Empfehlen | Drucken | Kontakt 21.02.2013 - 13:57 Uhr

Schießwütige Hexenjäger: Märchen-Action „Hänsel und Gretel“

Von Wolf von Dewitz
Hänsel und Gretel mit Jeremy Renner und Gemma Arterton.
"Hänsel und Gretel" mit Jeremy Renner und Gemma Arterton.
Foto: Mario Guzmán. Rechte: dpa

Ein Actionfilm erzählt von den Geschwistern, wie sie das Knusperhäuschen überleben und anschließend Hexenjäger werden. Hollywoodstar Jeremy Renner schießt und schießt - und vertreibt jegliche Märchenstimmung.

Grimm'sche Märchen geizen nicht mit brutalen Szenen. Kinder werden gefressen, Frauen verstümmelt, Gegner gefoltert. Und stets siegt Gut gegen Böse. Solche stoffliche Zutaten scheinen auch Hollywood immer mehr zu schmecken. Zwei aufwendige Schneewittchen-Versionen ließen im vergangenen Jahr die Kassen klingeln: „Snow White and the Huntsman“ mit Charlize Theron brachte es auf rund 400 Millionen Dollar, „Spieglein Spieglein“ mit Julia Roberts auf gut 160 Millionen. Nun versuchen sich weitere Produzenten an dem märchenhaften Erfolgsrezept. Das Actionspektakel „Hänsel und Gretel: Hexenjäger“ wurde unter anderem im Studio Babelsberg gedreht.

Die Besetzung riecht nach Hollywood: Jeremy Renner, mit „Tödliches Kommando“ und „The Town“ oscarnominiert, spielt den Haudrauf-Hänsel, der eine Hexe nach der anderen zur Strecke bringt. Ex-Bondgirl Gemma Arterton („Ein Quantum Trost“) gibt seine ebenso resolute Schwester Gretel. Die beiden - so das Fitzelchen Texttreue zur Grimm'schen Vorlage - konnten sich in jungen Jahren aus den Fängen einer Hexe befreien. Seither streifen sie als schwer bewaffnete Hexenjäger durchs Land. Famke Janssen, einst ebenfalls Bond-Gespielin („GoldenEye“), mimt die diabolische Chef-Hexe, die nach der Unsterblichkeit strebt und dafür nach Kinderblut giert.

Der Film ist ein schießwütiges Kostümspektakel vor großer Kulisse. Nach Produktionsangaben bestand die Filmcrew aus 600 Menschen, in neun Babelsberger Studios entstanden 20 verschiedene Sets. Hinzu kamen Außendrehs im niedersächsischen Braunschweig. Viel Einsatz zeigten die Maskenbildner zudem bei Dutzenden Hexen und einem Troll-Riesen.

Leider scheren sich die Filmemacher nicht um das eigentliche Märchenprinzip, nämlich auf eine starke Geschichte zu setzen und viel Raum für die Fantasie der Rezipienten zu lassen. Stattdessen bleibt es bei rein visueller und akustischer Wirkung: ein Action-Kawumm folgt dem nächsten. Dass Hänsel nach dem kindlichen Naschen am Knusperhäuschen Diabetiker wurde und dass Gretel selbst eine halbe Hexe ist, sind müde Überraschungen im dröhnenden Gemetzel. Mit märchenhaft hat das rein gar nichts zu tun.

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