufelsgeiger“ läuft sehr gut in den Kinos. Noch mehr Filmpläne?

Nee, nee. Ich bin kein Schauspieler. Und ohne Musik würde ich es erst recht nicht wieder machen. Musik verbindet sich in all meinen Projekten, und das war auch im „Teufelsgeiger“-Film so. Mir ging es um die Filmmusik, die ich schreiben konnte, und die sehr, sehr gut geworden ist. Und trotz der Kritiken bereue ich nichts - so was mache ich grundsätzlich nie im Leben. Ich bin vollkommen mit mir im Reinen.

Was macht Ihren Erfolg aus? Ihre Musik, Ihr Aussehen?

Bei mir ist es ganz allein das Geigenspiel! Die Qualität! Sonst nichts.

Wenn anderes keine Rolle spielt – wenn z.B. Wigald Boning so spielen könnte wie Sie, hätte er ebenso Erfolg?

Ja, klar. Aber vielleicht ist er jetzt ein bisschen zu alt, um noch Geige spielen zu lernen (lacht).

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