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Einzige F1-Chefin: „Wir brauchen die Frauen-Quote“

Die Herrin des Rings: Sauber-Chefin Monisha Kaltenborn an ihrem Boliden beim Formel-1-Rennen in Bahrain.
Die Herrin des Rings: Sauber-Chefin Monisha Kaltenborn an ihrem Boliden beim Formel-1-Rennen in Bahrain.
Foto: Sauber

Sie ist die einzige Chefin im Männersport Formel 1: Monisha Kaltenborn (41), geschäftsführende Teilhaberin des Sauber-Teams.

Die in der Schweiz lebende Inderin scheut sich nicht, Männern wie Mercedes-Boss Norbert Haug die Stirn zu bieten.

Im Talk erzählt die First Lady der Formel 1, wie man es in einer Männer-Domäne nach oben schafft.

Frau Kaltenborn, in den Teameigner-Sitzungen geht es sicher hoch her, gab es da schon Machosprüche gegen Sie?

Nein, die gibt es schon deshalb nicht, weil ich schon so lange dabei bin. Seit 1998. Wir waren das kleine Privatteam, dann das BMW-Werksteam, und jetzt bin ich in einer Führungsposition. Wir sind ja hier eine kleine Familie, da kennt man sich zu gut, als dass es dumme Sprüche gibt.

Sind Sie stolz, die First Lady der Formel 1 zu sein?

Ich bin eher sehr dankbar dafür, dass ich diese Chance bekommen habe. Stolz bin ich, dass mir dieses Vertrauen entgegengebracht wurde. Sonst hätte ich es ja nicht nach oben geschafft.

Wie wurden Sie denn zur Chefin eines Rennstalls?
Am Anfang kümmerte ich mich nur um die juristischen Belange. Aber mir wurde von Peter Sauber die Freiheit gegeben, mich mehr und mehr in verschiedene Bereiche zu entwickeln. 2001 hat er mich ins Management berufen. Dadurch erhielt ich einen viel besseren Einblick in die Deals mit Bernie Ecclestone und der FIA.

Warum gibt es sonst kaum Frauen in der Formel 1 – als Fahrer oder im Management?

Das ist einfach zu beantworten: Weil sie diese Chance nicht bekommen. Es liegt sicher nicht an mangelnden Fähigkeiten.

Fordern Sie die Frauen-Quote?

Ich bin grundsätzlich gegen Quoten, weil es etwas Künstliches ist. Bei der Formel 1 sehe ich es eigentlich auch so, denn wir sind ein Sport. Bei den Fahrern sollte der Beste im Auto sitzen. Im Management braucht es vielleicht diese Hilfe der Quote, weil die Frauen sonst diese Chance nicht bekommen.

Heißt das, die Männer wollen unter sich bleiben?

Diesen Eindruck kann man gewinnen. Wenn die Männerwelt nicht bereit ist, uns ans Ruder zu lassen, dann müssen wir es künstlich schaffen. Wenn erstmal genug Frauen da sind, wird sich die Formel 1 öffnen und die Quote ist kein Thema mehr.

Sie sind Chefin von über 300 Mitarbeitern und zweifache Mutter, wie bringen Sie Familie und Beruf unter einen Hut?

Das ist alles eine Frage der Organisation. Morgens bin ich erst einmal nur für meine beiden Kinder da. Dann kommt der Arbeitstag, und später nehme ich mir noch einmal konzentriert Zeit für sie. Noch später am Abend ist dann noch einmal der Beruf an der Reihe.

Nehmen Sie die Kinder auch mal mit an die Strecke?

Während der Rennwochenenden achte ich sehr darauf, den Kontakt mit meinen Kindern zu halten. Über Telefon oder Skype. Ich finde es wichtig, sie einzubinden. In den vergangenen beiden Jahren habe ich meinen Mann und meine Kinder auch mit zum Großen Preis von Monaco genommen. Es ist gut, wenn sie sehen, wo ich bin, wenn ich unterwegs bin.

Macht Sie Ihr Job glücklich? Nach dem BMW-Rückzug haben Sie Sponsoren aus Mexiko gewonnen, Ihr Fahrer Sergio Perez war schon mal Zweiter ...

Völlig zufrieden sind wir nicht. Das liegt aber auch daran, dass wir hohe Ziele haben. Wir haben gesagt, dass wir regelmäßig punkten möchten. Wir haben in Hinwill die Infrastruktur und wir haben ein konkurrenzfähiges Auto. Aber man braucht auch mehr Mittel, um es weiterzuentwickeln. Die gilt es zu besorgen, um unsere Ressourcen auszunutzen und in der WM einen großen Schritt nach vorne zu machen.

Was sind Ihre Ziele als Sauber-Mitbesitzerin?

Es ist eine große Verantwortung, die man in einem 40 Jahre alten Team, 20 davon in der Formel 1, übernimmt. Auch aus der Formel 1 sind in diesen 20 Jahren große Namen verschwunden, aber wir sind immer noch hier. Wir wollen sicherstellen, dass das so bleibt.

Bernie Ecclestone ist 81 Jahre alt, ein Nachfolger ist nicht in Sicht. Können Sie sich für den Job eine Frau vorstellen?

Warum nicht? Eine Frau wäre auf jeden Fall in der Lage, die Formel 1 zu führen. Ob sie sie wie Bernie führen kann und will, ist eine andere Frage.

Sie meinen so diktatorisch...

Ja, ich muss auch sagen, es ist sehr schwierig, uns Teams zu führen. Wir sind alle sehr egozentrisch. Das liegt in der Natur der Sache. Wir sind in der WM. Man muss auch sagen, dass es eine unglaubliche Leistung ist, was Bernie aus der Marke Formel 1 gemacht hat. Den Wert dieser Marke hat er geschaffen.

Und wer hat die besten Manieren im Fahrerlager?

Man hat nicht so oft Gelegenheit, auf diese Dinge zu achten, aber da benimmt sich keiner daneben. Mit manchen redet man mehr, weil man sie besser kennt, mit anderen weniger.

Sind Sie genauso gerne mit einem Gentleman zusammen wie mit Kimi Räikkönen, der am liebsten Party macht?

Wir kennen Kimi schon lange, er ist ja über uns in die Formel 1 gekommen. Den nehmen wir, wie er ist. Nein, ich kann sagen: Hier ist keiner dabei, bei dem man sich an den Kopf greift.

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