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Express.de | „Team Wallraff – Reporter undercover“ : So miserabel sind die Bedingungen in manchen deutschen Altersheimen!
05. May 2014
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„Team Wallraff – Reporter undercover“ : So miserabel sind die Bedingungen in manchen deutschen Altersheimen!

RTL-Undercover-Reporterin Pia Osterhaus (l.) war als Praktikantin Diana in div. Pflegeheimen. Das Ergebnis: Menschenunwürdige Zustände, mangelnde Hygiene, zu hohe Arbeitsbelastung und mangelndes Personal.

RTL-Undercover-Reporterin Pia Osterhaus (l.) war als Praktikantin Diana in div. Pflegeheimen. Das Ergebnis: Menschenunwürdige Zustände, mangelnde Hygiene, zu hohe Arbeitsbelastung und mangelndes Personal.

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RTL

Berlin -

Pflege-Skandal im Altersheim! Nachdem das Team um den Enthüllungsjournalisten Günter Wallraff (71) in der vergangenen Woche Ekel-Alarm in einigen Burger-King-Filialen ausgerufen hat, hieß es am Montagabend: Miserable Pflegebedingungen, mysteriöse Verletzungen, aggressive Pflegekräfte und ekelerregende Zimmer in zwei angesehenen Altersheimen.
Die RTL-Enthüllungsreportage „Team Wallraff – Reporter undercover“ deckte auf, was in Altersheimen, die vom Medizinischen Dienst der Krankenkassen mit der Bestnote bewertet werden, wirklich passiert. Das Ergebnis ist erschreckend!
Als Praktikantin hat sich die Undercover-Reporterin Pia Osterhaus (32) in das Münchener Sankt-Josef-Heim sowie in ein Heim der börsennotierten Marseille-Kliniken eingeschleust. Und was sie dort entdeckte, ist schockierend.

Das hat das Team um Günter Wallraff entdeckt:

Misshandlungen von Patienten!

Unsanfte Pflege, genervtes Wegschubsen und Bewohner, die mit Gewalt aus dem Bett gezerrt werden. Als eine 90-jährige Bewohnerin verdreht auf dem Boden liegt, weil sie mit dem Kopf nach unten aus dem Bett gefallen ist, hilft die Pflegerin ihr nicht. Nein, stattdessen steht sie vor ihr, lacht und schießt Fotos von der am Boden liegenden Frau. Aber das ist noch lange nicht der Gipfel des Eisbergs! Ein dementer Bewohner fällt Pia Osterhaus besonders auf. Seine Augen sind blutunterlaufen. Die Haut darunter so blau, als wäre er gerade aus dem Boxring gestiegen. In seiner Krankenakte steht zwar ein kleiner Vermerk, doch was mit dem Mann passiert ist, scheint niemandem zu interessieren. Als ihr eine Kollegin erzählt, dass sie beobachtet haben will, wie ein Mann vom Personal geschlagen wurde, reicht es der Reporterin. Sie stellt eine Kamera im Zimmer des Bewohners auf und beobachtet, wie ein Pfleger ihn mit Gewalt und gegen seinen Willen aus dem Bett zerrt, weil er nicht kooperiert. Man möchte sich die Augen zuhalten angesichts dieser schrecklichen Bilder. Und das Schlimmste: Die eingeschaltete Polizei stellt die Ermittlungen ohne Ergebnis ein.

Viel zu wenig Personal und viel zu wenig Zeit!

„Ich werde hier nur mit Essen betreut. Sonst machen die hier seit Tagen nichts mit mir“, klagt eine Bewohnerin. Eine andere sagt: „Ich möchte sterben.“ Eine weitere: „Mir ist das Lachen hier vergangen. Weil es hier so katastrophal ist.“ Aber nicht nur die Bewohner leiden unter dem großen Zeitmangel. Auch das Pflegepersonal selbst erlebt Osterhaus am Rande der Verzweiflung. Große Verantwortung, miese Bezahlung und ein Riesendruck lastet auf den Schultern der Pflegekräfte.
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Ekelerregende Zustände, Schimmel und miserable sanitäre Anlagen!

Es riecht nach Fäkalien, einige Bewohner sitzen mehrere Stunden in ihrem eigenen Urin und an einigen Stellen und Kühlschränken findet Pia Osterhaus sogar Schimmel. Was die Undercover-Reporterin sieht, kann sie selbst kaum glauben. In ihren eigenen Fäkalien sitzend, müssen die Bewohner frühstücken. Keine Zeit für Hygiene. Aber irgendwie entsteht auch der Eindruck, dass die Pflegekräfte es nicht für besonders wichtig empfinden, dass sich die Bewohner wohlfühlen. Mehr als eine Katzenwäsche ist nicht drin. Als Osterhaus ein Fenster im Zimmer einer alten Dame öffnet, fängt diese fast an zu jubeln. Als hätte das nicht vorher schon jemand tun können. Menschenwürdige Zustände sehen anders aus! „Hier kann man eigentlich gar nicht wohnen“, sagt Osterhaus in einem Zimmer in dem Berliner Heim. Und das, obwohl dieses Heim vom Medizinischen Dienst der Krankenkassen im Bereich Hygiene mit einer glatten 1,0 ausgezeichnet wurde. In genau diesem Heim muss Osterhaus eine Bewohnerin mit einem Kissenbezug waschen, weil es keine Waschlappen mehr gibt.

Das rührte fast zu Tränen

Schlechte Bezahlung und keine guten Arbeitsbedingungen. Die Umstände, unter denen das Pflegepersonal arbeitet, sind entsetzlich. Trotzdem gibt es einige Pflegekräfte, die tapfer weitermachen – und das, ohne mit der Wimper zu zucken! Ganz einfach, aus dem Grund, weil sie die Senioren nicht allein lassen wollen. So wie Gabie, die die Lebensumstände von allen Bewohnern kennt und sich trotz des enormen Zeitmangels liebevoll um jeden einzelnen Bewohner kümmert.

Und das war der größte Aufreger

Im Heim der börsennotierten Marseille-Kliniken bricht während Osterhaus‘ Praktikum der Norovirus aus! Eine hochansteckende Darmerkrankung, die für alte oder kranke Bewohner tödlich enden kann. Im Normalfall muss ein solcher Krankheitsfall sofort beim Gesundheitsamt gemeldet werden. Nicht so in dem Berliner Heim. „Wagt euch, das Gesundheitsamt anzurufen. Dann fliegt ihr sofort raus!“, wird hier gewarnt. Der Ausbruch der Krankheit soll stillschweigend unter den Teppich gekehrt werden. Dass Menschenleben auf dem Spiel stehen, scheint niemanden zu interessieren. Erst als die Heimaufsicht zur Kontrolle kommt, werden schnell ein paar Maßnahmen ergriffen. Wie der eigentlich unangemeldete Besuch jedoch bekannt wurde, bleibt offen.

Pia Osterhaus‘ Fazit

„In diesem System sind alle Opfer. Pfleger müssen vor Überforderung geschützt werden und Pflegebedürftige vor überfordertem Personal“, so die Undercover-Reporterin.