Empfehlen | Drucken | Kontakt11.03.2010 - 20:40 Uhr

Vor Comeback in Bahrain: Schumi freut sich - nur die Blähungen setzen ihm zu

Von OLIVER REUTER
Zurück bei den  alten, neuen Kollegen: Fernando Alonso (l.) und Felipe Massa von Ferrari freuten sich ebenso wie Jenson Button und Lewis Hamilton über Rückkehrer Michael Schumacher.
Zurück bei den alten, neuen Kollegen: Fernando Alonso (l.) und Felipe Massa von Ferrari freuten sich ebenso wie Jenson Button und Lewis Hamilton über Rückkehrer Michael Schumacher.
Foto: ddp
Manama –  

Um 10.40 Uhr Ortszeit betritt Schumi wieder die große Bühne. In der Mercedes-Niederlassung „Al Haddad Motors“ am Sheik Salman Highway in Bahrains Hauptstadt Manama betritt Schumi sein neues, altes Leben.

Oder besser: er hüpft! Der 41-Jährige freut sich wie ein Kind, am Sonntag (13 Uhr, RTL und Sky live) wieder im Kreis fahren zu dürfen – 1239 Tage nach seinem letzten Rennen in São Paulo. Schumi grinsend: „Bei der Präsentation unseres Teams in Stuttgart habe ich gesagt: Ich fühle mich wie ein 12-Jähriger. Ich bin seitdem etwas gewachsen, aber nicht viel.“

„Das Schlimmste sind die Blähungen.“
Teil der Strecke neu

1239 Tage. So lange ist Schumi kein Rennen mehr gefahren. 115 Tage sind vergangen, seit Ross Brawn ihn zum Comeback überredete. In Rekordzeit brachte sich der Kerpener wieder in Form, riss in acht Testtagen 3219,2 km ab. Hat sich sein Körper durch den Stress verändert?

Schumi stellt klar: „Die ersten drei Kilo gingen ruckzuck runter, danach wurde es etwas beschwerlicher. Aber ich fühle mich absolut wohl, mein Körper hat das harte Training gut verkraftet.“ Er schuftete daheim in der Schweiz in seiner neuen Nackenmaschine, er setzte sich bei den Tests noch aufs Rennrad, doch die Kräfte, die in einem Formel-1-Auto an einem zerren (bis zum Fünffachen des Körpergewichts) konnte er nicht simulieren.

Da verformen sich selbst die inneren Organe, und Schumi litt ab und an – wie seine jüngeren Kollegen auch – unter Verdauungsstörungen: „Das Schlimmste sind die Blähungen.“

Schumis Comeback in Bahrain, das Premierenrennen auf dem Wüstenkurs hat der Kerpener 2004 gewonnen. Logisch, dass er sich für Sonntag wünscht: „Sieg Nummer zwei.“ Aber Vorsicht, die Strecke wurde frisch umgebaut! Nach Kurve 4 hat der Aachener Architekt Hermann Tilke ein Geschlängel aus acht engen Kurven eingefügt, die Pistenlänge steigt auf 6,299 km, es werden nur noch 49 Runden gefahren.

Für Schumi kein Problem. Der Perfektionist fuhr den neuen Kurs schon im Simulator. „Er sieht nett aus, hat viele Kurven. Die sind eher technisch gesehen eine große Herausforderung, weil man beim Set-up schnell danebengreifen kann“, weiß er. „Es wird dort nicht besser zu überholen sein, aber ich freue mich trotzdem drauf.“

Er trägt Jeans, Turnschuhe, ein weißes Mercedes-Hemd und eine neue silber-graue Kappe. Neben ihm sitzt sein junger Teamkollege Nico Rosberg (24) und staunt. 250 Journalisten sind gekommen, um Rückkehrer Schumi auf ihre Art zu begrüßen. Doch selbst die frechsten Fragen nach einer Stallorder („der Schnellere ist die Nummer 1“) und seinen Kindern („Privatsphäre“) lächelt der Kerpener einfach weg.

„Ich habe euch vermisst, absolut“, scherzt Schumi. „Nein im Ernst: Ich genieße es einfach, im Auto zu sitzen und gegen die Jungs auf der Strecke zu kämpfen. Das habe ich vermisst“, erklärt er seine kindliche Vorfreude. So erinnert er sich auch gerne an sein Kart-Duell mit Rosberg 2001 in Kerpen: „Da kamen wir uns ab und zu sehr nahe, aber das hat Spaß gemacht.“

Aber eins ist auch nach drei Jahren Rennpause so geblieben: Das Ergebnis muss stimmen. Und so korrigiert er Rosberg sofort, als der meint: „In Kerpen war WM, es war nass und zwischen uns ging es um Platz drei und vier.“ Schumi beugt sich zu ihm rüber und sagt: „Ne, ich bin Zweiter und du Dritter geworden.“

Beim Ziel für Sonntag will sich Schumi nicht so genau festlegen. „Wir wollen gewinnen, klar. Aber das hier sofort zu schaffen, ist nicht der Schlüssel zum Erfolg. Mein Hauptziel ist es, am Ende das Ergebnis einzufahren“, sagt er und sagt mahnend in Richtung von Mercedes-Sportchef Norbert Haug, „wenn wir am Anfang der Saison nicht zu viel an Boden verlieren.“

Die große Hoffnung liegt in dem neuen Wunder-Diffusor, den Teamchef Ross Brawn erst heute an Schumis Silberpfeil schrauben wird. „Wir werden einen Schritt machen gegenüber dem letzten Test in Barcelona“, sagt Schumi. „Ich hoffe, der ist groß genug.“ Sonst ist es schnell vorbei mit der kindlichen Vorfreude.

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