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Nach Sieg-Klau in Malaysia: Hat Vettel falsch gehandelt?

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Ist es falsch, dass Sebastian Vettel den Teambefehl ignorierte und Red-Bull-Kollege Mark Webber den Sieg  klaute? Oder muss man im Spitzensport so egoistisch sein?
Ist es falsch, dass Sebastian Vettel den Teambefehl ignorierte und Red-Bull-Kollege Mark Webber den Sieg klaute? Oder muss man im Spitzensport so egoistisch sein?
Sepang –  

Der Sieg-Klau von Malaysia. Ist es falsch, dass Sebastian Vettel (25) den Teambefehl ignorierte und Red-Bull-Kollege Mark Webber (36) den Sieg klaute? Oder muss man im Spitzensport so egoistisch sein? Wir haben die Stimmen Pro und Contra.

Aber die Aktion wirft auch ein neues Licht auf Vettel. Für die Öffentlichkeit war er der Strahlemann. Der nette, bescheidene Weltmeister. Doch jetzt sah die Welt Vettels anderes Gesicht. Das des rücksichtslosen Ehrgeizlings, der sich für den Erfolg über die Regeln der Fairness hinwegsetzt.

Das eines Täuschers, der sein Foul erst zugibt, als es nicht mehr zu leugnen war. Eines, das an sein Vorbild Schumi erinnerte. Eines, das er bisher hinter seinem Lausbubengrinsen versteckte. Vom lieben Seppi zum fiesen Vettel. Wenn er den Helm aufsetzt, beginnt die Verwandlung.

Das gibt Vettel sogar selbst zu: „Ich bin ein Egoist.“ „Ich bin ein schlechter Verlierer. Ich will immer gewinnen.“ „Im Rennen muss man manchmal ein Drecksack sein.“

Das bewies er mit Manövern wie dem gegen Webber, aber auch mit Unflätigkeiten: So zeigte er dem Kollegen nach ihrem Istanbul-Crash 2010 einen „Vogel“. Vor einem Jahr zeigte er in Sepang Narain Karthikeyan den Stinkefinger und beschimpfte ihn als „Gurke“ und „Idiot“.

Und in Montreal rempelte er Bruno Senna einfach zur Seite. Damit machte er sich Feinde. Im Final-Krimi in São Paulo drängte ihn Webber ab, und Senna fuhr ihm ins Auto. Vettel tobte: „Ich glaube, ich muss mal zum Grab von Ayrton gehen und ihm sagen, was sein Neffe da gemacht hat.“

Dieses Verhalten erinnert Ex-Weltmeister Jacques Villeneuve an „ein verzogenes Kind“. Und Hans-Joachim Stuck weiß: „Die Wunde sitzt sehr tief, die wird nie mehr verheilen. Webber wird es ihm heimzahlen, da gibt es viele Möglichkeiten.“
Das sind die Schattenseiten eines Strahlemann-Daseins.

Große Diskussion: Hat Vettel falsch gehandelt?

Pro! „Das war Kasperletheater“
Contra! „Weltmeister sind nicht nett“

Hans-Joachim Stuck: „Als Fahrer ist er natürlich Egoist, aber er ist Angestellter seines Teams und hat zu 100 Prozent die Anordnung zu befolgen. Er linkt den eigenen Kollegen, das ist, wie wenn du im Krieg den eigenen Kameraden erschießt. Da war kein Zentimeter Platz zwischen den beiden. Was der da aufgeführt hat, das war Kasperletheater auf Weltniveau.“

Niki Lauda: „Egoisten sind sie im Rennauto alle, aber Vettel hat mit aller Macht gewinnen wollen – gegen jede Logik des Teams. Ein schwerer Fehler.“

Jacques Villeneuve: „Vettel hat wie ein verzogenes Kind reagiert.“

John Watson: „Der einzige sinnvolle Weg, um ihn zur Rechenschaft zu ziehen, ist zu sagen: Du setzt ein Rennen aus.“

Boris Becker: „Vettel hat getan, was ein dreimaliger Champion tun muss: die Sache selbst in die Hand nehmen. Ja, er hat die Teamorder missachtet. Er hat sich entschuldigt und wusste, dass er etwas falsch gemacht hatte. Ende der Geschichte.“

Marc Surer: „Nette Menschen werden nicht dreimal Weltmeister, und Sebastian Vettel hat gezeigt, dass er kein Netter ist, sondern sich über die Stallregie hinweggesetzt.“

Christian Danner: „Webber war nun mal langsamer. Sebastian macht ja immer auf ganz lieb, aber er ist nicht lieb. Da ist jetzt richtig Dampf im Kessel.“

Alexander Wurz: „Vettel hat auf der Strecke seinen Status als Nummer-eins-Pilot klargemacht, den er inoffiziell im Red-Bull-Team ohnehin hat.“

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