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Diese Typen findet man auf Festivals: Stresser, Styler und Spaßbremse

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Emotionen pur bei Festivals.
Emotionen pur bei Festivals.
Foto: dpa

Stinkende Plastik-Plumpsklos sind kein Problem, mit betrunkenen Zeltnachbarn wird gefeiert und barfuß getanzt: Festivalzeit bedeutet ein paar Tage völlig abtauchen, ein kleines Abenteuer erleben und auf den üblichen Luxus verzichten. Doch um das genießen zu können, brauchen Jugendliche die passende Begleitung.

Für die Truppe gilt grundsätzlich

„Es gibt keine bestimmte Mixtur. Am besten ist eine gemischte Gruppe mit Freunden“, sagt David Binnewies, Veranstalter des Appletree Garden Festivals in der Nähe von Hannover. Die Größe sollte zwischen fünf bis zehn Leuten liegen. Auf einem Festival verhielten sich viele aber anders als im Alltag. Dann werden die eigenen Freunde plötzlich zum Dauerbreiten, stressen herum oder mimen das Groupie - eine kleine Typologie der Festivaltypen, und wie man am besten mit ihnen zurechtkommt.

Der Stresser

Der Stresser trägt einen laminierten Plan um den Hals und weiß immer ganz genau, wann und wo die angesagtesten Bands spielen. Er hat schon vor Monaten Listen bei Musikstreamingdiensten erstellt und kennt jeden Songtext auswendig. „Der nervt, aber den braucht man“, sagt Svenja Lüthge, Diplom-Psychologin aus Kiel. „Wenn man den im Gepäck hat, weiß man, wo was los ist.“ Wenn der Stresser aber dann doch keine fünf Minuten an einer Bühne stehen bleiben kann, hilft nur eins: „Der Stresser braucht eine klare Ansage: „Achim, das hast du toll gemacht, aber wir brauchen eine kurze Pause.““

Der Styler

Festival bedeutet für den Styler vor allem eins: sehen und gesehen werden. Er trägt Glitzer im Haar, aufwendige Hippie-Flechtfrisuren und für jede Band ein neues Outfit. Außerdem hält er immer das Smartphone bereit, um möglichst schnell die neuesten Fotos auf Facebook zu posten. „Eigentlich will man sich auf Festivals doch eher runterrocken“, sagt Binnewies. „Eine Unterhose und ein paar Socken reichen. Man geht, wie man gekommen ist, schleppt sich nach Hause und freut sich auf die warme Dusche.“ Solange die Sonne scheint, kann man es mit dem Styler durchaus aushalten - doch wenn die weißen Turnschuhe im Schlamm versinken, hört für ihn der Spaß leider auf.

Der Dauerbreite

Den Dauerbreiten trifft man immer mit Dosenbier in der Hand im Campingstuhl. Schon Wochen vorher hat er ausgerechnet, wie viele Liter Bier pro Person gebraucht werden. „Der Dauerbreite läuft auch mal splitterfasernackt über den Campingplatz und geht allen auf die Nerven“, sagt Binnewies. „Am Ende des Festivals stellt er meist fest: „Mist, ich habe nicht viel mitbekommen.““ Der Dauerbreite ist für seine Freunde peinlich, aber dafür auch amüsant. Er punktet bei Trinkspielen, einziger Nachteil: „Man kann ihn nicht einrechnen für Aufgaben wie Spülen und Frühstück machen“, erklärt Lüthge, „dafür sorgt er aber für gute Stimmung.“

Das Groupie

Das Groupie ist kaum bei den Freunden, sondern versucht meist backstage, Telefonnummern und Autogramme zu ergattern. Kreischend steht es in der ersten Reihe und hält die Kamera bereit. „Das Groupie nutzt die Chance, viele Musiker und DJs auf einem Haufen zu treffen“, sagt Maximilian Schinz, Psychologe in der Kontakt- und Beratungsstelle „Transit“ in Berlin. „Es macht einfach keinen Spaß, wenn sich einer immer absondert und nur am Backstageeingang lauert.“ Binnewies hat auf dem Appletree Garden Festival mit Groupies schon einige Erfahrungen gemacht: „Jedes Jahr gibt es Leute, die sich heimlich reinschleichen.“ Wer dann aber erwischt wird, müsse den Backstagebereich sofort wieder verlassen. „Wenn sich der Künstler selbst einen Besucher schnappt, ist das aber seine Angelegenheit.“

Die Spaßbremse

Im Gepäck Karteikarten und statt Dosenravioli gibt es bei ihr nur Gemüseschnitze. Sie trinkt Wasser und, wenn es ein besonderer Abend war, mal eine Cola. „Wer sich nicht darauf einlassen kann, drei Tage völlig abzutauchen, sollte zu Hause bleiben“, sagt Schinz. Vorsätze kann man auf einem Festival grundsätzlich vergessen. „Ein Festival ist dafür da, dass man mal über die Stränge schlagen kann und was erlebt“, erklärt Lüthge. Nasse Klamotten, schlammige Schuhe und kalte Gruppenduschen gehören einfach dazu. „Man muss der Spaßbremse klar mitteilen: „Wir wollen feiern und Spaß haben. Wenn du lernen willst, dann mach es halt.““

Das Phantom

Das Phantom ist auf der Hin-und Rückfahrt anwesend, dazwischen jedoch nicht. Es kommt kurz vorbei, um sich eine Bierdose abzuholen - vor Aufgaben wie Zelt aufbauen, kochen und spülen drückt es sich. Es schläft gerne mal eine Nacht bei einem Bekannten - 15 Zelte weiter. Das Phantom ist so etwas wie der bunte Vogel des Festivals - es kennt jeden. „Dem Phantom muss man fünf Teller in die Hand drücken und sagen: „Abwaschen, dann reden wir über den Nachtisch““, sagt Lüthge. Sonst sollte man ihm generell seine Freiheiten lassen - Putz- und Essenspläne sind auf einem Festival absolutes Tabu. „Dem Problem geht man einfach aus dem Weg, indem man nur Konserven isst und keine Menüs kocht“, sagt Schinz - so gibt es keinen Ärger ums Abspülen.

Der Nörgler

Das Bier ist abgestanden, der Sound ist schlecht und ja, die Bands waren auch schonmal besser. Er mag keine Plumpsklos oder Waschräume, und ohnehin ist es einfach schrecklich mit den ganzen Menschen. Den Nörgler nehmen Freunde mit, damit er Festivals endlich gut findet. Er ist aber einfach nicht zu überzeugen - von daher: „Den Festivalmuffel lässt man am besten zu Hause, auch wenn er ein guter Freund ist“, sagt Binnewies.

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